Warum ausgerechnet Donald Trump uns Mexikanern Hoffnung macht

Dieser Artikel erschien zuerst bei Huffington Post.

Als ich am Sonntag Abend die Nachrichten sehe, erscheint sein Gesicht als erstes auf dem Bildschirm. Ein Gesicht, das uns die letzten Tage und Monate zu verfolgen schien - das Gesicht von Donald Trump.

Während ich Trump so zuschaute, kam mir ein Gedanke: "Wann war eigentlich das letzte Mal, dass der US-Präsident nicht in unseren Schlagzeilen auftauchte?". Und noch wichtiger: "Wann habe ich diesen Namen mal nicht mit schlechten Nachrichten in Verbindung gebracht?"

Am 20 Januar ist das, was zunächst unvorstellbar schien, für uns wahr geworden. Ein homophober, rassistischer, fremdenfeindlicher Frauenhasser wurde zum Präsidenten des einflussreichsten Landes der Welt .

Wann immer ich über diesen Mann lese oder höre, fühle ich eine Mischung aus Angst, Enttäuschung und tiefem Kummer - so auch jetzt.

Unglaublich: Ein fremdenfeindlicher Frauenhasser regiert eine gesamte Nation

Ich kann mich noch erinnern, als in der Wahl-Nacht die Stimmen für Trump mehr und mehr wurden, wuchs beständig meine Angst. Ich konnte und kann noch immer nicht glauben, wie eine Botschaft voller Hass, von so vielen Menschen akzeptiert, ja befürwortet wurde.

Und dennoch: Heute glaube ich, dass die Wahl Donald Trumps für Mexiko auch eine gute Seite hat.

Ich werde nicht eine ganze Nation für die Entscheidung einiger verurteilen, trotzdem hat sich mein Bild von den Vereinigten Staaten verändert. Und ich meine das jetzt nicht unbedingt negativ.

Ich empfinde das alles nur als bitteren Augenöffner der Realität. Der Realität eines Landes, das so viele Menschen verehren und idealisieren. Ich kann nun, wie auch der Rest der Welt, beobachten, wie sich die USA teilt und Donald Trump das Land in den nächsten vier Jahren vor die größte Herausforderung seiner Geschichte stellen wird.

Mein Name ist Isabella Cárdenas, ich bin 20 Jahre alt und studiere Internationale Beziehungen in Guadalajara, Mexiko. Ja, in Mexico, das Land, dass seine Vergewaltiger und Verbrecher in die USA schickt, das Land, dass für die Bezahlung der berühmten Mauer verantwortlich ist, die die beiden Länder für immer teilen wird.

Oder zumindest, ist es das, was Mexiko für viele Trump-Unterstützer bedeutet. Aber für mich, und sicherlich für viele andere auch, hat Mexiko nichts damit zu tun. Denn ich sehe ein Land voller talentierter und fleißiger Menschen, die es nicht zulassen, dass eine Mauer sie definieren wird.

Mexico wird nicht zulassen, dass eine Mauer die Menschen entzweit

Bevor ich anfing zu schreiben, habe ich einige Jugendliche gefragt, was sie fühlen und überraschenderweise war das am häufigsten verwendete Wort nicht "Angst", sondern "Weckruf". Und ich muss dem zustimmen.

Trump Präsidentschaft ist für Mexiko zwar alles andere als belanglos, aber auch nicht das Ende der Welt. Es ist an der Zeit, dass Mexikaner aufhören, dem Norden in seiner Richtung zu folgen, ist Zeit für uns, sich umzusehen und zu erkennen, wie viel wir aus dem Inneren unseres Land ziehen können.

Es ist Zeit zu erkennen, dass wir so viel mehr erreichen können. Der mexikanischen Wirtschaft steht eine schwierige Zukunft bevor, ich habe die Gesichter der Menschen gesehen, als sie die Nachrichten über die Strafzölle lasen.

Sie schauten beunruhigt, erfüllt mit Ungewissheit, aber zur gleichen Zeit habe ich gesehen, dass die Menschen sich auch weigern, ihre Träume aufzugeben, ihren Traum und dem Streben nach einer besseren Zukunft.

Es ist nicht nur Zeit für uns Menschen, uns Bürger, dies zu verinnerlichen, sondern auch für die Regierung und die Behörden.

Wir werden uns in den kommenden Jahren großen Herausforderungen stellen müssen. Und dies tun wir am Besten zusammen. Ich denke, dass die mexikanische Regierung schließlich dazu gezwungen sein wird, ihren Leute zuzuhören, den Stimmen Bedeutung zu schenken, die von Tag zu Tag stärker werden und deren Forderungen wachsen werden.

Es gilt nun, Hand in Hand zu arbeiten, Menschen mit Menschen, Menschen mit ihrer Regierung und Mexiko mit der Welt. Wie viele andere Mexikaner bin ich davon überzeugt, dass es nun Zeit ist, als Nation zusammenzukommen, um zu demonstrieren, dass nicht einmal eine Mauer uns auseinander bringen kann.

Ihr habt Angst vor der Zukunft? Ich kann Euch versichern, dass ihr nicht alleine seid

Natürlich kann ich nicht für alle sprechen: Ich kann nicht für die ungefragten Menschen sprechen, die auf ihre ungewisse Zukunft warten, ich kann nicht für die Menschen sprechen, die auf finanzielle Unterstützung angewiesen sind, für die Menschen, die täglichen Rassendiskriminierungen ausgesetzt werden. Aber all denen kann ich nur versichern, dass sie nicht alleine sind, dass wir nicht aufgeben werden.

Vielleicht werden jetzt einige von euch denken, dass ich zu naiv bin, dass ich mich selbst täusche, indem ich so hoffnungsvoll bin. Und vielleicht bin ich das auch. Aber das ist nun mal die Art, wie ich sie vorziehe. Es ist die Art wie ich die Dinge zu sehen pflege und ich bin sicher, dass ich nicht die einzige bin.

Vielleicht haben wir genau diesen Weckruf gebraucht. Danke, Herr Präsident.

Mehr zum Thema:
Strafsteuer gegen starke Partner: Jetzt nimmt Trump Deutschland ins Visier
"Verrückt und dumm": Arnold Schwarzenegger kritisiert Trumps Einreiseverbot
Obama unterstützt Proteste gegen Trump: "Amerikanische Werte stehen auf dem Spiel"
Werbung