Mein Kopf schlägt Alarm, ich kann mich aber nicht entschleunigen

Illustration: Anna Sudit, Jenny Kraemer.
Als Millennial und Zugehörige der „Generation Praktikum" fühle ich mich oft so, als könne ich den Erwartungen Anderer nicht gerecht werden. Alles muss schneller, größer, innovativer und einfach insgesamt besser sein.
Doch wenn ich genauer darüber nachdenke, merke ich schnell, dass nicht die Anderen, sondern ich selbst meine Erwartungshaltung zu hoch setze. Der Druck kommt von mir. Was total paradox ist: ich habe Stress, fühle mich schlecht, aber tue nichts dagegen. Gefangen im Hamsterrad. Warum ist das so?
Ich liebe jeden einzelnen meiner Jobs und habe dementsprechend hohe Erwartungen an mich und meine Performance. Mir reicht kein Mittelmaß, sondern ich möchte mich jedes Mal steigern und noch MEHR machen. Anrufe oder Mails nach Feierabend? Kein Problem, ich bin erreichbar. Ein spontaner Einsatz, obwohl ich eigentlich schon andere Pläne hatte? Kein Problem, ich werfe alles um. Ein neues Angebot, dass ich eigentlich aus Zeitgründen ablehnen sollte? Kein Problem, das kriege ich schon noch unter. Diese Liste könnte ewig so weitergehen. Ich tanze auf allen Hochzeiten, bin aber gefühlt nirgends mit 100 Prozent. Doch viele Vorgesetzte lassen mich in dem Glauben, dass ich das alles machen MUSS, um ans Ziel zu kommen.
Werbung
Dasselbe Spiel in der Uni. Zwischen Beruf und Privatleben müssen auch die Prüfungen sitzen. Doch für den Uni-Lernstoff und Seminar-Anwesenheiten bleibt (zumindest bei mir) viel zu wenig Zeit übrig. Auch wenn ich physisch anwesend bin, heißt dass nicht, dass mein Kopf mitspielt. Das macht den inneren Stress und das Gefühl der Zerrissenheit nicht wirklich besser.
Ich renne in meinem Hamsterrad, komme aber gefühlt nicht vorwärts, weil der Stapel an Aufgaben immer größer wird. Der Stapel verursacht durch MICH.
Ein dritter Teil, der für mich ebenfalls ein großer Stressfaktor ist, ist mein Privatleben. Was für eine Ironie. Denn genau dieser Teil des Lebens ist sehr wichtig, um die innere Balance wiederherzustellen. Der Tag hat aber leider „nur" 24 Stunden. Also was soll ich machen? Ich möchte Zeit mit meinen Freunden verbringen, Spaß haben, Feiern gehen, Sport machen. Gleichzeitig möchte ich aber auch Zeit für mich selbst.
Diese ganzen Verpflichtungen führen dazu, dass ich manchmal nicht mehr weiß, wo oben und unten ist, wo ich anfangen und wo aufhören soll. Was ist wichtig, was unwichtig?
Mein Körper und mein Geist spielen verrückt. Neben Kopfschmerzen, begleitet mich oft das Gefühl, ausgepowert, traurig und zu kaputt zu sein, um rauszugehen - selbst wenn ich Zeit hätte.
"I have too many tabs open in my head!"
Aber wie entschleunigt man sich? Das geht leider nicht von heute auf morgen. Aber ich merke, dass Zeit für mich schon sehr viel bringt. Mal ein entspannendes Bad nehmen, nicht ans Telefon gehen, ein leckeres Essen kochen und genießen.
Eine wichtige Regel, die jeder, dem es ähnlich geht, sich zu Herzen nehmen sollte: mehr auf die eigenen Bedürfnisse hören. Egal was Andere verlangen - wenn es sich nicht gut anfühlt, dann reicht ein einfaches „Nein". Das ist der Weg aus dem Hamsterrad.
Werbung