Wie man sich als schwarze Frau wirklich in Deutschland fühlt

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„Anderssein“ bedeutet, sich zwangsläufig mit gesellschaftlichen Barrieren konfrontiert zu sehen – ein Thema, das derzeit leider (wieder) gegenwärtiger ist denn je. Während die meisten sich wie selbstverständlich über ihre Herkunft definieren, haben es andere schon schwerer – Menschen mit bi-ethnischen Wurzeln beispielsweise. 2009 wurde der Anteil aller Deutschen mit zwei Herkünften auf 19,6 % geschätzt, Tendenz steigend. Dominique Booker ist eine von ihnen. Während ihr Vater afro-amerikanische/indianische Wurzeln hat, ist ihre Mutter Deutsche. Sie, die Tochter, ist irgendwas dazwischen. Aufgewachsen und sozialisiert in Rheinland-Pfalz fühlt sie sich Deutsch, und ist es doch irgendwie nicht. Denn sie sieht anders aus. Sie ist Schwarz – genau wie ihr Vater. Und obwohl sie sich in ihrer Denkweise und ihrem Verhalten nicht von ihren Freunden unterscheidet, wird sie doch ihr Leben lang anders behandelt. Weil sie zwei Wurzeln hat – wie viele Menschen hierzulande…
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Die selbstbewusste Kommunikationsdesign-Studentin aus Wiesbaden hat gelernt damit zu leben. Mehr als das; am Ende ist sie heute sogar stolz auf ihre „Außenseiterrolle“! Doch bis dahin war es ein langer Weg. Immer wieder gab es Situationen, in denen sie sich gefragt hat, warum sie sich nirgends so wirklich Zuhause fühlt; daran konnte auch eine Reise in die Heimat ihres Vaters, nach Amerika, wenig ändern. Fragen wie, Was bedeutet dasüberhaupt, Zuhause?, werden zum zentralen Bestandteil ihres Lebens. „Dieser Begriff hängt für mich nicht (mehr) unbedingt nur mit einem Ort zusammen. Das man sich irgendwo heimisch fühlt, bezeichnet in meinen Augen eigentlich nur, dass man sich in einer Umgebung befindet, die einem Geborgenheit bietet. Und diese empfindet man, wenn man sich uneingeschränkt entfalten kann. Das Wichtigste für mich sind heute die Menschen, die mich begleiten. Stimmt dieser Part, dann kann Heimat überall sein.“
Auch wenn Dominique mit solchen Fragen ganz offensichtlich nicht alleine dasteht, scheint es für einen öffentlichen Diskurs zu der Thematik in Deutschland dennoch kaum Plattformen zu geben. Als sie im Rahmen ihres Studiums die Chance bekommt, das zu ändern und ihre Gedanken mit anderen zu teilen, zögert sie nicht lang und ihr Projekt positiv / negativ ward geboren. Konzipiert als Buch porträtiert sie die Geschichten verschiedener Frauen, die ein ähnliches Schicksal haben wie sie, und führt diese Auseinandersetzungen später in Form ihres gleichnamigen Onlinemagazins fort. Dabei könnte jede der Biographien leicht ihre eigene sein, erzählt in unterschiedlichen Facetten. Alle sind sie in Deutschland aufgewachsen und sozialisiert, ihre Wurzeln haben sie allerdings woanders – in Malawi, Rwanda, Ghana, Kenya, Kamerun, Äthiopien, Nigeria, Guinea oder sogar Kuba.
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Natürlich helfe ihr das Projekt auch bei der eigenen Identitätsfindung, die ja am Ende nie ganz abgeschlossen ist. „Mit jeder Frau, die ich treffe, begegnet mir wieder ein Teil von mir selbst und das ist ein wunderschönes Gefühl. Unabhängig davon, wo sich jede Einzelne auf ihrer eigenen Identitätsreise befindet, ist der Austausch immer sehr besonders und wichtig. Man steht zwar einer fremden Person gegenüber, spürt aber eine innere Verbundenheit. Am Ende kommen beide Seiten bestärkt aus dem Gespräch, weil wir uns gegenseitig etwas mit auf den Weg gegeben haben.“ Denn meistens sind es nicht die Frauen selbst, die ihr Anderssein als Hürde empfinden, sondern das direkte Umfeld: „Einige Menschen von denen man umgeben ist, machen dieses Anderssein zu einem regelrechten Problem. Man wird aus der Masse rausgefiltert, in Schubladen gesteckt, mit Vorurteilen beladen, stereotypisiert, angefeindet oder auch gerne mal auf ein Podest gestellt. Es nimmt einem Freiheit, Freiheit einfach nur Mensch zu sein! Und auf diese Freiheit hat jeder gleichermaßen ein Recht, oder nicht?“

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Sie persönlich habe das „Anderssein“ jedoch stets stärker als schwächer gemacht. Sie weiß, wer sie ist und ist heute mehr als glücklich darüber. Wie auch nicht? Ist es denn kein Geschenk, neue Sichtweisen, Traditionen und Geschichten kennenzulernen? Ist es nicht erstrebenswert seinen Horizont zu erweitern? Selbstbewusst verkündet sie auf ihrer Website: „Ich bin eine schwarze Deutsche! Ich bin eine deutsche Afro-Amerikanerin!“ Dass sie heute so selbstverständlich mit ihrer Identität umgehen kann, liegt auch daran, dass sie in ihrem Leben stets von Frauen umgeben war, die ihr geholfen haben, sich einerseits als Frau und andererseits als Schwarze Frau selbstsicher zu fühlen. „Ich habe eine unglaublich starke, unabhängige, liebevolle Mutter, die natürlich schon immer bewundert wurde, eine starke Omi und in meinem Freundeskreis hat jede einzelne aufgrund ihrer eigenen Geschichte schon viel Stärke beweisen müssen. Das hat mich immer inspiriert.“
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Dennoch wünscht sich die junge Studentin seitens der Gesellschaft im Umgang mit ihrer vielseitigen Bevölkerung vor allem mehr Normalität. „Wir leben alle auf dem gleichen Planeten und betreten diese Welt meist aus dem gleichen, dem wohl wichtigsten aller Gründe – aus Liebe. Nur, weil vor vielen Jahrhunderten andere Menschen beschlossen haben „imaginäre“ Grenzen zu ziehen und dadurch unzählige verschiedene kulturelle Identitäten entstanden sind, sind wir doch am Ende des Tages alle aus Fleisch und Blut. Kulturen vermischen sich, unterschiedliche Ethnien vereinen sich und das finde ich toll. Falscher Nationalstolz oder Rassismus haben im Jahre 2017 nichts mehr zu suchen!“ Und sie beweist, dass es anders geht. Denn Dominique hat sich für ihr Leben bewusst dazu entschieden, sich von Stereotypen zu befreien.

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Dass die persönliche Herkunft überhaupt noch eine so ausschlaggebende Rolle bei der Wahrnehmung und Beurteilung von Menschen spielt, zeigen traurigerweise aktuelle Geschehnisse. Dominique selbst ist jedoch guter Dinge, dass wir das irgendwann überwinden können: „Es bedarf ja am Ende weniger Anstrengung sich auf „Neues“ einzulassen, als sich immer nur auf das bisher Kennengelernte zu verlassen. Dort spielt, schätze ich, dann auch die eigene Unsicherheit oder Angst eine Rolle. Warum man aber Angst haben muss vor Menschen, nur weil sie anders aussehen oder eine andere Leitkultur haben, ist mir ein Rätsel. Jeder Mensch ist anders und das ist auch gut so! Bevor ich Nachteile darin sehe, fallen mir zig Vorteile ein, wie mich diese Unterschiede in meinem Leben bereichern können. Man merkt aber immer wieder, dass Oberflächlichkeiten in jeglicher Form für viele eine unheimliche Kraft haben. Für die Zukunft wünsche ich mir wirklich mehr Gemeinschaftsgefühl und Offenheit im Umgang mit diesen Dingen. Es wird Zeit!“