Warum finden wir Menstruationsblut beim Sex ekliger als Sperma?

Vor Kurzem hat mich jemand danach gefragt, ob mir jemals etwas richtig Peinliches beim Sex passiert ist. Und da kam es aus den Tiefen meiner unterdrückten Erinnerungen: Ich war 19 und gab dem Typen, mit dem ich mich gerade traf nach einer feuchtfröhlichen Nacht einen Blow Job. Und ich kotzte auf seinen Penis. Und nicht nur ein kleines bisschen, sondern einen dicken Schwall Erbrochenes über seinen Penis, seinen Schritt und sein Bett.
Aber er nahm es mir überhaupt nicht übel. Wir machten gemeinsam sauber und obwohl es fürchterlich roch und sich genauso eklig anfühlte, versicherte er mir, es sei nicht weiter schlimm. Cool, oder? Aber diese Erinnerung machte mich nachdenklich: Manche Körperflüssigkeiten, Sperma zum Beispiel, werden als „sexy” gesehen, während andere generell als „eklig” und um jeden Preis zu vermeiden gelten, vor allem beim Sex. Aber die Sache ist die, es gibt nichts, was nicht irgendjemand da draußen heiß finden würde und Sex Appeal hat nicht unbedingt damit zu tun, welche gesundheitlichen Risiken eine Körperflüssigkeit birgt.
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Sperma – was die meisten ziemlich sexy finden – kann Infektionen übertragen, während Urin, der weniger Menschen anturnt, relativ steril ist. Manche Menschen finden „Golden Shower“ wahnsinnig erotisch, aber andere wären entsetzt, wenn sie während einer intimen Begegnung angepinkelt würden oder selbst jemandem anpinkeln würden. Urin ist völlig natürlich und wenn beim Sex mal ein Paar Tröpfchen daneben gehen, ist das kein Grund sich Gedanken zu machen. Es ist anatomisch unmöglich, dass ein Mann gleichzeitig pinkelt und ejakuliert (Männer können allerdings während des Sex in der Vagina urinieren, was mit verschiedenen Risiken verbunden ist, es kann zum Beispiel die pH-Werte in der Vagina durcheinanderbringen).
Weil die Blase genau über dem G-Punkt liegt, ist es aber für Frauen nicht ungewöhnlich zu denken, man müsse pinkeln, wenn sich ein Orgasmus ankündigt. Manchmal tritt ein wenig Urin aus, wenn die Blase angeregt wird, was aber nicht das Gleiche ist, wie zu Ejakulieren und um den Unterschied erkennen zu können, musst du deinen Körper und seine Reaktionen gut kennen. Viele Frauen, ich zum Beispiel, pinkeln vor dem Sex, um das ein bisschen leichter zu machen.
Präejakulat ist eine natürliche Flüssigkeit, die der Körper produziert, um die Harnröhre zu säubern und für die Ejakulation vorzubereiten. Anders als Ejakulat und Urin kann das nicht unterdrückt werden. Wie viel Präejakulat produziert wird ist individuell unterschiedlich, genau wie bei der Ejakulation – manche Männer produzieren so viel, dass sie sich deswegen schämen. Ich persönlich finde es ziemlich sexy.
Es ist schließlich eine Körperflüssigkeit, die (körperliche) Bereitschaft zum Sex signalisiert. Viele finden auch Spuren von Stuhl beim Analsex extrem peinlich, aber es ist unrealistisch zu denken, dass ein Anus immer komplett sauber ist! Es ist nunmal nicht die einzige Aufgabe des Rektums als erogene Zone zu dienen.
Menstruationsblut ist ebenfalls stark mit Vorurteilen behaftet, sogar unabhängig davon, dass es Krankheiten übertragen kann – aber ich blute jeden Monat eine ganze Woche lang und es ist absolut unmöglich, mich dazu zu bringen, währenddessen auf Sex zu verzichten. Kondome helfen zwar dabei, das Risiko der Krankheitsübertragung zu verringern, ihr solltet aber daran denken, dass Menstruationsblut die Haut irritieren kann, was ihren Schutz vor Keimen schwächt. In Sachen Sex Appeal: Manche Menschen finden Perioden-Sex heiß, andere eklig und schließen Sex während der Menstruation kategorisch aus. Meiner Meinung nach sollte man immer nach bestem Ermessen handeln, sich regelmäßig testen lassen und natürlich mit dem Partner/der Partnerin kommunizieren – was aber für alle sexuell aktiven Menschen gilt, nicht nur für die, die Perioden-Sex haben.
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Nicht jeder geht mit Sex-Missgeschicken so entspannt um, wie der Typ, dessen Penis ich mit 19 angekotzt habe. Ein Freund hat mal das Vorspiel abgebrochen, weil ein winziges Stückchen Klopapier an meinen Schamlippen klebte und viele witzeln immer noch darüber, dass „Mädchen nicht kacken”.
Ich bin mir zwar sehr sicher, dass das niemand ernsthaft glaubt, aber viel zu oft machen wir die Körperfunktionen von Frauen zu einem Thema öffentlicher Debatte, anstatt sie Privatangelegenheit sein zu lassen. Manche Menschen machen sich noch immer über den Geruch der Vagina lustig oder geben Frauen das Gefühl, sich wegen ihrer Menstruation schämen zu müssen. Ich frage mich deshalb, ob unser kultureller Ekel vor weiblichen Körperflüssigkeiten deswegen besonders stark ist, weil wir immer noch glauben, dass Frauen reine, zarte Kreaturen sind, die nie aufs Klo müssen und nicht ejakulieren. Aber wenn wir darüber endlich mal hinwegkommen, könnten wir vielleicht anfangen darüber nachzudenken, welche Körperflüssigkeiten wir erotisch finden und welche nicht, unabhängig davon, was Andere denken – was den Sex für alle Beteiligten besser macht.
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