Warum ich niemals Shorts tragen werde

Ich bin kein Fan von Shorts, bzw., wenn ich ehrlich bin..sehe ich einfach nicht gut aus in ihnen. Das heißt nicht, dass ich sie an anderen Menschen nicht schön finden kann. Da ich in der Nähe eines ziemlich beliebten Spaßbades wohne, komme ich regelmäßig in den Genuss, die Massen, die es im Sommer dort hinzieht, dabei zu beobachten, wie sie mit Sack und Pack in das Schwimmbad einfallen. Ein Accessoire haben sie fast alle gemeinsam: Die Shorts. Aber es muss noch nicht mal besonders warm sein. Shorts gehören, wie es scheint, mittlerweile zur Grundausstattung eines jeden Kleiderschranks. Erst heute morgen traf ich in der Ubahn auf einen Mann, der zu seinem schicken Hemd und der dazugehörigen Krawatte, kurze Khakishorts trug. Komplettiert wurde der Look durch ein Gipsbein. Er sah großartig aus und ich konnte nicht umhin mir vorzustellen, dass er sich seine Beinverletzung bei einer Aktivität zugezogen hatte, bei der er bestimmt auch in seinen Shorts fantastisch ausgesehen haben musste. Die Shorts: das wandelbarste Outfit aller Zeiten. Fast scheint es so, als hätte sich die Beinbekleidung zum universellen Must-have entwickelt. So stylish, wie praktisch. Wie viel weniger Platz sie alleine im Koffer wegnehmen.
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Dennoch: Ich werde niemals Shorts tragen!
Ich wünschte ganz ehrlich, ich würde mich in Shorts so wohlfühlen, wie es alles anderen zu tun scheinen, denn der gemeine Shortsträger wirkt meist super glücklich, total im Reinen mit sich und so, als ob er einfach mehr Spaß im Leben hätte, als wir anderen. Ich habe noch nie einen Shortsträger weinen sehen. Die Short lässt einen für alle Eventualitäten gewappnet sein: Ein spontaner Sprint? Check! Ein kleines Nickerchen? Check! Aber auch als freche Variante für ein Bewerbungsgespräch, oder noch besser, für die spontane Abkühlung im See, eignen sie sich hervorragend.
Aber ich kann diesen Hosen einfach nichts abgewinnen… Was ist eigentlich mein Problem?
Ziemlich sicher, ist es die gestörte Beziehung, die ich zu meinen Beinen habe. Neulich, als wir bei uns in der Redaktion über das hier bereits viel erwähnte Fashionitem sprachen, überlegte unsere Moderedakteurin Connie Wang kurz, schaute mich dann an uns sagte:
„Ich glaube, ich habe noch nie deine Beine gesehen!“
Das stimmt! Und zwar aus gutem Grund!
Das erste Mal kritisch mit meinen Beinen auseinandergesetzt habe ich mich, da war ich erst 8 Jahre alt. Anstatt, wie alle anderen Kinder ins Ballet oder zum Karateunterricht geschickt zu werden, meldete meine Mutter, meine Schwester und mich für die wundervolle Disziplin des „Twirlings“ an. Ja..das ist dieser Sport, bei dem man einen Metallstab durch die Luft wirbelt. Darauf angesprochen, was sie ausgerechnet zu dieser Wahl bewogen hatte, antwortete meine Mutter nur: „Ach, ich weiß auch nicht, ich glaube, ich fand die Kostüme einfach viel süßer!“
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Auch wenn sie damit gar nicht so unrecht hat, wurde ich durch das Tragen der asymmetrischen Vokuhila-Röckchen im Leoprint, plötzlich und unvermittelt mit meinen Beinen konfrontiert, die nun alle sehen konnten und die ich natürlich im Vergleich zu allen anderen betrachtete. Zuvor hatte ich mir darüber nie Gedanken gemacht, wie die meisten Frauen in meiner Familie hatte ich die kräftigen, südländischen Beine meiner süditalienischen Vorfahren geerbt. Sich ständig in die engen Outfits zu zwängen, die dann den Blick frei gaben auf meine weißen Beine, verstärkte die Unsicherheit nur. Ich sah einfach überhaupt nicht so aus, wie all die anderen Mädchen, die zierlich und petite in ihren Anzügen wirkten, ganz zu schweigen von den perfekt sitzenden Frisuren, ihrem Zahnpastalächeln und der tadellosen Haltung. Leider war bei mir davon nicht viel zu sehen. Auch damals war ich schon wesentlich größer als die meisten Gleichaltrigen und meine Beine ließen erahnen, dass das Wachstum noch lange nicht abgeschlossen sei.
Seitdem sind gute 30 Jahre vergangen und ich habe gelernt meine Beine gut in Szene zu setzen. Pilatestraining, viel Tanzen, hohe Schuhe, sowie die Renaissance der Culottes haben mir dabei geholfen, meine langen, kräftigen Beine lieben zu lernen. Heute bin ich dankbar für jede Delle und jedes bisschen Cellulite, das sie eben zu meinen Beinen machen.
Dennoch, die Einstellung zum Tragen von Shorts hat sich nicht im geringsten geändert. Ich schätze, den Frevel, Shorts zu hassen, ist ein Luxus, den ich mir leiste. Vor allem heutzutage, wo sie fast jeder zu tragen und zu lieben scheint.
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Ich gebe ja zu, dass es mittlerweile so viele verschiedene Varianten davon gibt, dass ich sie vielleicht doch einmal in Betracht ziehen sollte. Diese, etwas längeren, fast schon züchtigen, See by Chloe Jeans Shorts, könnten einen Versuch wert sein. Kombiniert mit einem schönen Paar Sandalen könnte ich mich eventuell dazu überreden lassen. Oder diese Karoshorts im Vintagelook, die zwar etwas kürzer geraten sind, aber immer noch in meiner Komfortzone liegen, könnten auch eine Option sein.
Wenn wir schon dabei sind, haltet mich bitte nicht für verrückt, aber ich könnte mir auch vorstellen in diesen seidenen Bermudashorts vor die Tür zu gehen.
Das war es dann aber auch schon. Wenn ich ehrlich bin, glaube ich aber nicht, dass ich es mich wirklich trauen würde..die Erfahrung der letzten 15 Jahre, lässt es mich besser wissen.
Fast jedes Jahr, habe ich ein neues Paar gekauft aber alles Training, jedes Selbstbräunungsexperiment, konnten mich am Ende doch nicht dazu bewegen auch nur einen Fuß in Shorts aus dem Haus zu setzen. Auch wenn ich nach wie vor davon träume und mir vorstelle, wie gut es vielleicht doch aussehen könnte. Meine Traumshorts kenne ich genau: Kurz über dem Knie endende, schicke und mit zarter Stickerei versehene, qualitativ hochwertige Hosen. Dazu stelle ich mir ein Paar schöne geschnürte Sandale vor.
Ach! Eines Tages werde ich es mich trauen. Ich werde sie erst einmal zur Arbeit tragen und sie bei meinen Kollegen testen. Ich weiß, ich schaffe das! Ich kann genauso cool und hip sein, wie alle anderen und muss nicht länger so tun, als ob meine Leinenculottes genauso stylish sind, wie luftige Cargoshorts... sie sind es nämlich nicht. Also sage ich mir immer wieder wie ein Mantra: Trag sie. Jetzt sofort!
Und dann kann ich es einfach doch wieder nicht. Ich finde einfach, ich sehe lächerlich darin aus – oder vielleicht doch nicht?
Ich schätze, ich bin gefangen in meinen Erfahrungen und Erinnerungen, die schon so viele Jahre zurückliegen, aber ich kann ihnen einfach nicht entkommen. Diese Glaubenssätze haben sich festgeschrieben. Meine Mutter zum Beispiel musste sich niemals in diese engen Kostümchen zwängen und hat sie ein Problem damit in ihren kurzen Shorts einkaufen zu gehen? Nicht im Geringsten und ich beneide sie darum, denn niemand sollte das Gefühl haben, etwas nicht tragen zu können. Auch ich nicht. Ich halte mich nach wie vor für eine offene und aufgeschlossene Person, auch wenn es um Klamotten geht – Aber Shorts: Niemals!
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