14 erotische Kurzgeschichten – von Frauen für Frauen

Illustration: Anna Sudit.
Als ich 1999 damit anfing, erotische Literatur zu schreiben, wurde ich oft gefragt, was ich eigentlich genau mache. Heute ist das anders; dank Fifty Shades of Grey wissen alle, was erotische Fiktion ist. Leider gehen dafür alle davon aus, dass sich alles auch so lesen muss wie Shades of Grey: weibliche Unterwerfung als konzeptionelles Spiel.
Die Wahrheit ist aber, dass es in diesem Genre eine ganze Bandbreite an Geschichten und Entwürfen gibt. Ich müsste es wissen, denn bis heute habe ich mehr als 60 erotische Anthologien editiert und hunderte von Geschichten gelesen. Erotika zu schreiben hat mein Leben verändert; es hat mir neue Perspektiven über meine eigene Sexualität und die meiner Mitmenschen ermöglicht.
In den letzten zehn Jahren haben Frauen Sexgeschichten entdeckt, die Christian Grey die Röte ins Gesicht schießen lassen würden. Und wer Erotika nicht als Kunstform sehen will, sollte sich im Klaren darüber sein, dass 30% von 130 befragten Autoren eine formale Universitätsausbildung in den Literaturwissenschaften genossen haben.
Weibliche Autorinnen betreten die Welt der erotischen Fiktion aus unterschiedlichen Gründen: Manche sehen eine Geschäftsidee, andere wollen auf sichere Art und Weise sexuelle Fantasien entdecken, die sie in ihrem echten Leben nicht ausleben können; und schließlich gibt es auch welche, die einfach ihre LeserInnen erregen möchten. Ich bin zwar der Meinung, das Fiktion eben nur Fiktion ist und nicht zwangsweise was mit dem echten Leben zu tun haben muss, aber ich glaube trotzdem, dass die wachsende Leserschaft im Erotika-Genre positiv zu bewerten ist. Wenn dieses Genre nicht in den letzten Ecken versteckt und als schmuddelig abgewertet wird, sendet das ein lebens- und sexbejahendes Signal für Frauen. Wir sind sexuelle Wesen mit Lüsten und Sehnsüchten, die nicht einfach nur eindimensional sind.
Die Tatsache, dass Erotika heute so weit verbreitet sind – von Print-Kassenschlagern bis zu Indie-E-Book-Verlagen und -Magazinen –, bedeutet, dass wir heute einfacher über Sex reden können; auch über Sex, der Konventionen übertrifft. Spaziert doch nur einmal durch eine Romantikbücher-Abteilung und ihr werdet genauso viele kitschige Pärchen auf den Covern wie Handschellen finden. Weibliche Autorinnen schreiben über Heteros, Lesben, Bisexuelle, Schwule und alle möglichen anderen Modelle, und eröffnen damit ihren Lesern zahlreiche Perspektiven unserer Sexualität.
Als mich Refinery29 gebeten hat, eine Auswahl der heißesten erotischen Erzählungen von Frauen zu kuratieren, wollte ich euch ein bisschen was von dieser Diversität präsentieren. Im Folgenden findet ihr Exzerpte aus erotischer Literatur. Ihr werdet von allem etwas vorfinden: süß, dreckig und alles, was dazwischen liegt. Die Autorinnen haben ihren ganzen Mut zusammengenommen, um Sex in seiner ganzen, facettenreichen Art zu portraitieren. Macht euch darauf gefasst, positiv überrascht zu werden, denn diese Autorinnen haben keine Angst davor, auch BDSM, schwulen Sex oder Sex mit fremden Männern zu thematisieren.