Das Seitensprung-Business – ein Detektiv verrät seine Tricks

Foto: Lula Hyers, Artwork: Ira Bolsinger.
Ein Seitensprung kann ein Leben verändern –wenn er auffliegt! Wie panisch stalken viele bei Facebook, Instagram und anderen sozialen Medien, ob sich nicht was rausfinden lässt über die Untreue des Partners oder der Partnerin. Lässt sich da nichts finden, geht es noch einen Schritt weiter Richtung Gewissheit: Sie holen sich professionelle Hilfe bei einem Detektiv. Es ist das Geschäft mit dem Fremdgehen, das umstrittener nicht sein könnte. Schließlich wird der Partner hierbei ohne sein Wissen observiert. Trotzdem sehen viele keinen anderen Ausweg – koste es, was es wolle.
Jochen Meismann kennt sich darin vielleicht aus, wie kein anderer. Er ist Geschäftsführer der „APlus Detective GmbH“ und seit 1981 als Detektiv tätigt. Im Gespräch mit Refinery29 gibt er einen Einblick in das Business mit den Betrügern und Betrogenen.
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Wann kam eigentlich das Thema Fremdgehen mit in das Angebot Ihrer Detektei?Fremdgehen ist kein spezielles Thema, das gab es immer schon. In den 1970er Jahren gab es in Deutschland ein ganz anderes Scheidungsrecht, als heute. Wenn jemand fremd gegangen ist, wurde der „schuldig“geschieden. Wenn der Mann die Schuld hatte, musste er den Unterhalt bezahlen. War es die Frau, bekam sie keinen Unterhalt. Dieses Scheidungsrecht hat man dann irgendwann aufgehoben. Damals wurden dementsprechend viele Observationen durchgeführt, bei denen es um das Fremdgehen ging. Das hatte früher fundamentale finanzielle Hintergründe. Solche Hintergründe kann es heute immer noch geben. Aber in den meisten Fällen geht es heute nur um die persönliche Gewissheit und Klarheit.
Hat sich das Geschäft mit den Seitensprüngen mit Social Media verändert? Immerhin kann man im Internet viel über einen Menschen und seine Aktivitäten herausfinden...
„Die Menschen schauen heute oft selber zunächst das Internet durch.Wir haben deswegen aber keine Rückgänge der Aufträge in diesem Segment zu verzeichnen. Das Gegenteil ist eher der Fall, weil sich gerade auch durch soziale Netzwerke mitunter Hinweise für den Betroffenen auf ein Fehlverhalten des Partners ergeben, die sonst vielleicht gar nicht bemerkt worden wären. Tatsächlich werden soziale Netzwerke heute auch gezielt zur Recherche genutzt.“
Sind es mehr Frauen oder Männer, die Ihre Dienstleistung in Anspruch nehmen?
Tatsächlich ist es so, dass sich unterm Strich mehr Frauen bei uns melden. Aber wenn es um die Zahl der Aufträge geht, ist es pari. Männer lassen sich genau so ungern für dumm verkaufen wie Frauen.
Wenn sich Menschen bei Ihnen melden, kommt es also nicht unbedingt zum Auftrag?
Genau. Es hängt von verschiedenen Gründen ab, warum wir den Auftrag dann doch nicht erteilen. Oft sind es finanzielle Gründe oder es geht um Menschen, die sich kaum kontrollieren lassen, weil es echt schwierig ist. Ein Beispiel: Eine Dame ist verheiratet und ihr Mann ist LKW-Fahrer. Er ist die ganze Woche unterwegs und sie glaubt, dass er sich an irgendeinem Rastplatz eine Prostituierte in den Wagen holt. Aber wir können ihn ja nicht die ganze Woche observieren, das geht nicht. Wir wissen ja nicht, wann er in der Woche an welchem Rastplatz stehen wird. Das sind dann typische Fälle, bei denen es nicht machbar, umsetzbar oder zu teuer ist. Es gibt hingegen Menschen, die einen klaren Verdacht haben - und so kann man das punktgenau machen und ein Ergebnis liefern. Es gibt auch Leute, die bringen uns die Unterwäsche der Partner, um diese zu untersuchen.Wir prüfen zum Beispiel, ob auf dieser Sperma zu finden ist.
Wie kann das denn geprüft werden?
„Es gibt zwei Möglichkeiten: Es gibt zum einen dieLaboranalyse. Ein Chemiker aus einem Labor, mit dem wir zusammen arbeiten, macht das dann. Er macht das natürlich nicht hauptsächlich, führt aber für uns diese Untersuchung durch. DieAlternative ist ein Test zum Selbermachen, der einem Schwangerschaftstest ähnelt. Das sind Dinge, die aus den USA importiert werden. DieserTest verrät mit einer Verfärbung, ob es sich um Sperma handelt oder nicht.“
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Ich würde schätzen, dass eher ältereMenschen auf Sie zukommen. Ist das der Fall?
Das geht bei 18 los und hört in den 90ern auf. Vor einigen Jahren hatten wir einen sehr alten Mann – er war um die 94. Seine Frau, sie war auch nicht viel jünger, rief bei uns an, weil sie vermutete, ihr Mann würde fremdgehen. Wir hatten noch nie einen so alten Mann alsZielperson. Wir haben ihn beobachtet und herausgefunden, dass er in ein Rotlichtviertel gegangen ist. Aber er ist einfach nur da durch gegangen und hat sich die Frauen angeguckt.
Foto: Lula Hyers, Artwork: Ira Bolsinger.
Wie läuft so eine Observation ab? Werden auch Fotos vorgelegt?
Mit den Fotos ist es eine sehr heikle Geschichte, weil wir ja in Deutschland die Persönlichkeitsrechte haben. Diese muss man immer einhalten. Bei einer Observation positionieren wir uns in der Nähe der zu beobachtenden Person. Diese sieht uns nicht, weil wir eine gewisse räumliche Entfernung haben. Die Person fährt meistens mit dem Auto irgendwo hin. Wir dokumentieren, wohin die Fahrt geht und was diePerson dann macht. Wenn die Person zum Beispiel in einen Club oder eine Bar geht, machen wir ein Foto von dem Auto auf dem Parkplatz oder von ihr hinten, wie sie in die Bar geht. Das muss dann reichen. Dann haben wir keine Persönlichkeitsrechte verletzt, aber trotzdem alles dokumentiert.
Ich kann mir vorstellen, dass es manchmal heftige Reaktionen gibt, wenn sich der Verdacht bestätigt. Wie geht man mit den Betrogenen um?
Jeder Mensch ist anders.Wir sagen es aber sehr deutlich, wie es ist. Es bringt ja nichts, wenn ich um den heißen Brei herumrede. Sie wollten dieseGewissheit haben, dann müssen sie mit dieser Gewissheit auch leben können. Es wird nichts beschönigt. Es gibt Menschen, die reagieren sehr gefasst, andere sind sehr emotional, weinen oder regen sich furchtbar auf. Ich kann mich an eine italienische Kundin erinnern. Wir haben festgestellt, dass ihr Mann in ein gewisses Etablissement gegangen ist. Sie war völlig aufgebracht und fragte, wo dieses ist.Wir sollten vor Ort bleiben und schauen, wann er raus kommt. Auf einmal fuhr ein Taxi vor, aus dem diese Dame mit einem Baseballschläger raussprang. Das hatte schon Comedy-Charakter. Sie stürmte in den Club rein und es dauerte zehn Minuten, bis sie mit ihrem Ehemann draußen war. Nein, wir haben nicht gesehen, dass sie ihn verprügelt hat. Aber er hatte echt schlechteKarten.
Wie lang dauert ein Auftrag im Schnitt?
„Wir haben eine Dame fast ein Jahrzehnt begleitet. Neun Jahre lang war ihr Mann treu, bis er nach zehn Jahren dann doch fremd gegangen ist. Die meisten Aufträge beschränken sich auf einenEinsatz – wenn es um das Fremdgehen geht. In den meisten Fällen können die Kunden nämlich sehr genau timen und sagen, wann etwas passieren könnte.“
Bestätigen sich die meisten Verdachtsfälle?
„Ja, das kann man tatsächlich so sagen. Da gibt es Zahlen. Wir haben das über Jahre untersucht und festgestellt. Wir haben geprüft, wie hoch die Zahlen sind, bei denen sich der Anfangsverdacht bestätigt. Die Quote ist über die Jahre hinweg ziemlich konstant – bei knapp über 80 Prozent der Fälle bestätigt sich der Verdacht.“
Mehr Infos unter: www.detektei-aplus.de
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