How to be a digital nomad: Arbeiten wo andere Urlaub machen – aber mit Struktur

Ich war dieses Jahr für die Arbeit exakt 126 Tage im Ausland , also gut ein Drittel des Jahres. Hinzu kommen die Tage, die ich innerhalb Deutschlands unterwegs war und damit nicht in meiner Heimatstadt Berlin. Das sind etwa genauso viele. Man muss aber auch sagen: Es war ein verhältnismäßig ruhiges Jahr für mich, vor allem die zweite Hälfte. Aus eigener Erfahrung weiß ich: Es gibt sie – die neumodischen Nomaden. Die, die quasi immer aus dem Koffer leben, überall und nirgendwo zuhause sind. Kaum sind sie daheim angekommen, machen sie sich schon wieder auf dem Weg zum Flughafen. Dieses Jahr war ich keiner von den extremen Digital Nomads, weil ich ausnahmsweise in Deutschland viele Verpflichtungen hatte, aber nächstes Jahr kann das schon wieder ganz anders aussehen.
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Der Begriff Digital Nomad wird laut Wikipedia folgendermaßen definiert: Ein digitaler Nomade (auch Internet-Nomade, Büronomade, urbannomad) ist ein Unternehmer oder auch Arbeitnehmer, der fast ausschließlich digitale Technologien anwendet, um seine Arbeit zu verrichten, und zugleich ein eher ortsunabhängiges beziehungsweise multilokales Leben führt. Also jemand, der von überall aus arbeiten kann, und das auch tut. Für viele Arbeitnehmer in Festanstellungen, die jeden Tag ins gleiche Büro müssen, um die immergleiche Arbeit zu erledigen und ihre Reisen auf maximal 30 Tage im Jahr beschränken müssen, klingt das wie ein Traum. Wenn man ihn lebt, ist er immer noch toll, aber durchaus auch mit Entbehrungen verbunden. Ich kann sie auswendig die Sprüche: Aber auch ein bisschen arbeiten, ne?! Du bist ja NUR unterwegs! Du hast ein Leben! Wie, schon wieder Urlaub, reicht das nicht mal langsam?

Vielen ist nicht bewusst, dass ich und andere nichts anderes tun, als sie auch, nämlich unsere Arbeit erledigen. Mal acht Stunden am Tag, mal zwölf, mal 14 und dann vielleicht auch mal nur vier Stunden. Der einzige Unterschied ist, dass wir dies nicht vom angestammten Büroplatz aus tun, sondern unser Büro eben immer dabei ist und überall platziert werden kann.

Etliche Menschen, auch solche, die es eigentlich besser wissen sollten, weil sie in derselben Branche sind, sind oft pikiert, dass man sooft weg ist, sie meinen, man hätte nur Urlaub. Pustekuchen! Vielen ist nicht bewusst, dass ich und andere nichts anderes tun, als sie auch, nämlich unsere Arbeit erledigen. Mal acht Stunden am Tag, mal zwölf, mal 14 und dann vielleicht auch mal nur vier Stunden. Der einzige Unterschied ist, dass wir unsere Arbeit nicht vom angestammten Büroplatz aus tun, sondern unser Büro eben immer dabei haben. Der Rechner kann überall platziert werden: im Zug, im Flugzeug, an der Hotelbar, irgendwo am Meer, in den Bergen, auf Terrassen, Verandas oder am Pool. Natürlich sehen die Menschen zuhause – egal ob Freunde, Familie, Kollegen oder Bekannte – nur die Sonnenseite dieses Lebens: Eindrucksvolle Bilder von der Destination, an der man gerade verweilt, tolles Wetter, den Part Nomade ohne das Digital. Vor allem aber gehört dazu viel Disziplin, denn auch ich würde auf den Philippinen lieber am Strand liegen, statt vor dem Laptop zu hängen und in Südafrika lieber ab mittags ein kühles Glas Weißwein genießen und keine Calls und Meetings per Skype abarbeiten.
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Marvin Schoenberg
http://marvin-schoenberg.com
Aber: Es ist für mich trotzdem die schönste Art und Weise zu arbeiten, die es gibt. Ich sehe die Welt und tauche ein in fremde Kulturen, Lebens- und Arbeitsweisen, mein Laptop, mein iPhone, mein Office immer dabei. Ich bin jeden Tag dankbar für meine Kunden, die ein solches Vertrauen in mich haben, dass ich arbeiten kann, von wo auch immer ich es will. Aber: Was braucht man eigentlich, um als Digital Nomad zu arbeiten? Worauf muss man achten, welche Charaktereigenschaften und welche Gadgets sind wirklich wichtig? Hier findet ihr
sechs Tipps, die es euch ermöglichen, von überall aus in der Welt eurem Job nachzugehen.
1. Einen Job
Klingt banal, aber natürlich braucht ihr einen Job, der vereinbar ist mit dieser Art des Arbeitens. Tendenziell geht das als Selbstständiger und Freelancer einfacher als als Angestellter, aber auch angestellt gibt es ein paar Berufe, die sehr flexibel sind. Vor allem Jobs, bei denen man alle Tätigkeiten am Rechner erledigen kann, bieten sich an. Dazu zählen viele Kreativberufe wie Kommunikations- oder Webdesigner, Journalist oder Content Creator, Social Media Manager, Texter, Onlineconsultant und auch Programmierer.
2. Gutes Equiment
Dazu zählt für mich:
- MacBook und Ladegerät (inkl. Verlängerungskabel, nicht überall sind Steckdosen so häufig vorhanden wie in Europa)
- iPhone und Ladegerät, logisch.
- Powerbank
- Laptopständer und externe Tastatur
- SD-Karte für Sicherheitskopien
- Simkarte des betreffenden Landes (für Internetempfang & Gespräche, Uber-Buchungen)
- Kopfhörer
- Kamera
- Diktiergerät
- Zettel und Stift
- Kalender/Agenda (idealerweise analog UND digital)
- Visitenkarten
3. Disziplin
Klar, klingt erstmal super, überall arbeiten zu können. Was dazu gehört? Vor allem Disziplin. Man muss sich aufraffen können, die gleiche Leistung zu bringen, egal ob man klimatisiert zuhause am Schreibtisch sitzt oder in der prallen Sonne an einem Traumstrand. Und ja, am Traumstrand hat man auf Arbeit meist nie so richtig Lust. Wer sich dann nicht selbst organisieren und motivieren kann, für den ist das ortsungebundene Freelancen eine Herausforderung. Man muss sich aufraffen können, seinen Tag strukturieren und auch wenn man gerade unterwegs ist, denn nicht jeder Reisetag ist automatisch ein Pausentag. Auch im Flugzeug, Zug, Bus, an Flughäfen und Bahnhöfen oder in Taxis lässt es sich arbeiten. Wenn ich kein W-Lan habe, bearbeite ich Fotos, schreibe Emails vor, formuliere Texte, schreibe Rechnungen.
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4. Flexibilität
Ich arbeite am liebsten in Ruhe: Ohne Musik, laute Gespräche oder sonst irgendeine direkte Geräuschquelle in meinem Umfeld. Weil das aber nicht immer möglich ist, dafür nutze ich im Notfall Kopfhörer mit Noise Reduction, die allerdings auch keine komplett ruhige Arbeitssituation herstellen können. Ich arbeite gern aufrecht sitzend auf einem anständigen Stuhl, aber auch das kommt auf Reisen eher selten vor. Da muss es auch mal ein Bett, eine Hängematte oder ein Strandtuch tun. Wer als Digitaler Nomade arbeitet, muss flexibel sein: Starallüren oder Ansprüche sind hier völlig fehl am Platz. Von außen sehen viele Orte, an denen man arbeitet, vielleicht luxuriös aus, aber in letzter Instanz ist ein Schreibtisch nunmal ein Schreibtisch. Im Endeffekt geht es darum, seine Arbeit erledigt zu bekommen, wie man das macht, ist erstmal egal. Das kann auch mit angezogenen Knien in einem winzigen asiatischen Minibus erledigt werden.
5. Verlässlichkeit
Wer von überall aus arbeitet, muss verlässlich sein. Und idealerweise doppelt so verlässlich, wie jemand, der im Büro vor Ort sitzt. Dein Auftraggeber sieht dich nicht und weiß nicht, was du wann machst, er verlässt sich darauf, all seine Aufträge pünktlich und perfekt erledigt werden. Heißt: Überverlässlich sein. Man sollte Deadlines nicht nur einhalten, sondern bestenfalls vorzeitig fertig sein, Zeitverschiebungen oder mögliche Hürden betreffend Internetempfang oder Stromversorgung mit einkalkulieren. Wer von überall in der Welt aus zufriedenstellende Arbeit überpünktlich liefert und zufriedene Kunden hat, wird wieder engagiert.
6. Networking
Man ist nicht vor Ort, wenn das nächste Launch-Event ist. Man kann nicht zur Eröffnung vom neuen Büro eines Kunden kommen und den Networkingstammtisch verpasst man auch. Aber, hey, auch online lässt es sich super networken. Kontakte freuen sich über kurze informative Nachrichten aus dem Ausland, oder wenn man weiterhilft, obwohl man viele tausend Kilometer entfernt ist. Und: In fast jeder Stadt gibt es Networktreffen, sogar auf kleinen Urlaubsinseln in Thailand gibt es Co-Working-Spaces und in ungefähr jeder südamerikanischen Großstadt Stammtische für freelancende Expats. Bei solchen Treffen kommt man rasch in Kontakt. Ich habe so schon einige zusätzliche Aufträge im Ausland generiert.
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