Ein Übersetzungsfehler machte Maria zur Jungfrau

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Was geht im Buchhandel immer? Shades Of Grey und die Bibel. Tatsächlich verkauft sich seit Dezember die Bibel wieder so enorm, dass Mitte Januar bereits die dritte Auflage kommen wird. Das derzeitig große christliche Interesse erklärt sich dadurch, dass sowohl die Einheitsübersetzung als auch die Lutherbibel zu 2017 überarbeitet wurden. Beide sollen nun näher an den hebräischen Originalquellen sein. Und das bringt ein paar Überraschungen mit sich.

Stille Post von Hebräisch in Griechisch in Latein

Für die erste große lateinische Übersetzung, die Vulgata aus dem späten 4. Jahrhundert, saß der Heilige Hieronymus mit seiner Schülerin Eustochium an den Schriften. Über Jahrhunderte wurde das Latein kultiviert, es folgten Übersetzungen von Übersetzungen. Man kann sich vorstellen, dass da so einiges verloren ging, dazukam oder missverstanden wurde. Und so ist es auch. Der prominenteste Übersetzungsfehler ist wohl der Mythos um die Jungfrau Maria.

Der Prophet Jesaja kündigt im hebräischen Original an, eine junge Frau – und nicht eine Jungfrau – werde ein Kind empfangen. Die Jungfrau kam erst durch einen Fehler ins Griechische in den Text. In den Ausgaben von 2017 wird das nun der Fussnote auch eingeräumt. Den Text aber gar zu ändern, trauten sie sich wohl nicht. Immerhin bedeutet der Glaube an die Jungfräulichkeit Marias für viele junge Katholikinnen noch immer viel – sogar möglicherweise das eigene Versprechen der Aufsparung bis zur Ehe.

Aber immerhin wurde die Rolle der Frauen grundsätzlich besser herausgearbeitet: In den Briefen heißt es nun „Brüder und Schwestern", im Original kommen nur die Brüder vor. Ebenfalls signifikant ist die Geschlechtsumwandlung des Apostels Junias. Der ist nun historisch korrigiert worden und die Apostelin Junias nimmt wieder ihren verdienten Platz ein.

Schon interessant, was rauskommt, wenn Wissenschaft auf Glauben trifft.
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