In Berlin soll es jetzt Pissoirs für Frauen geben & so könnten sie aussehen

Foto: Carrol Cruz & Jacob Sadrak, Danny Kim / Artwork: Ira Bolsinger
Wir Frauen haben es manchmal bekanntlich nicht leicht. Sobald wir unser gewohntes Territorium verlassen, wird zum Beispiel der Toilettengang zur Herausforderung. Wie in vielen Bereichen herrschen nämlich auch auf dem Klo ungerechte Geschlechterunterschiede. Denn während Frauen viel zu oft äußerst erfinderisch und akrobatisch vorgehen müssen, um die Klobrille aus hygienischen Gründen beim Pinkeln bloß nicht zu berühren, können Männer dies einfach im Stehen tun und auf überall vorhandene Pissoirs zurückgreifen. Dabei herrschen gerade in öffentlichen Gebäuden, in Bars oder auf Festivals ekelhafte Toilettensituationen, die es für Frauen oder Transsexuelle noch zusätzlich erschweren diesen Vorgang hygienisch zu bewältigen.
Die deutsche Hauptstadt möchte diesen Umstand in Zukunft ändern. Der Berliner Umweltsenat hat deshalb gerade ein neues Toilettenkonzept vorgestellt, das in Zusammenarbeit mit der Technischen Universität Berlin und der Firma Zebralog entstanden ist. Darin ist nun der Punkt Geschlechtergerechtigkeit vermerkt, der vorsieht das Unisex-Toilettenangebot in Berlin zu erweitern. Der Vertrag mit dem jetzigen Betreiber von rund 250 öffentlichen Toiletten läuft 2018 aus. Zwar existieren solche Unisex-Angebote bereits, bisher sind in den meisten Toiletten jedoch nur Pissoirs für Männer vorhanden. Frauen und Transsexuelle waren von der Nutzung bisher ausgeschlossen und dementsprechend nicht gleichgestellt. Der Entwurf sieht vor, dass es Urinale zukünftig ausschließlich in Kombination mit sogenannten Unisex-Toiletten geben soll.
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Soweit, so gut. Aber wie bitte schön soll so ein Pissoir für Frauen aussehen?
Natürlich haben sich die Macher des neuen Toilettenkonzepts die Frage auch gestellt. Bei der Recherche sind sie auf die Girly Urinals des italienischen Designers Matteo Thun aufmerksam geworden, der mit seiner Version des Urinals für Frauen bereits erste Preise einheimste. Auf seiner Website erfährt man über das Modell Folgendes: „WC-Urinal optimal für Sie. Kein Kontakt dank seiner innovativen Form, die die Anatomie der Frau berücksichtigt.“
Dass nach Veröffentlichung dieses neuen Vorschlags eine hitzige Gender-Debatte entflammen würde, war abzusehen. Kritiker (vornehmlich Männer) sehen nicht ein, dass Frauen sich diskriminiert oder benachteiligt fühlen, weil sie nicht im Stehen pinkeln können. Vielleicht sollten sich also die, die sich an einem gerechten Toilettenangebot stören, selbst einmal in die Situation einer Frau versetzen und versuchen sich auf ein öffentliches Klo zu setzen. Danach können wir dann noch einmal über die Sinnhaftigkeit von Girly Urinals reden.
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