Influencerin photoshoppt sich um die Welt & jeder hat ihr bis jetzt geglaubt

Die Tourismusbranche setzt schon lange nicht mehr auf Mundpropaganda, wenn es darum geht Marketing zu betreiben. Heutzutage engagiert man stattdessen Influencer, die das Hotel, ein Restaurant oder sonstige Attraktionen über ihren Instagram-Kanal promoten sollen. Die Fotos sollen Reiselust wecken, den Appetit anregen, die Menschen letztendlich dazu animieren, ihr Geld genau für diese eine Reise auszugeben. Influencer-Marketing nennt man das. Und offensichtlich lohnt sich dieses Geschäftsmodell.
Eine sehr erfolgreiche Influencerin ist Amalia Liana. Beim Anblick ihres Instagram-Accounts, ihr folgen knapp eine halbe Million Follower, mag dem einen oder anderen die Kinnlade runterklappen. Los Angeles, New York, London – wenn man ihren Bildern Glauben schenken darf, befindet sie sich nahezu täglich an einem anderen aufregenden Ort auf der Welt. Wie das alles zeitlich möglich ist, darüber lassen sich nur Spekulationen anstellen. Vielleicht wird hier und da doch einmal ein bisschen gemogelt, des schönen Scheins wegen. Und genau für diese Tatsache muss sich die Bloggerin aktuell rechtfertigen. Der Vorwurf? Sie poste Fake-Fotos. Aufmerksamen Beobachtern war aufgefallen, dass manche ihrer Bilder nicht mit der realen Situation vor Ort, an dem sie angibt zu sein, übereinstimmen.
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Konkret handelte es sich hierbei zum Beispiel um ein Foto, das die Bloggerin vor der Skyline New Yorks zeigt. Mit diesem Post, der im Mai 2017 online ging, suggeriert Liana, dass sie sich gerade im hippen Big Apple befindet. Komisch daran ist, dass der Skyline im Hintergrund ein wichtiges Detail fehlt – und zwar der 2013 entstandene Freedom Tower. Da das New Yorker Wahrzeichen auf dem Bild partout nicht zu finden ist, liegt es nur nahe, dass es sich hier um ein Fake handelt. Nun gibt es zwei Möglichkeiten: Das Foto ist zu einem früheren Zeitpunkt entstanden, wurde aber jetzt erst gepostet. Oder Amalia Liana hat sich einfach in ein bereits existierendes Foto gephotoshoppt, war abetatsächlich nie vor Ort.
Nun ist es kein Geheimnis, dass Blogger und so genannte Influencer ihre Fotos bearbeiten. Das gehört zu ihrem Job, sie kreieren eine Welt, die, wenn wir mal ehrlich sind, wenig mit der Realität zu tun hat. Trotzdem fühlen sich Fans von Amalia Liana jetzt an der Nase herumgeführt. Es sei eine Sache, geschönte Bilder lediglich später zu posten, solange sie eben noch der Wahrheit entsprechen. Anders verhalte es sich aber mit Fotos, auf denen eine Situation komplett inszeniert sei. Sich in Kulissen zu photoshoppen, an denen man wirklich nie gewesen ist, ginge zu weit. Das gleiche schlichtweg einer Lüge.
Auch die Echtheit eines Fotos, das die Influencerin vor dem Taj Mahal in Indien zeigt, wird bezweifelt. Das Gebäude wird seit mehreren Jahren restauriert und ist dementsprechend von Baugerüsten umsäumt. Irritierend ist zudem, dass außer ihr kaum ein Mensch vor der sonst so überlaufenden Touristenattraktion zu sehen ist. Seltsam. Die Frage, ob sie jemals dort war oder sich ins Bild „gebeamt" hat, ist abermals berechtigt.
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Die Vorwürfe an die Bloggerin sind natürlich ein gefundenes Fressen für die Medien. Seitdem die Times am Samstag über die Fake-Travel-Bilder der 26-jährigen berichtete, brechen im Netz wieder mal hitzige Diskussionen über die Daseinsberechtigung eines Influencers aus. Amalia Liana unterstellt man jetzt, ihr gesamter Account, ihre digitale Identität sei ein einziger Fake.
Sie selbst reagierte auf ihrem Blog mit einem Beitrag, in dem sie ihre Prinzipien, wie und in welchem Maße sie Fotos bearbeite, offenlegt. „Ich bearbeite meine Bilder immer in einer Art und Weise, die das wahrhaftige Geschehen wieder gibt und immer genauso so, dass es meine Ästhetik widerspiegelt." In einem der sechs Punkte sagt sie zudem: „All meine Bilder wurden wirklich zu der Zeit und an dem Ort geshootet, die ich angegeben habe." Blöd nur, dass sie etwa das umstrittene Bild vor der New Yorker Skyline mittlerweile entfernt hat, dieser Zug spielt ihr nicht gerade in die Karten.
Wie auch immer ihre Bilder nun entstehen, ob sie wirklich an all diesen Orten war oder einfach nur über verdammt gute Photoshop Skills verfügt, jedes ihrer Fotos wird fortan unter Beschuss stehen. Damit muss sie dann halt auch leben.