O.C., Californias Seth Cohen: Serienschwarm & Traummann

Foto: Snap Stills/REX Shutterstock.
Ich bin in New Jersey aufgewachsen. Nicht in dem Teil von Jersey, der dank Shows wie Jersey Shore und The Sopranos weltweit bekannt geworden ist, nein. Mein Teil von Jersey hat keinen einzigen Strand, und noch weniger Drama. Mit 18 hatte ich dann auch die Nase voll. Meine Teenage-Panik wurde zusätzlich von einer Trennung bestärkt: Es war Sommer, 2003, und der erste Junge, in den ich mich je verliebt hatte, hatte gerade mit mir Schluss gemacht. Ich war dabei, mich aufs College vorzubereiten, ging aber nur nach Pennsylvania. Das war also nicht ansatzweise weit genug entfernt um auch zu all dem psychischen Drama Abstand zu gewinnen. Ich brauchte mehr so was in die Richtung... Kalifornien.
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Und dann tauchte Seth Cohen auf.

Am 5. August 2003 wurde die erste Folge von O.C., California im Fernsehen ausgestrahlt und sie war alles, wonach ich mich in diesem Sommer sehnte. Der Trailer zeigte bereits, dass die Serie alle möglichen Teenager-Schnulzen behandeln würde, und das innerhalb einer Gemeinschaft, die sich sonst eher abschottet.

Ryan Atwood (Ben McKenzie) ist ein kluges Kerlchen, der unter eher schlechten Verhältnissen aufwuchs und beim Autoklauen erwischt wird. Sein Pflichtverteidiger Sandy Cohen (Peter Gallagher) erkennt das Potential in dem Jungen und nimmt ihn in seine wohlhabende Familie in Newport Beach, Orange County, Kalifornien auf. Die Geschichte ist ein Klassiker, ein bisschen Pygmalion, ein bisschen Fisch auf dem Trockenen, mit Happy End und einem Zuschauereinblick in die Welt der Reichen & Schönen von Newport.

Aber zurück zu den Cohens: Sandy Cohen ist einer der besten Leinwandpapas, die es je im Fernsehen gab. Er ist ein klassischer New Yorker Jude (meine Mischpoke), der sich nach Kalifornien abgesetzt hat, ist also selbst ein wenig „Fisch auf dem Trockenen“ und kann deshalb auf dieser Ebene gut mit Ryan fühlen. Er ist verheiratet mit Kirsten (Kelly Rowan) – das ist die, die später dem Alkohol verfällt, permanent das Gesicht verzieht und Yogalates an den Mainstream trägt. Gemeinsam haben sie einen Sohn namens Seth (Adam Brody).

Ich liebe ihn, nicht nur wegen seines unbeschreiblich niedlichen Gesichts und schlaksigen Körpers. Er hat eine ganz bestimmte Art von neurotischem Charakter mit einer Prise Selbstbewusstsein, genauso wie ich es mag. Mit keiner Faser seines Körpers passt er nach Orange County und verbringt somit den Großteil seiner Zeit damit, seinen Hobbies und kreativen Ideen nachzugehen. Er ist ein großartiger Segler und liebt Comics. Er hat ein Pferd, das er Captain Oats nennt und dem er sich regelmäßig anvertraut – und das auf eine so gar nicht infantile, sondern irgendwie schöne Art. Er beherrscht jugendlichen Sarkasmus und Humor, wird jedoch nie verletzend. Außerdem hat er Weihnukkah erfunden, hallo!
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Bis Ryan dazukommt, ist Seth ein kompletter Einzelgänger. Wie oft ich die Mädchen auf den Fluren seiner Highschool bei den Schultern packen und schütteln wollte, die ihm ein Schuljahr nach dem andern keinerlei Beachtung schenkten. Was war los mit denen? Konnten sie ihn nicht sehen?! Der Typ ist erste Sahne!!! Aber Seth gehört eben zu den chronisch Unterschätzten, diejenigen, die schon in der Schule großartig waren – nur merken es alle anderen erst viel zu spät. Aber das ist in Ordnung, Seth, ich verstehe dich. Ich würde auch nicht nach Newport passen – es sei denn, sie sind plötzlich große Fans von Zynismus und Haut, die so blass ist, dass sie fast durchsichtig scheint.

Seth Cohen/Adam Brody hat Nerds sexy gemacht, bevor Zooey Deschanel in New Girl das Ganze nochmal auf ein neues Level gebracht hat, aber auch das ist nicht der Hauptgrund für meine treue Liebe zu Seth. Wenn ich Seth Cohen ansehe, sehe ich jemanden, der damit fein ist, allein zu sein. Jemanden, der weiß wie es ist, mit Trauer, Depression und Angst umzugehen, und gleichzeitig noch seinen Humor zu behalten und sozial sein zu können. Er ist mir seelisch wirklich nah, weit über die jüdischen Familienneurosen hinaus, die wir teilen.

Natürlich macht er auch Fehler, er ist schließlich nur ein Teenager. Sobald Ryan dazustößt, wächst auch Seths Selbstvertrauen, weil er endlich einen Freund hat. Das führt dazu, dass Seth sich an sein erstes romantisches Tête-à-Tête rantraut – und das nicht mit einem, sondern gleich mit zwei Mädchen (Rachel Bilson und Samaire Armstrong). Zugegeben, er verarscht sie beide. Aber es kommt eben auch wieder auf ihn zurück: Er lebte in diesem Sommer 2003 die verbesserte Version meines Lebens, hatte Spaß, wurde verletzt, ließ sich davon jedoch nicht so elementar runterziehen wie ich es tat. In Gedanken versunken, weiß ich noch immer nicht, ob ich ihn in seinem Verhalten gerne imitiert hätte oder lieber mit ihm ausgegangen wäre. Wahrscheinlich beides, wohl wissend, dass er mich früher oder später doch für die wahre Liebe seines Lebens verlassen hätte, Summer Roberts (Bilson).

Es fällt mir schwer, Adam Brody von Seth Cohen zu trennen. Brody spielte kürzlich in der Neil LaButes Show Billy & Billie mit. Ich war sofort verliebt in seinen Billy-Charakter, ganz abgesehen von Billys egozentrischer Art und der Tatsache, dass er weder sonderlich feinfühlig, noch liebevoll mit seiner Freundin umgeht. Trotzdem machte er mich schwach. Nachdem die Serie vorbei war, brauchte ich eine Dosis Seth und fing an, mir O.C. anzuschauen. Einfach nur um zu testen, ob die tiefen Emotionen auch 13 Jahre später noch anhielten. Die Antwort ist Ja.

Mein Herz gehört definitiv denjenigen, die lange unterschätzt wurden, die voller Hingabe und Kreativität stecken, und eben denen, die alleine waren. Es gehört denen, die wissen, wie es ist nur sich selbst zu haben und die sich nirgendwo jemals zu 100 Prozent zugehörig gefühlt haben, aber daraus doch eine humorvolle Sache machen konnten. Wenn jemand so einen Seth-Typen kennt: Bitte sagt ihm, dass er mir eine Mail schreiben soll. Ich antworte schnell & lade auf einen Bagel ein... oder Burritos!
Foto: Snap Stills/REX Shutterstock.
O.C., California ist in Deutschland als Online-Stream über Amazon Prime und iTunes verfügbar.
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