Pari Roehi: „Herz und Charakter sind wichtiger als Geschlecht“

Foto: Joseph Ohlert
Mit vier Jahren flüchtet sie mit ihrer Mutter und dem älteren Bruder aus dem Iran in die Niederlande. Dort wächst sie in Notunterkünften und einfachen Verhältnissen auf und muss schon früh erwachsen werden. Bis hierhin liest sich das Ganze wie die Geschichte eines Flüchtlingskindes, wie sie viele erzählen könnten. Doch Pari Roehis Geschichte ist noch einmal anders: „Es geht darum, wie ich von dem kleinen Jungen, der ich früher war, zu der Frau wurde, die ich heute bin.“

Wir treffen Model Pari Roehi am Rande des Videodrehs zu Jennifer Rostocks Song „Hengstin" in Berlin Kreuzberg. Sie ist eine von 13 Protagonistinnen in dem Musikclip, der Frauen in allen ihren Facetten und ihrer Power feiert. Zur Videopremiere am 28.10. hat Refinery29 gefragt: Was ist die wahre Stärke einer Hengstin? Und wie sieht eine Transgenderfrau die Geschlechterrollen? Pari hat uns als dritte im Bunde ihre Sicht erzählt.

„Ich glaube, dass es wichtig ist, meine Geschichte zu erzählen, damit die Leute über das Thema Transgender Bescheid wissen. Wenn die Menschen nicht viel darüber wissen, dann können sie es auch nicht begreifen. Ich hoffe, die Menschen aufklären zu können, indem ich von meinen Leben erzähle, sodass das Thema Transgender Akzeptanz findet. Bisher ist das ein großen No Go in den Medien und auch in der Gesellschaft, im alltäglichen Leben“, erklärt Roehi. „Ich werde jeden Tag mit Vorurteilen konfrontiert. Eine Transfrau wird in den Medien häufig als Witzfigur hingestellt und nicht als starke Frau, die gleichen Sachen macht, wie jede andere Frau auch. Wir werden oft in eine bestimmte Ecke gestellt. Unter uns sind natürlich ebenso sehr kluge und intelligente Frauen, sehr passionierte Frauen..."

Mit 19 hat sich Pari einer geschlechtsangleichenden Operation unterzogen und wurde auch körperlich zur Frau. „Ich habe mich immer gefühlt, wie ich mich jetzt fühle. Ich habe mich nur äußerlich nicht komplett gefühlt. Das Äußere habe ich geändert und ich bin glücklich. Ich bin immer Pari gewesen von Anfang an und das hat sich nie geändert. Ich bin nur erwachsener geworden und ein besserer Mensch“, erzählt sie über die Zeit, in der sie noch in dem Körper eines Jungen lebte.

Über Geschlechterrollen habe sie selbst sich nie viele Gedanken gemacht: „Ich mache mein Ding und ob jemand nun Mann, Frau, Zwischen-Trans-What-Ever ist, ist mir egal. Ich nehme die Leute, wie sie sind und finde, Herz und Charakter sind wichtiger als Geschlecht." Entscheidend sei bei allem, was man tut, den Glauben an sich selbst nicht zu verlieren. „Mein Rat an die jungen Leute: Glaub an dich selbst und ändere dich nicht für andere, nur um sie zufriedenzustellen. Bleib wie du bist. Du bist ein Stern in dieser Welt. We are all made out of stardust. Du kannst alles erreichen, was du möchtest. Du musst nur arbeiten, an dich selber glauben und umgib dich mit tollen Menschen. Mach aus deiner Geschichte eine schöne Geschichte, die du später deinen Kindern erzählen kannst.“

Worte einer klugen, starken Frau. Einer Hengstin. „Eine Hengstin ist eine starke Frau, die weiß, was sie will. Die erste Transfrau, die bei „Germany's Next Topmodel" teilnahm, hat einen starken Willen und ist jemand, die nicht gern „Nein“ hört und die ihren Weg geht“, erklärt Pari. „Ich glaube, dass ich so eine Person bin. Jeden Morgen, jeden Tag, wenn ich aufstehe. Jeden Tag, wenn ich mich auf meinen Alltag vorbereite. Jeden Tag, wenn ich aus der Tür rausgehe. Dann bin ich eine Hengstin.“

Am 18.11 wird Paris erstes Buch „Mein bunter Schatten: Lebensweg einer Transgenderfrau“ erscheinen.

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