Das ist die Frau hinter dem ersten Ramadan-Kalender

Ein „Adventskalender“ für den Ramadan - mit dem Iftarlender hat Nadia Doukali den ersten Kalender für den Fastenmonat erfunden und bereits restlos ausverkauft. Die Frankfurterin ist Multitalent und eine echte Powerfrau. Refinery29 hat mit ihr gesprochen.
Nadia hat nicht viel Zeit, der nächste Termin drängt schon: „Es ist Wahnsinn momentan“, sagt sie und lacht. Die 44-Jährige Mutter dreier Söhne ist viel beschäftigt: Als Schriftstellerin arbeitet sie aktuell an Hörbuch-Ausgaben zu ihren Kinderbüchern, vorher war sie lange in der Werbung aktiv. „Mich kann man nicht definieren, ich mache alles“, sagt sie mit Begeisterung in der Stimme. „Und immer mal wieder erfinde ich Sachen“. So wie jetzt den Iftarlender, der mit 30 Türchen Muslime täglich beim Fasten unterstützen soll.
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Das Prinzip ist simpel wie schön: Hinter jedem Türchen des Iftarlenders steckt ein inspirierendes Wort und Vollmilchschokolade mit Dattelstückchen - in Anlehnung an das Gebot in arabischen Ländern, das Fasten nach Sonnenuntergang mit einem Glas Milch und einer Dattel zu brechen. Nadia Doukali setzt sich außerdem auf der Facebookseite des Iftarlenders jeden Tag mit einem arabischen Wort auseinander und schreibt dazu ihre Gedanken auf: „Ich nenne sie Ankerworte“, sagt die Erfinderin. „Es sind Worte, mit denen man sich nicht täglich beschäftigt“. Diese Worte sollen inspirieren, Halt geben und unterstützen. Wenn man tiefer in die Bedeutung der Worte gehe, fände man die Bedeutungen auch in anderen Religionen wie dem Christen- oder Judentum oder im buddhistischen Glauben. Auch das schreibt dann auf.
„Am liebsten würde ich ein Jahr lang mal jede Religion mitmachen“, sagt die Unternehmerin.
Der Glauben ist ihr wichtig: „Das kann irgendetwas sein – um den Glauben kommen wir nicht herum“, findet sie. „Auch wenn du an nichts glaubst, glaubst du eben an dich. Glauben kann man nicht verleugnen, sonst gäbe es das Wort doch gar nicht“. Der Iftarlender soll Fastende unterstützen, aber auch Nichtmuslimen ein Bild davon geben, was Ramadan überhaupt ist: „Wir alle sind für immer Kinder und müssen das, was wir nicht verstehen mittels Bildern aufbauen und haptisch begreifen können“, meint Nadia. Auch dabei soll der Kalender helfen.

Auf die Idee zum Ramadan-Kalender kam die Frankfurterin bereits vor zwei Jahren. Freunde und Bekannte lachten die Erfinderin für ihre Idee anfangs noch aus: „Viele haben gesagt: ‚Das wird nicht funktionieren, die Moslems wollen das nicht!‘“, sagt Nadia. Auch die Schokoladenhersteller Milka und Lindt hätten sie aus diesen Gründen abgelehnt. Das Gegenteil war jedoch der Fall: Innerhalb von zwei Wochen war der Iftarlender online und in sechs Frankfurter REWE- Filialen ausverkauft. Mittlerweile bastelt Nadia mit ihrem Geschäftspartner Sebastian Weigelt bereits an der 2017-Ausgabe des Kalenders, den es unter anderem auch als vegane Variante geben soll. „Es geht dabei nicht nur darum, was für Schokolade drin ist“, sagt Nadia. „Ich habe mir Gedanken gemacht, was ich mir und meiner Gemeinschaft Gutes tun kann.“ Und dafür verlange sie auch Respekt.
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In Marrakesch geboren, kam Nadia mit vier Jahren nach Deutschland. In Frankfurt hatte ihr Vater als Gastarbeiter eine Stelle bei einem Schreibmaschinenhersteller gefunden. Zum Schreiben kam Nadia schließlich durch eine „katastrophale Beziehung“, wie sie erzählt. „Ich wollte einfach meine Geschichte aufschreiben, habe diese dann im Internet selbst veröffentlicht und gesehen, wie viel Spaß das macht.“
Rückhalt habe sie stets in der Familie gefunden: „Empowerment kam in meiner Familie auch durch die Männer“, sagt die Geschäftsfrau. „Die Männer haben den Frauen die Tür aufgemacht und sie beschützt.“ Es gab jedoch auch eine Frau, die sie neben ihrer Mutter, besonders geprägt habe: Nadia erzählt von ihrer Großmutter, die mit drei Kindern aus zwei vorherigen Ehen von ihrem Großvater als letzte Frau in seinen Harem geholt wurde: „Meine Großmutter war bildschön und eine sehr starke Frau. Sie kam zu meinem Großvater nur unter einer Bedingung: Dass er seine drei anderen Frauen auszahlt und entlässt, sie somit die einzige Frau ist“, beschreibt Nadia. „Ja“, sagt sie lachend. „Hat er dann gemacht“.
Auch Nadia macht keine Kompromisse, wie es scheint. Wenn sie spricht, spricht sie voller Elan: „Viele haben mir vorgeschlagen, den Iftarlender im türkischen Supermarkt anzubieten“, sagt sie. „Aber genau das wollte ich nicht. Denn klar kaufen wir Moslems da, aber ich gehe doch auch normalerweise zum REWE oder in den Bioladen!“.
Neben dem Schreiben und dem Iftarlender ist Nadia auch noch Schauspielerin. Im Kurzfilm-Experiment „3 min“ von Shai Hoffmann spielt sie eine erfolgreiche Powerfrau, die sich durchsetzt - genau wie im echten Leben. Nadia Doukali ist eben ein Tausendsassa: „Ein Tausend-und-eins-Sassa“ fügt sie lachend hinzu.
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