Challenge accepted! 14 Tage Urlaub mit 10 Kleidungsstücken?

Hass ist ein starkes Wort. Das weiß ich und gehe daher wirklich extrem sparsam im Gebrauch mit ebenjenem um. Aber: Ich hasse packen. Jedes Mal auf's Neue wird die Vorfreude auf den nahenden Urlaub von der Tatsache überaschattet, dass ich vorab entscheiden muss, welche Dinge ich in den kommenden zwei bis drei Wochen anziehen möchte. Ich weiß doch morgens meistens noch nicht mal, was ich am Abend machen möchte noch kann ich damit umgehen, dermaßen weit im Voraus zu planen. Ich lebe von der Hand in den Mund, und das im übertragenden Sinne. Ich plane nicht, mir passieren Dinge. So war es und so wird es vermutlich immer sein.
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Das ist natürlich ein astreines Erste-Welt-Problem. „Hilfe, ich fahre drei Wochen in ein Land mit viel Sonne und ich besitze so viele Sachen, dass ich gerade nicht sagen kann, was ich am liebsten mitnehmen möchte!“ – Klingt ungeil. Passenderweise fallen meine Urlaubspläne in diesem Jahr mit einer Phase des Überdusses zusammen, sodass ich die Chance für ein kleines Experiment nutze. Kürzlich lief mir das Project 333 über den digitalen Weg, eine zugegebenermaßen schon ältere Challenge von Courtney Caver aus Amerika. Man reduziert seinen Kleiderschrank auf 33 Teile, wobei hier nicht nur Kleidung, sondern auch Schuhe, Taschen und Accessoires mit einbezogen werden müssen, und kleidet sich drei Monate lang ausschließlich mit diesen vorher ausgewählten Teilen. Ausgenommen ist natürlich Unterwäsche, besondere Schmuckstücke (wie Eheringe oder die Ketten, die man nie auszieht), Sportkleidung, Schlafkleidung und Homewear.
Wenn man sich viel mit dem Thema Konsum, Trends und Kleidung umgibt, kommt man zwangsläufig an einen Punkt des Zuviel. Warum sonst gehen Wohltätigkeit und die Modeindustrie so schön Hand in Hand? Ich bin ohnehin schon länger etwas angeödet vom ständigen Nachladen im Kleiderschrank und habe daher begeistert beschlossen, direkt den Selbsttest zu wagen. Nur etwas abgewandelt. Als Packmuffel und Mensch ohne Plan habe ich bisher nämlich immer einfach so viel Zeug in meinen Koffer geschmissen, dass ich vor Ort eine angenehme Auswahl hatte. Wer so packt, packt jedoch nicht sonderlich bewusst. So kam es nicht nur einmal vor, dass ich essentielle Dinge, wie einen Pullover, genug Unterwäsche oder auch Schuhe einfach vergaß. Mein Plan? Zehn Teile sind erlaubt für meinen 14-tägigen Urlaub nach Portugal. Die Hoffnung? Bewussteres Packen und Erleuchtung. Außerdem die Erkenntnis, dass wenige, gut kombinierbare Teile das Geheimnis zu eigenem Stil und mehr Zufriedenheit sind. Die Ausnahme? Im Gegensatz zu Project 333 erlaubte ich mir, meinen Bikini und zwei Paar Schuhe und Accessoires nicht zu den zehn Teilen hinzuzuzählen.
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Vorab: Ich bin leicht gescheitert und habe elf Teile eingepackt. Minuspunkt für mich. Was mitkam? Ein Kleid, zwei Röcke, ein Pullover, eine Jeansshorts, zwei T-Shirts, zwei Tops, eine Jeans und eine Bluse. Während der 14 Tage Portugal standen Lissabon, die Costa Vicentina, ein Trip ins Landesinnere und einige Tage (versuchtes) Surfen auf dem Plan. Genug Programm also, um eventuell mal an seine Grenzen zu stoßen. Denn wer sich lediglich zwei Wochen an einen Südseestrand knallt, könnte natürlich auch mit drei Teilen in den Urlaub fahren. Drei Tage Surfen gaben mir eine kleine Auszeit, in der ich tatsächlich meine T-Shirts mit Rei aus der Tube wieder auf Vordermann brachte. Ansonsten war ich nicht nur begeistert von meinem leichten Koffer. Morgens aus einem übersichtlichen Pool von Teilen zu wählen, die in den kommenden Tagen einfach easy variiert werden, war für mich wie ein zweiter Urlaub!
Denn entgegen der eigenen Meinung macht sich das Umfeld um dein Aussehen nicht mal halb so viele Gedanken, wie du, da sie die Alternativen nicht kennen und es streng genommen auch niemanden interessiert, ob du nun den Blumenrock oder das Ledermodell zur weißen Bluse gewählt hast. Plus die Zeitersparnis am Morgen reicht an sich schon als Totschlagargument aus. Das klingt vielleicht pathetisch, aber ich habe mich irgendwie frei gefühlt und bin Feuer und Flamme, die Weichen für ein richtiges Project 333 zu stellen – mit 33 Teilen über drei Monate, ohne Ausreden und Entschuldigungen. Darüber werde ich dann ebenfalls hier berichten, versprochen. Ich brauche aber noch ein wenig Vorbereitungszeit, bitte.
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Mir ist natürlich bewusst, dass man im Urlaub erstens ohnehin entspannter unterwegs ist und die Tatsache, dass das Thermometer 30 und nicht drei Grad anzeigt der Challenge entgegen kommt. Als Einstieg hat mir dieses Projekt aber sehr gut getan und ich habe, seit ich vergangene Woche wieder in Berlin gelandet bin, mein Hab und Gut bereits über ein Drittel reduziert, das noch diesen Monat auf dem Flohmarkt über den Tisch gehen wird.
Mein Fazit? Ich hasse packen jetzt nicht mehr so sehr, bin aber noch immer kein Fan, geschweigedenn zum Kofferpack-Fanatiker mutiert. So ein Urlaub, egal wohin, ist eine perfekte Gelegenheit zum Selbsttest. Da man weit weg von zu Hause ist, ist Schummeln nämlich nicht möglich und man kann sich ohne Ablenkung dem Projekt widmen. Vor allem aber konzentriert man sich darauf, einfach mal schön Urlaub zu machen und darauf zu scheissen, ob man gerade ein Instagram-worthy Outfit anhat oder nicht. Denn wenn wir mal ehrlich sind, hat Social Media uns zu kleinen Alltags-Hedonisten gemacht, die ohne ihre Portion Aufmerksamkeit eingehen wie Primeln. Auch, wenn ich dafür erst diese Challenge antreten musste, bin ich glücklich über meine selbstgewonnene Erkenntnis mit einer Prise Scheissegal-Attitude. Denn wie sagte schon meine Mutter? Es gibt wichtigeres, Lisa.
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