So viele Babys & bald keine Hebammen mehr – warum?

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Wer schwanger ist, kann sich darauf einstellen, die Finger wund zu tippen, bis alle Hebammen abtelefoniert sind. Ja, es ist schwierig, die richtige Entbindungshilfe im Umkreis zu finden – beziehungsweise dann einen freien Termin in ihrem Terminkalender.
Woran es liegt, dass es in Deutschland einen extremen Mangel an Hebammen gibt? Immer mehr Beleghebammen, also freiberufliche Hebammen, die ihre Leistung in der Klinik anbieten, können sich die hohen Beiträge für die Haftpflichtversicherung nicht mehr leisten: Von 2002 bis 2016 haben sich die Haftpflichtversicherungsprämien mehr als verzehnfacht. Inzwischen muss eine Hebamme, die freiberuflich Geburtshilfe anbietet, über 6800 Euro nur für ihre Berufshaftpflichtversicherung bezahlen. Dabei ist es egal, ob sie als Hausgeburts- oder Geburtshaushebamme vielleicht nur wenige Geburten im Jahr begleitet.
Nun will der Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenkassen (GKV-SV) die Regeln für die Vergütung von Geburtshilfe durch Beleghebammen auch noch verändern – zum Nachteil von Hebammen und werdenden Müttern. Dies könnte die Versorgung mit Hebammenhilfe in fast allen Bundesländern dramatisch beschneiden, weil viele Kreißsäle und Geburtsabteilungen wahrscheinlich schließen müssen. Vorgesehen ist in dem Entwurf , dass Beleghebammen im Schichtdienst in einer Klinik nur zwei Frauen gleichzeitig betreuen dürfen. Ruft in der Zeit eine Schwangere an und braucht Rat, muss ihn die Hebamme kostenlos geben – abrechnen darf sie diese Dienstleistung nicht. Abgerechnet werden darf nur, wenn die werdende Mutter bis zur 38. Schwangerschaftswoche verbindlich angemeldet ist. Kommt das Baby später als geplant oder ist die Hebamme krank, bleibt die Vergütung aus.
Der Deutsche Hebammen Verband  startete die Initiative „Rettet die Beleghebammen" – und ruft auf dem Gesundheitsminister des Bundeslandes oder den Abgeordneten des Wahlkreises anzuschreiben und aufzufordern, aktiv zu werden. Weil Hebammen unersetzlich sind.
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