Was genau passiert, wenn du einen Filmriss hast

Photographed by Rockie Nolan.
Es fühlt sich nie gut an, wenn dir Freunde die letzte Nacht nacherzählen müssen, weil du einen Filmriss hast. Es ist nicht nur gruselig, es ist auch noch angsteinflößend, weil ein Filmriss nicht etwa unvorhersehbar ist wie der Kater am nächsten Tag.
Wie kann es also sein, dass manche Abende einfach aus unserem Gedächtnis gelöscht werden, während andere sich jahrelang festsetzen? Wie kann es sein, dass man sich nach drei Gläsern Wein an nichts mehr erinnert, nach sieben Tequila-, zwei Wodka- und drei Jägermeister-Shots allerdings den Abend minutiös nachvollziehen kann? Und vor allem: Wie kann es sein, dass man sich den Abend über gar nicht wirklich anders verhalten hat als an anderen Abenden?
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Wir haben Experten gefragt, wie es zu einem Filmriss kommt, was dabei im menschlichen Gehirn abläuft und wie man sie vermeiden kann, ohne die Party einfach verpassen zu müssen.
„Bei einem Filmriss ist man in der Regel so stark alkoholisiert, dass man zwar weiterhin Unterhaltungen führen kann, das Gedächtnis es jedoch praktisch nicht mehr schafft, hinterher zu kommen, um Protokoll zu führen“, erklärt Dr. Reagen Wetherill.
Alkohol blockiert nahezu sämtliche Neurotransmitter im Hirn, die wiederum dafür zuständig sind, die Verbindung vom Kurzzeit- ins Langzeitgedächtnis aufzubauen. Dabei funktioniert das Kurzzeitgedächtnis jedoch absolut normal weiter, „weswegen man im Moment des Konsums auch nicht anders erscheint, sondern voll funktionsfähig ist“. Beeinträchtigt ist wirklich nur der Teil, der für langfristige und „episodische“ Erinnerungsstränge zuständig.
Besonders anfällig ist man für Filmrisse nach schnellem Konsum von viel Alkohol in kurzer Zeit oder aber nach vorwiegend süßen, alkoholischen Getränken. Um also nicht ganz auf Alkohol zu verzichten – was ultimativ sowieso die gesündeste Lösung wäre –, sollte auf das mehrfache Exen von Shots und auf Trinkspiele verzichtet, Wasser getrunken und vorher immer etwas gegessen werden.
Denn Filmrisse sind nicht nur gruselig, sie können dem Gedächtnis auch auf lange Frist schaden: Von Dr. Wetherill durchgeführte Tests ergaben, dass Menschen, die häufiger Alkohol trinken und bereits einen oder mehr Filmrisse hatten, schlechter in Gedächtnistests abschneiden als solche, die weniger trinken und keinen Filmriss erlebt haben. Abgesehen von der verschwundenen Erinnerung an die Phase des Trinkens, wirken sich Filmrisse also auch chronisch auf die Erinnerungsfähigkeit aus. Ein Filmriss begünstigt zudem bewiesenermaßen den nächsten.
Weiterhin ist es auch möglich, dass eine genetische Veranlagung Filmrisse begünstigt. Wer also besonders häufig davon betroffen ist, sollte beim Allgemeinarzt nachfragen – definitiv jedoch den Alkoholkonsum einschränken.
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