Sandra Lambeck: „Schwarz und gay? Mein Outing wird als Doppelsünde angesehen“

@sandralambeck
Die Liebe ist wohl das Schönste und Kostbarste, was wir haben. Wer sie gefunden hat, kann sich glücklich schätzen – wie zum Beispiel Internet-Star Sandra Lambeck. Die Influencerin schwebt auf Wolke Sieben und machte das bei Instagram öffentlich. Die Liebesbotschaft wurde schnell zur Schlagzeile, Magazine berichteten und Fans kommentierten – positiv und negativ. Manche sogar unter der Gürtellinie. Warum? Weil Sandra ein Frau liebt.
Obwohl wir mit der Vorstellung einer offenen und aufgeklärten Gesellschaft leben, stoßen homosexuelle Menschen auch hierzulande noch auf Unverständnis, müssen sich rechtfertigen und erklären. In eine Opferrolle gesteckt werden, will Sandra trotzdem nicht – in eine Schublade noch weniger. Im Refinery29-Interview ist ihre Message klar: „Wir sind alle gleich.“ Egal, wen wir lieben. Es ist ein Plädoyer: Lasst uns nicht urteilen, lasst uns die Liebe zelebrieren!
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Warum hast du deine Beziehung zu diesem Zeitpunk öffentlich gemacht?
Es war das Einjährige von meiner Freundin und mir. Ich wollte ihr einfach zeigen, dass wir in einer festen Beziehung sind und, dass ich es ernst meine. Für sie war auch alles neu, denn ich habe jahrelang Männer gedatet. Sie hatte immer das Gefühl, dass ich es nicht wirklich ernst meine. Ich habe es halt nicht publik gemacht. Für mich war es jetzt okay – wir sind ein Jahr zusammen, sind immer noch sehr verliebt. Es öffentlich zu machen sollte auch ein Geschenk an sie sein.
In einem gemeinsamen Video mit deiner Freundin Nella sprichstdu von „It's all about love“. War das die Message hinter deinem „Outing“?
Definitiv. Liebe kennt kein Geschlecht. Liebe ist Liebe. Man kann Liebe nicht definieren. Es ist einfach. Deshalb möchte ich, dass die Menschen verstehen, dass es nicht schlimm ist, wenn man homosexuell ist.
Bei einem Outing gibt es ja immer zwei Seiten – einerseits fällt ein Stein vom Herzen, andererseits macht man sich verletzlich. Hast du das auch so erlebt?
Mir ist, glaube ich, alles vom Herzen gefallen. Es war einfach eine Erlösung – von der ganzen Lügerei, Versteckerei. Ich hätte aber nicht gedacht, dass das Ganze wirklich ein Outing ist. Für mich war es einfach nur etwas, was ich erzähle. Dann kamen so viele Reaktionen. Und dann war es ein Outing.
Ich mag das Wort Outing ja auch nicht. Warum müssen sich Homosexuelle outen, Heterosexuelle aber nicht?
Genau. Homosexuelle müssen sich immer rechtfertigen, weil es nicht als normal angesehen wird.
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Auf dir lastet ja auch ein großer Druck als bekannte Persönlichkeit. Dein „Outing“ wurde zur Schlagzeile. Wie war es für dich, diesen öffentlichen Weg zu gehen?
Ich bin ja speziell, was mein Privatleben angeht. Ich gebe wenig preis. Deswegen war das schon sehr aufregend für mich. Natürlich fragt man sich, wie das bei den Menschen ankommt. Eigentlich kann es mir ja egal sein. Ich mache es ja nicht für die Öffentlichkeit. Aber irgendwie war ich dann trotzdem angespannt und wollte wissen, wie es bei den Menschen ankommt. Irgendwann kam auch so viel Negatives. Die so genannten Hater gibt es ja immer. Letztendlich waren 90 Prozent der Kommentare positiv und 10 Prozent negativ. Aber ich muss sagen, ich freue mich. Es war eine gute Entscheidung und ich würde es genau so wieder tun.

Jetzt bin ich in der Schublade. Auf einmal bin ich jetzt die Lesbe.

Sandra Lambeck
Ich finde es schlimm, wenn die Kommentare unter die Gürtellinie gehen. Wie gehst du jetzt damit um?
Ich muss sagen, dass mir Nella gerade sehr viel Kraft gibt und ich mir auch selber Kraft gebe. Ich sehe das irgendwie immer noch nicht so als Outing an. Aber man merkt das schon. Ich lebe ganz normal mein Leben, aber bin noch immer etwas angespannt. Wenn ich irgendwo hingehe, bin ich mir nicht sicher, ob mich die Leute deswegen angucken. Oder ob sie mich einfach nur so angucken. Aber ich mache das Beste daraus. Man muss immer positiv denken. Alles ist nur temporär. Der Hype ist irgendwann vorbei. Irgendwann werden die Leute mich einfach leben lassen. Hoffentlich.
Aber es gab ja auch viel positives Feedback. Hat dich dasaufgebaut?
Definitiv. Ich bekomme immer noch so viele Nachrichten am Tag - mit Glückwünschen, mit Zuspruch. Das gibt mir Kraft, das ist etwas sehr Schönes.
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Besser spät als nie #ehefüralle 👭

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Die Ehe für alle ist nun beschlossene Sache. Was wünscht du dir generell für homosexuelle in Deutschland?
Mehr Offenheit der Gesellschaft! Man sollte offen sein für neue Dinge, man sollte Verständnis haben für neue Dinge. Man sollte nicht nach dem Motto leben: Ich kenne das nicht, also ist es scheiße. Wenn ich in Amsterdam oder Holland bin, dann ist das dort so etwas Normales. Man hat da nicht den Stempel „gay“ oder „Lesbe“. Deutschland sollte einfach toleranter sein.
Wenn du an deine Schulzeiten zurückdenkst – wurdet ihr damals zum Thema Homosexualität aufgeklärt? Wurde dort die Toleranz gefördert?
Nein. Wir haben über so etwas gar nicht geredet. Es gab immer Mann und Frau und dann ein Baby.
Bekommst du da etwas von deinen jüngeren Fans mit?
Es sind oft die jüngeren Fans, die das nicht verstehen, die auch sehr viel Negatives schreiben, weil sie das nicht kennen. Es wird ihnen halt nicht beigebracht. Ich denke, das muss von Zuhause aus passieren. Dort muss den Kindern etwas mitgegeben werden.
In der Politik wird das Thema Homosexualität zwar aufgegriffen, aber das ist vielen nicht ausreichend. Hast du dir mal Gedanken gemacht, was man machen und wie man etwas ändern kann?
Ich muss mich mehr damit befassen, denn jetzt bin ich ja in der Schublade. Auf einmal bin ich jetzt die Lesbe. Es müssen vielleicht mehr Influencer und Stars dafür stehen - jüngere Menschen sind ja mehr inspiriert von bekannten Persönlichkeiten. Man kann mehr machen, gleichzeitig sollte das aber nicht zu plakativ sein, sonst wird man wieder als Randgruppe angesehen. Das muss auf natürliche Weise an die Leute herangebracht werden.
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Du wirst jetzt als Lesbe in eine Schublade gesteckt, ein Heterosexueller aber nicht. Das ist schon auffällig.
Genau wie die Aussage: „Du bist Lesbe, aber ich mag dich trotzdem.“ Danke! Ich weiß, was die Leute damit sagen wollen, aber es kommt nicht richtig an. Da wollte mir jemand Zuspruch geben und sagte, dass wir ja alle sündigen. Willst du mir jetzt damit sagen, das Homosexualität eine Sünde ist?
Es gab ja schon viele andere Prominente, die sich geoutet haben. Dann waren sie auf einmal ein Vorbild für eine Community, wollten das aber gar nicht sein. Sie wollten eigentlich nur gesagt haben, was Sache ist. Hast du das Gefühl, dass du dich jetzt auch dafür einsetzen musst?
Ich habe nicht das Gefühl, dass ich es muss. Aber ich mache es! Denn ich sehe jetzt einfach, wie es ist. Ich weiß es ja generell schon, weil ich schwarz bin. Bei uns wird es so angesehen, dass es eine Doppelsünde ist – schwarz und gay. Ich werde mich auf jeden Fall einsetzen, weil ich ganz genau weiß, wie es ist, in einer Randgruppe zu leben. Es ist mir vorher noch nie so wirklich aufgefallen. Man befasst sich ja nicht so damit, weil man quasi das normale Leben lebt: Mann und Frau. Aber jetzt bin ich da drin und merke, wie viele Menschen wirklich unterdrückt werden. Es ist schmerzhaft, das tut weh.
Möchtest du noch etwas los werden?
Ich möchte einfach nur alles positiv ansehen, was passiert ist und noch passieren wird. Ich möchte nicht als Opfer dastehen. Die Leute stecken dich in eine Opferrolle, weil du anders bist. Das möchte ich nicht! Wir sind alle gleich. Wir sind immer noch gleich. Ich bin immer noch die Sandra. Ich möchte nur positive Vibes vermitteln.

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