Warum ich froh bin, endlich Botox ausprobiert zu haben

Fotografiert von: Atisha Paulson.
Vor etwa einem Jahr, kurz nachdem ich 45 wurde, fing ich (dann schließlich doch) an, über Botox nachzudenken. Ich hatte nie etwas besonders Ehrgeiziges oder Aggressives unternommen, was Hautpflege oder die Verschleierung meines Alters angeht. Ein Fruchtsäurepeeling hier, ein paar gründliche Gesichtsbehandlungen da und eine lockere Vitamin-A-Therapie waren schon der Gipfel meiner Bemühungen. Ich habe gesunde Haut, achte überdurchschnittlich gut auf mich und obwohl ich hin und wieder schon darüber nachgedacht hatte, eine schwächere Glühbirne in die Lampe an meinem Schminktisch einzusetzen, war ich mit meinem Aussehen ziemlich zufrieden.

Aber auf einmal ging etwas in mir vor... oder wahrscheinlich war es schon eine ganze Weile vor sich gegangen, nur ich hatte bequemerweise beschlossen , es nicht zur Kenntnis zu nehmen. Ein wenig Schlaffheit unter meinen Augen, ganz besonders unter dem linken, tiefere Falten um meinen Mund (meine Freundin Malerie nennt sie „Marionettenfältchen“ wie viele Leute, was nicht ganz so abschreckend klingt wie der klinische Name „Nasolabialfalten“ -charmant, oder?). Und das Unangenehmste: diese tiefe und tagtäglich tiefer werdende Schlucht zwischen meinen Augenbrauen. Es war kein Fältchen und auch keine Falte mehr - es war eine Furche und sah aus wie eine Narbe. Eine Narbe, die mich aussehen ließ, als ob ich in einem Dauerzustand von Besorgnis oder Weltuntergangsstimmung wäre. Was, wenn man mich kennt, nicht ganz unzutreffend ist, aber es störte mich trotzdem. Denn es ließ mich nicht nur die ganze Zeit ärgerlich und gereizt aussehen, es ließ mich auch ALT aussehen. Das erste Mal überhaupt fing ich an, in den Spiegel zu blicken und zu sagen: „Meine Güte, siehst du ... ALT aus.“

Fotografiert von: Atisha Paulson.
Ich erinnere mich, dass Jane Fonda einmal gesagt hat, dass sie sich mit Anfang 70 schließlich entschlossen hat, etwas machen zu lassen, weil sie es leid war, die ganze Zeit müde auszusehen, auch wenn sie sich überhaupt nicht die ganze Zeit müde fühlte. Ich war zu jung (oder vielleicht auch nur noch nicht schlaff genug), um zu verstehen, was sie meinte, als ich das las. Aber jetzt kann ich es voll und ganz nachvollziehen. Ich glaube, das Schwerste am Älterwerden ist für mich und vermutlich viele andere auch ganz und gar nicht die Angst davor, nicht mehr wie 20 oder 25 auszusehen. Die meisten von uns würden selbst dann nicht in diese Zeit zurückkehren wollen, wenn wir das könnten. Es ist das Gefühl, dass das Innere vom Äußeren nicht mehr richtig repräsentiert wird - das, was wir und die Welt Tag für Tag sehen, ist nicht das, was wir wirklich sind. Und weil das einfach falsch ist (es scheint kein richtiges Wort hierfür zu geben) ist das etwas, wobei Botox recht hilfreich sein kann.

Obwohl es die Behandlung ist, der nachgesagt wird, das Tor zu einem „jünger aussehenden Selbst“ zu öffnen, eilt Botox immer noch ein gewisser Ruf voraus. Seit seinem Debüt auf der dermatologischen Bühne im Jahr 2002 ist es mittlerweile nur eine von Hunderten „revolutionären“, wissenschaftlich nachgewiesenen Therapien, Injektionen und Produkte als Vorbeugungsmaßnahmen gegen Alterserscheinungen, die Leuten wie dir und mir helfen, gravierende chirurgische Eingriffe zu vermeiden – oder zumindest ein paar Jahrzehnte hinauszuschieben.
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Während Botox also den Weg für Injektionen und Auffüller wie Restylane und Juvéderm geebnet hat, aber auch für neuere Anti-Aging-Therapien wie Viva und Ulthera, bei denen Mikroströme und Radiowellen eingesetzt werden, ist eine Botox-Anwendung und das offene Sprechen darüber immer noch mit einem gewissen beschissenen Stigma behaftet. Obwohl es heute auch als progressive, alternative Behandlungsmethode für Sachen wie Migräne und Depressionen gilt, wird Botox immer noch untrennbar mit Eitelkeit in Verbindung gebracht, und in vielerlei Hinsicht auch mit einer gewissen Scham, nicht zu seinem Alter stehen zu wollen – nicht zu seinen Schwächen, oder sogar nicht einmal zu der Message von Selbstbewusstsein, Individualität und Frauenpower, die gerade hier auf dieser Website das Markenzeichen ist.

Fotografiert von: Atisha Paulson.
Aber ehrlich gesagt habe ich mich kein bisschen geschämt, Botox auszuprobieren. Tatsächlich habe ich mich viel mehr dafür geschämt, dass ich anfänglich so ein Feigling war, es auszuprobieren. Mein Gott, ich war in den Vierzigern! Und wie sicher viele von euch habe auch ich Freunde in den Zwanzigern und Dreißigern, die sich schon routinemäßig zum vorbeugenden Anti-Aging mit Botox haben behandeln lassen (so nennt man das heute bei Leuten, die noch nicht wirklich Falten oder schlaffe Haut haben, aber nichts dagegen hätten, wenn sie beim Kauf von Alkohol den Ausweis vorzeigen müssten). Also nein, mir war es nicht peinlich, und ich habe noch nicht einmal im Entferntesten daran gedacht, dass ich irgendwie meine feministischen Überzeugungen verrate, wenn ich es in Betracht ziehe. (Ja, manche Leute sagen auch das über Botox.)

Mein tatsächliches Zögern hatte andere Ursachen. Ich wollte nicht komisch aussehen. Und reden wir hier wirklich Klartext, was ich mit „komisch“ gemeint habe: wie eine Wachsfigur, versteinert, gruselig retuschiert - nicht mehr wie ich selbst. Wir alle haben Beispiele von Gesichtern von Menschen gesehen, die es mit Botox übertrieben haben. Es kann erschreckend sein. Seien wir ehrlich, ein Riesengrund, aus dem so viele von uns bei einem Wiedersehens-Special von „Real Housewives“ einschalten, ist der, sehen zu wollen, wer es getan hat, und wie viel davon. Aber wie viel ist zu viel? Da ich noch keinerlei Erfahrung mit Botox hatte, lähmte mich die Vorstellung, dass schon ein bisschen davon mich lächerlich und sogar verzweifelt aussehen lassen könnte und dass ich bald die gleiche Über-40-Maske tragen würde, die alle anderen auch tragen.
Fotografiert von: Atisha Paulson.
Aber dann eines Tages (auf die Gefahr hin, noch älter zu klingen) habe ich im Flugzeug in einem More Magazine geblättert und bin dabei über einen Artikel über kosmetische Minieingriffe gestolpert, also keine Operationen irgendeiner Art. Und dabei sprang mir insbesondere der Fall einer Frau ins Auge (definitiv in das schlaffere). Sie war langjährige Raucherin und wollte sich, gerade 50 geworden, einen neuen frischen Look gönnen. Beim Weiterlesen erfuhr ich, dass Dr. Francesca Fusco von Wexler Dermatology in New York City eng mit dieser Frau zusammengearbeitet hat, um einen Plan auszuarbeiten und den Reset-Knopf für ihren fahlen Teint zu drücken. Fraxel und Botox spielten bei ihrer Therapie die Hauptrolle, und, naja, ihre „Nachher“-Bilder haben mich total überzeugt. Ich will damit sagen: Sie sah fantastisch aus. Tatsächlich sah sie genauso aus wie vorher, wie die Person, die sie war, aber die Falten, die Stumpfheit und die allgemeine Schlaffheit ihres Gesichts waren restlos verschwunden. Nichts war irgendwie komisch... nur strahlend.

Jepp, das war der Weg für mich.

Wie ein neues Groupie vereinbarte ich also so bald wie möglich einen Termin bei Dr. Fusco und fing an, wie verrückt nach ihr zu googeln. Mit jeder Review auf Yelp und jedem Zitat aus ihren Artikeln wuchs meine Begeisterung. Und persönlich war sie dann auch all das, von dem ich gehofft hatte, dass sie es sein würde (und nichts von dem, was ich befürchtet hatte) - fröhlich, intelligent und neugierig. Sie nahm sich 30 Minuten Zeit für ein Gespräch mit mir, um zu beobachten, wie ich „Gefühle ausdrücke“ und dadurch einen besseren Eindruck zu bekommen, wie mein Gesicht sich bewegen will. Arzttermine können auch dann, wenn es einem gut geht, stressig sein, aber dieser hat tatsächlich Spaß gemacht.

Fotografiert von: Atisha Paulson.
Wir haben über verschiedene Behandlungsmethoden gesprochen, die für mich und meine Haut jetzt und zu einem späteren Zeitpunkt in Frage kommen könnten: Fraxel, Mikrodermabrasion, Lichttherapie und ja, auch Botox, was sie für einen guten Schritt hielt. Was aber schließlich den Ausschlag für mich gab, war, dass sie eher zu Weniger als zu Mehr neigte - ein Ansatz, der nicht oft zur Sprache kommt, wenn es um kosmetische Operationen und Verfahren geht.

Sie empfahl mir bei diesem ersten Termin etwas, das sie „Baby“-Botox nannte, was sich auf die Menge von Botox bezieht (und nicht auf Botox für richtige Babys, ich schwöre). „Meiner natürlichen Weniger-ist-mehr-Philosophie verdanke ich viele meiner Patienten“, sagte Dr. Fusco. „In den letzten Jahren haben viele, denen Botulinumtoxin neu war, betont, wie wichtig ihnen ein nicht eingefrorenes Aussehen mit etwas Beweglichkeit ist. Den meisten macht es nichts aus, nicht mehr die Stirn runzeln zu können, aber sie möchten sich ein Heben der Augenbrauen und ein lächelndes Blinzeln bewahren. Wenn man zunächst mit weniger Einheiten anfängt, ist das möglich. Die Menge an ‚Tox‘, die injiziert wird, ist individuell sehr unterschiedlich und hängt von der Stirngröße, der Muskelmasse, der Lage der Augenbrauen und den Muskelbewegungen des Patienten ab. Es gibt keinen formelhaften Ansatz mit einer feststehenden Menge für jede Stirn.“

Nach einem schnellen Peeling im Sprechzimmer zeigte sie mir, während ich einen Handspiegel hielt, wo sie die Injektionen setzen würde. Mit einem kleinen Bleistift markierte sie winzige Pünktchen über meinen Augenbrauen, an meinem Haaransatz und auf dem unerbittlichen Dauerstirnrunzeln zwischen meinen Brauen. Danach verabreichte sie mir die Injektionen so schnell, dass ich sie fast nicht bemerkte.

Und nun ja, das war es eigentlich auch schon. Nachdem mir die Aussicht auf das Verfahren so viele Jahre lang Schwitzen verursacht hatte, kann ich kaum glauben, wie einfach und schmerzlos es war. Kein Blut, keine Blutergüsse, auch nicht hinterher. Ich musste nur ein paar Tage warten, bis ich das Resultat sehen konnte. Und da Ihre „Baby“-Formel im Gegensatz zu den standardmäßigen 35 Einheiten nur 20 Einheiten umfasste, schlug sie vor, ich solle in der darauffolgenden Woche wiederkommen, um gemeinsam das Resultat zu begutachten und eventuell die Behandlung zu optimieren.
Fotografiert von: Atisha Paulson.
Tatsächlich habe ich mich auf der ganzen Taxifahrt nach Hause in einem Taschenspiegel angestarrt, überzeugt, ich würde sehen können, wie sich mein Gesicht vor meinen Augen verwandelt. Oh, oh... es funktioniert! Ich habe sogar ein Selfie gemacht, um den Anlass zu dokumentieren (und ich sage euch, dass mir das Selfie-Gen fehlt, es war also das erste). Ich habe den Echtzeitbeweis dann auch prompt an meine Freundin Gina geschickt, die fest im Anti-Botox-Lager stand. Eine Woche später waren wir jedoch alle überzeugt. Ich bin nicht vollkommen sicher, ob es die Mikro-Dosierung war, die Dr. Fusco angewandt hat, oder das ganz allgemeine Timing (sprich: überfällig), aber der Effekt war ziemlich perfekt. Und der Erkenntnisprozess, wie perfekt, war genauso aufregend.

Wenn du schon einmal Botox bekommen hast, weißt du, wovon ich spreche. Die ersten paar Wochen ist es, als ob Botox einem jeden Morgen ein kleines Geschenk macht – ich konnte es nach dem Aufwachen nicht erwarten, in den Spiegel zu schauen und zu entdecken, was für Zaubertricks es über Nacht bewirkt hatte.

Weil die besten Botox-Wirkungen langsam während der ersten zwei Wochen auftreten, ist es ein ziemliches Glücksgefühl, zu beobachten, wie das eigene Gesicht sich allmählich rückwärts entwickelt. Nicht ganz „Das Bildnis des Dorian Gray“, aber nahe daran und viel weniger freakig. Das war der Zeitpunkt, an dem mir klar wurde, dass es kein Zurück gab. Wie könnte ich mir vorstellen, das nicht wieder zu tun? Etwas so scheinbar Einfaches und nicht Invasives, das so gewaltige Ergebnisse mit sich brachte? Zum ersten Mal konnte ich voll verstehen, warum Leute schließlich all ihre Maß und Ziel verlieren. Die anfänglichen Effekte sind so gut, dass es ein Zuviel nicht zu geben scheint.
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Fotografiert von: Atisha Paulson.
Und doch wissen wir alle, dass es ein Zuviel gibt – bei allem. Aber das ist wirklich nicht mein Ding. Ich sah danach genau so aus, wie ich erhofft hatte: wacher, weniger angepisst und viel mehr wie ich selbst. Das Ich, von dem ich wirklich glaube, dass ich es bin. Was ich nicht erwartet hatte - ein sehr willkommener Nebeneffekt - ist, dass die sechs kleinen, meisterhaft gesetzten Injektionen die umfassende Illusion erzeugt haben, mein ganzes Gesicht sei geliftet worden. Die beste Art, es auszudrücken, ist, dass ich strahlender und „frischer“ aussah. Ja, ich konnte jetzt vollkommen verstehen, worum es bei dem ganzen Wirbel geht. Ich habe es machen lassen. Warum zur Hölle habe ich so lang damit gewartet?

Nun, ich bin sicher, ich bin nicht die einzige. Während viel zu viel Aufhebens um all die kosmetischen Extremisten da draußen gemacht wird, die keinen Schritt scheuen, auch noch den kleinsten „Makel“ zu korrigieren, was ist mit denjenigen von uns, die Angst haben, überhaupt etwas zu tun? So überfordert und gelähmt von all den Optionen, ganz zu schweigen von den Konsequenzen (Was, wenn etwas schiefgeht? Was, wenn ich aussehe, als ob ich versuche, jünger auszusehen, anstatt einfach nur BESSER?) sagt man sich beim Blick in den Spiegel einfach, was soll’s, und beschließt, dass eine Stirn, die von einer Furche in zwei Hälften geteilt wird, eigentlich gar kein großes Problem ist. Vielleicht schreibt man ja eines Tages ein Buch darüber wie die unvergessene Nora Ephron.

Fotografiert von: Atisha Paulson.
Nun, darauf geschissen. Ich wollte damit, so auszusehen, wie ich aussehen will, nicht warten, bis ich 70 bin. Niemand sollte das. Wenn es gut und sorgfältig gemacht wird, kann Botox ein sicheres, wirkungsvolles und preiswertes Mittel sein, der Anti-Aging-Behandlung das Sahnehäubchen aufzusetzen – Stigma hin oder her. Die Kosten für das Verfahren hängen davon ab, wer es durchführt, aber im Allgemeinen kostet eine Runde Botox zwischen 300 und 700 Euro pro Injektionsstelle (sprich: Stirn, Krähenfüße, usw.) Es kostet viel mehr als eine gute Gesichtsbehandlung. Aber meiner bescheidenen Meinung nach ist der Versuch, den Verzicht auf die nächste Einkaufsorgie bei Zara oder auf ein paar Wochen günstigeres Mittagessen wert. Ich würde nicht sagen, dass ich mich durch Botox jünger fühle, aber es hat definitiv bewirkt, dass ich mich mehr darauf freue, mich morgens im Badezimmerspiegel zu begrüßen. Und ich persönlich scheiße darauf, wie viel das kostet. Für mich ist das nicht in Gold aufzuwiegen.

An dieser Stelle habe ich also genau vier Freundinnen und einen Ehemann, die sich freuen und erleichtert sind, dass sie sich mein Gejammer und meine Debatten über die Vor- und Nachteile von Botox nicht mehr anhören müssen. Ich habe es getan. Es ist passiert. Und ich bin so froh, dass ich es getan habe.

Mein nächster Termin ist am kommenden Freitag.
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