Die faszinierende Art & Weise, wie Online-Dating unsere Gesellschaft verändert

Foto: Refinery29
Den Einfluss, den Online-Dating auf unser tägliches Verhalten ausübt, ist ziemlich offensichtlich: einige glückliche Leute finden die Liebe ihres Lebens, klar, aber sehr viel mehr benutzen es als eine Ausrede dafür, sich gruselig gegenüber anderen benehmen zu dürfen und sie wie Dreck zu behandeln.
Es hat also gleich viele Vorteile und Nachteile. Aber habt ihr jemals über das große Ganze, den weiteren Einfluss von Dating-Apps und Webseiten nachgedacht? Wir auch nicht.
Gut, eine spannende neue Forschungsarbeit hebt den Einfluss von Online-Dating auf die Hochzeitsraten und sogar die Stabilität der Ehe selbst hervor. In der Generalüberholung der Art und Weise, auf die viele von uns unsere Partner*innen kennenlernen, hat Online-Dating die Mischehe sehr viel alltäglicher werden lassen. Und nicht nur das, auch tendieren verheiratete Paare, die sich online kennenlernen, dazu, stärker zu sein als solche, die sich auf „traditionellem” Wege treffen.
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In ihrer Veröffentlichung The Strength of Absent Ties: Social Integration via Online Dating” untersuchen Josue Ortega von der University of Essex und Philipp Hergovich von der University of Vienna, wie Online-Dating die Netzwerke, die uns verbinden, fundamental verändert hat, berichtete die Technology Review.
Wissenschaftler haben diese sozialen Bindungen länger als ein halbes Jahrhundert untersucht, und seit Dating-Seiten in den Neunzigern auf dem Radar erschienen sind, gefolgt von Dating-Apps in den 2010ern, hat sich die Art und Weise, wie sich diese Bindungen bilden, komplett verändert.
In früheren Jahren hat die große Mehrheit der Menschen ihren Partner über lockere soziale Verbindungen getroffen – Menschen, die mit dem Freundeskreis in Verbindung gebracht wurden, über gemeinsame Freunde aus der Kirche, durch ihre Familien, etc. Aber all das hat sich mit dem Erscheinen des Online-Datings geändert.
Während die meisten heterosexuellen Paare ihre Partner*innen noch immer auf diesem Wege treffen, ist Online-Dating der zweithäufigste Weg, und für homosexuelle Paare sogar mit Abstand der beliebteste – ein Trend mit wichtigen gesellschaftlichen Folgen, legen die Forscher nahe. „Leute, die sich online kennenlernen, neigen dazu, sich völlig fremd zu sein,” sagen Ortega und Hergovich, was bedeutet, dass neue gesellschaftliche Verbindungen geschaffen werden, die zuvor nicht existierten.
Sie argumentieren, dass dies tiefgreifende Konsequenzen für die ethnische Vielfalt in der Gesellschaft habe. Die Mischehe wird alltäglicher im Zeitalter des Online-Datings und während sie noch immer nur einen kleinen Anteil aller Ehen ausmacht und man nicht sagen kann, dass Online-Dating den Anstieg verursacht hat, sagen die Forscher dennoch, dass es ein wichtiger und interessanter Trend sei.
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„Es ist verblüffend, dass, kurz nachdem 1995 die erste Dating-Webseite wie Match.com eingeführt wurde, der Prozentsatz neuer Ehen, die von gemischten Paaren geschlossen wurden, rapide angestiegen ist,” sagen sie – und dieser Trend beschleunigte sich weiter, als dann 2012 Tinder aufgetaucht ist.
Sie sagten: „Unser Modell sagt fast vollständig Rassenintegration basierend auf dem Aufkommen von Online-Dating vorher, auch wenn die Anzahl an Partnern*innen, die Individuen aus neu gebildeten Verbindungen kennenlernen, klein ist,” berichtete die Technology Review.
Darüber hinaus deuten Forschungen über die Festigkeit einer Ehe an, dass Ehen von Paaren, die sich zuerst online kennenlernen, stärker sind – sie gehen unwahrscheinlicher in die Brüche – als von jenen Paaren, die sich auf „traditionellem” Wege treffen, mit potentiellem Nutzen für die Gesellschaft.
Wenn du also das nächste Mal auf Tinder über jemanden stolperst, der nach der besseren Hälfte sucht, und der „darauf vorbereitet ist, zu lügen, wenn es darum geht, wie ihr euch kennengelernt habt”, sagt ihr bzw. ihm ordentlich die Meinung. Sei stolz darauf, wie deine Beziehung entstanden ist, denn schon sehr bald werden viele von uns eine ähnliche Kennenlerngeschichte zu erzählen haben.
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