Warum ich so lang damit gewartet habe, über meinen Stalker zu reden

Photographed by Ashley Batz.
Wie sagt man, dass man einen Stalker hat? Das ist nicht gerade ein angemessener Gesprächsstoff für Dinner-Partys und auch für ein erstes Tinder-Date ist es irgendwie keine passende Anekdote. Das Thema ist eine derartige Spaßbremse und geht mit einem so großen Erklärungsbedarf einher, dass ich darauf in den letzten fünf Jahren lieber nicht eingegangen bin. Aber vor Kurzem erwähnte ich spontan „meinen Stalker“ in einer Unterhaltung mit einer engen Freundin, der ich – ohne mir dessen bewusst gewesen zu sein - nie davon erzählt hatte. Und ich begann mich zu fragen, warum ich dieses Martyrium so lang für mich behalten hatte.

Eigentlich ist es nicht so schwer, sich vorzustellen, warum ich darüber nichts gesagt habe: Es regt mich einfach total auf, darüber zu sprechen. Es erinnert mich an eine Zeit, in der ich mich dumm, verletzlich und verängstigt gefühlt habe. Es erinnert mich daran, dass ich in ein frustrierendes Rechtssystem verwickelt war, dass ich nicht zur Arbeit ging, weil er draußen vor meiner Arbeitsstelle gesichtet wurde, und dass ich morgens aufwachte und meine Kiefergelenke nicht mehr bewegen konnte, weil ich die ganze Nacht in dem Versuch, mich zu schützen, meine Zähne zusammengebissen hatte.

Aber wichtiger als die Tatsache, dass ich zu viel hätte erklären müssen und die schlechten Erinnerungen nicht noch einmal durchleben wollte, war, dass es mir peinlich war, den Leuten von „meinem Stalker“ zu erzählen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass meinem „Geständnis“ sehr oft mit Unglauben, Bestreiten oder Ablehnung begegnet wird. Damit will ich nicht sagen, dass die Leute absichtlich respektlos reagieren oder sich überhaupt bewusst sind, was sie da tun — ich denke einfach, es fällt den Leuten schwer, sich in eine solch bizarre und isolierende Erfahrung hineinzuversetzen. Zwar werden Stalker in Horrorfilmen verunglimpft und in romantischen Komödien gefeiert, aber die meisten Menschen haben gar keine wirkliche Idee, was einen Stalker eigentlich ausmacht. So individuell die Belästigung und die Angst, die ich unter diesen Umständen erlebt hatte, auch waren, sind diese Belästigung und Angst jedoch auch Teil eines viel größeren Systems von Missbrauch und Unterdrückung, dem Frauen täglich ausgesetzt sind. Deswegen bin ich inzwischen nach all den Jahren, in denen ich geschwiegen oder die Sache lachend abgetan und den Leuten erzählt habe, dass das alles gar kein Problem sei, bereit, wirklich darüber zu sprechen. Ich will mit meiner Geschichte meinen Beitrag zu dieser wichtigen Diskussion leisten, die gerade stattfindet rund um die Themen Gewalt gegen Frauen und Angstkultur, in der wir oft leben. Ich will damit andere Menschen, die auch solche Belästigungserfahrungen durchgemacht haben, ermutigen, vorzutreten. Also, los geht’s.

Mit 26 nahm ich Schauspielunterricht an einem renommierten Studio in Chicago. Wir waren zehn Leute im Unterricht. Einer der Schüler war ein Typ namens Brandon*. Brandon sah harmlos aus, kam nach seinem Tagesjob in seinen Slacks, einem zerknittertem Hemd und schmutzigen weißen Sneakers zum Unterricht. Etwas an ihm stieß mir jedoch fast sofort auf: Er wurde schnell wütend, er kooperierte nicht mit den Lehrern und setzte oft sexuelle Aggression als schauspielerisches Element in Szenen mit Mitschülerinnen ein.

In den Pausen versuchte ich, Brandon aus dem Weg zu gehen, und er bemerkte mein Desinteresse schnell. Am letzten Unterrichtstag tat die Lehrerin uns beide für eine letzte Übung als Paar zusammen. Das war eine entsetzliche Erfahrung. Ich erspare euch die Details einer miesen Schauspielschulen-Szene, aber so viel sei gesagt: Ich war danach von der Übergriffigkeit erschüttert und fühlte mich entblößt. An diesem Abend ließ ich den Abend in der Bar mit dem Rest der Klasse ausfallen und ging nach Hause. Ich wollte das alles einfach wegschlafen und die ganzen 10 Wochen vergessen.

Was ich damals nicht wusste: Diese hässliche Szene war erst der Anfang.

Brandon schickte mir die erste E-Mail am Tag nach dem Unterricht und wollte sich mit mir zum Kaffee verabreden. Mitten in der E-Mail änderte er aber seine Meinung und lud mich zu sich nach Hause ein, wo er mir ein Abendessen kochen wollte. Die Einladung kam mir komisch vor, weil ich im Unterricht absolut kein Interesse an ihm gezeigt hatte. Ich ignorierte die Einladung einfach. Später am selben Tag bekam ich eine weitere E-Mail, in der er mich fragte, ob ich stattdessen lieber „Peitschen und Ketten“ ausprobieren wollte, weil er wüsste, dass ich eine „Ader zum bösen Mädchen“ hätte. (Nichts geht über den abrupten Wechsel von einer Einladung zum Kaffee zu einer Einladung zu SM-Spielen.) Drei Stunden später hatte er immer noch keine Antwort von mir, also schrieb er erneut, um mir mitzuteilen, dass ich sexuell missbraucht worden wäre und ich deswegen seine ersten beiden E-Mails ignoriert hätte, und dass er mir wirklich gern helfen würde, drüber hinwegzukommen.

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DIESE HÄSSLICHE SZENE WAR ERST DER ANFANG.


Die Alarmglocken läuteten. Fürs Protokoll: Ich habe das unglaubliche Glück, dass ich nie mit sexuellem Missbrauch zu tun hatte, aber unabhängig davon hatte er absolut kein Recht, ein eventuelles Trauma aufzurühren, um so an eine Verabredung zu kommen. Ich schrieb sofort unserer Schauspiellehrerin eine E-Mail und sie kontaktierte ihn mit der Anweisung, die Kommunikation mit mir zu beenden. Außerdem verbot sie ihm, weiter an dem Programm teilzunehmen.

Er schickte mir eine fadenscheinige Entschuldigung, in der er teilweise einen ausgesprochen verstörenden Ton an den Tag legte. Nach dieser E-Mail verging fast ein Jahr ohne ein Zeichen von ihm. Ich war der Meinung, dass diese Quälerei nun überstanden sei, obwohl ich mir Sorgen machte, dass ich ihm auf der Straße oder im Theater über den Weg laufen könnte. In diesen Monaten achtete ich ganz besonders wachsam auf Männer, die aufdringlich oder instabil wirkten.

Ungefähr nach einem Jahr bekam ich wieder E-Mails von ihm. Ich bin mir nicht sicher, was ihn dazu veranlasst hatte, aber er fing an, mir täglich E-Mails zu schicken, manchmal sogar mehrere an einem Tag. Der Inhalt seiner Nachrichten variierte – manchmal schien er in guter Stimmung zu sein und er erzählte von seinem Tag oder von Streitigkeiten mit seinem Mitbewohner. Manchmal gab er mir langatmige „Schreiblektionen“, von denen ich seiner Meinung nach profitieren konnte. Andere Male diskutierte er die zahlreichen psychischen Krankheiten, unter denen er seiner Meinung nach litt, seine kaputte Kindheit, unangemessene Details von mir, an die er sich erinnerte. Er äußerste Vermutungen, die er aufgrund unserer kurzen gemeinsamen Unterrichtszeit entwickelt hatte, gab Liebeserklärungen ab und schickte mir Drohungen, die er als „Scherz“ verpackte. ” Was mir besonders auffiel, war das Maß an Vertraulichkeit, mit dem er mich ansprach — schließlich hatte ich kein einziges Mal auf seine Avancen reagiert. Er sprach mit mir, als würde ich voller Spannung darauf warten, von ihm zu hören, um alles, was er sagte, wie ein Schwamm aufzusaugen und dann mehr davon zu wollen. Diese Vertraulichkeit machte mich rasend.

Mein damaliger Freund schlug vor, die E-Mails einfach nicht mehr zu öffnen, da sie mich nur aufregen würden, aber ein Teil von mir musste wissen, was er sagte. Ich musste wissen, ob er vorhatte, das Ganze noch weiter zu treiben. Vielleicht wollte er herausfinden, wo ich lebte oder wo ich arbeitete. Das Öffnen seiner E-Mails wurde zu einem gefürchteten täglichen Ritual. Ich überstand den Schwall unerwünschter Worte, indem ich versuchte, die Absurdität der Situation mit Humor zu sehen. „Oh, sieh mal, was er heute zu sagen hat!“, sagte ich dann scherzhaft zu meinem Freund in dem halbherzigen Versuch, zu beweisen, dass es mir gutging — zu beweisen, dass diese Person mich nicht treffen konnte. Aber all das, war nur ein fadenscheiniger Versuch, die Angst, die sich langsam in mein tägliches Leben einschlich, zu überdecken.

Nachdem er mich zwei Monate lang online belästigt hatte, tauchte er in der Lobby des Hotels auf, in dem ich als Kellnerin arbeitete. Eilig erklärte ich die Situation meinem Manager, der mich zum Hintereingang begleitete und mich im Taxi nach Hause schickte. Da wurde mir klar, dass es nicht mehr darum ging, einfach nur ein paar Dutzend E-Mails lachend abzutun. Ich machte mich auf den langen und beschwerlichen Weg, eine zivilrechtliche Kontaktsperre, auch als einstweilige Verfügung bekannt, zu erwirken.

Falls jemand an dem ganzen bürokratischen Alptraum interessiert ist, den ich auf mich nehmen musste, um an die einstweilige Verfügung zu kommen, schicke ich ihr oder ihm die Infos hierzu gern gesondert zu, aber das Ganze ist einfach zu langwierig und langweilig, um hier weiter darauf einzugehen. Ich will nur sagen, dass es Monate dauerte, in denen ich viele Male in der 555 West Harrison Street (beim Amtsgericht von Cook County, das für Fälle von häuslicher Gewalt zuständig ist) vorsprach. Ich verbrachte Stunden damit, mit verschiedenen Sheriffbüros zu telefonieren. Ich stritt mich weitere Stunden mit Polizeibeamten, die „Belästigung auf elektronischem Wege“ nicht als einen berechtigten Anspruch anerkennen wollten. (Ein Kriminalbeamter sagte mir sogar, es wäre mein Fehler, weil ich die E-Mails geöffnet hatte.) Und zu guter Letzt habe ich noch Stunden mit meinen eigenen juristischen Recherchen verbracht, falls ich mich selbst vor Gericht vertreten müsste, sollte ich es denn je bis dorthin schaffen. Am 2. März 2011 wurde Brandon dann endlich eine temporäre einstweilige Verfügung zugestellt, auf die er mit einer E-Mail reagierte, mit der er mir eine Kopie des Stücks schickte, das er „für mich geschrieben“ hätte. Er versprach, sollte ich mich bereit erklären, die Anklage fallen zu lassen, mir die Hauptrolle in dem Stück zu geben, wenn es aufgeführt werden sollte. Kein Scherz.

Dieses scheinbar unschuldige Angebot war aber eine offizielle Gesetzesübertretung, wodurch mein zivilrechtliches Kontaktverbot zu einer strafrechtlichen Angelegenheit wurde. Darüber hinaus zeigte es mir, dass Brandon keinen Schimmer davon hatte, was hier eigentlich ablief, dass er auch nicht die Absicht hatte, sich an das Gesetz zu halten, und — was mir am meisten Angst machte — dass er den Bezug zur Realität verloren hatte. Ich würde es niemals wagen, bei anderen eine geistige Krankheit zu diagnostizieren, aber bei Brandon konnte man irgendwie gar nicht anders, als zumindest stark zu vermuten, dass er psychisch krank war. Und so wütend ich auch war, hatte ich manchmal trotzdem Mitgefühl mit ihm, weil mir klar war, dass er innerlich vielleicht Kämpfe austrug, die er nicht unter Kontrolle hatte. Einmal habe ich mich sogar beim Amtsgericht in der Abteilung für häusliche Gewalt erkundigt, ob es in meinem Fall die Möglichkeit für ein psychiatrisches Screening und eine Behandlung gäbe. Aber das waren nur Momente, die sich mit anderen Momenten abwechselten, in denen ich dachte: „Nein, er weiß genau, was er tut. Er ist ein funktionierendes Mitglied der Gesellschaft und nutzt diese Krankheiten und die vermeintliche Hilflosigkeit nur als Ausrede. Er will mich damit manipulieren, damit ich aufgebe.“

Vielleicht werde ich nie erfahren, was hinter all dem steckte, was ich aber weiß, ist, dass es mich total in den Abgrund riss. Das grauenvolle Bild eines wütenden und emotional gestörten Mannes, der in einem Kino um sich schießt, um sich an seiner Ex-Freundin zu rächen, machte sich in meinen Träumen breit. Ich konnte nicht mehr schlafen. Ich fehlte auf der Arbeit. Ich ließ meine Frustration und meine Vorwürfe an meinem Freund aus und wir trennten uns. Wenn ich morgens aufwachte, musste ich meinen Kiefer erst einmal 15 Minuten lang massieren, bevor ich ihn weit genug aufbekam, um zu sprechen. Es war eine schreckliche Zeit, auf dich ich heute traurig und wütend zurückblicke.

ALSO SCHWIEG ICH. UND DIESES SCHWEIGEN ÜBER DIESE ANGELEGENHEIT SICKERTE AUCH IN ANDERE BEREICHE MEINES LEBENS.


Was jetzt kommt, ist so nah an einem märchenhaften Ende, wie es eine Geschichte über einen Stalker sein kann. Mein Gerichtstermin rückte näher und Brandons Weigerung, sich an die temporäre einstweilige Verfügung zu halten, ließ nicht darauf schließen, dass er die zweijährige einstweilige Verfügung, die ihn in der Verhandlung erwartete, akzeptieren würde. Ich war alles andere als optimistisch. Aber dann, eines Abends rief mich ein gewisser Detective Casey* von der Mordkommission von Cook County an. Ganz recht — Mordkommission. In meinem Fall gab es keinen Mord, Gott sei Dank, aber Detective Casey erklärte mir, dass – aus irgendeinem Grund – mein Fall auf seinem Schreibtisch gelandet sei, und er versprach mir, sich die Akte anzusehen. Ich brach sofort in Tränen aus.

Er bat mich, ihm alles zu erzählen, von Anfang bis Ende, und ich berichtete ihm ganz genau von Brandons Verhalten im Unterricht, von den unerwünschten E-Mails, den Drohungen, dem Auftauchen an meinem Arbeitsplatz, der Nichteinhaltung der temporären einstweiligen Verfügung. Ich erzählte ihm alles. Er hörte aufmerksam zu und als ich fertig war, meinte er: „Wie ich es sehe, können Sie drei Dinge tun.“ Möglichkeit Nummer eins, so meinte er, sei, dass er den Fall als strafrechtliche Angelegenheit einstufe. In dem Fall müsste ich einen Rechtsanwalt beauftragen und einen neuen Gerichtstermin anberaumen lassen. Die zweite Möglichkeit sei, dass ich den Fall weiter zivilrechtlich behandeln würde. Ich müsste dann zum Gerichtstermin erscheinen und könnte nur hoffen, dass alles gut gehen würde. Die dritte Möglichkeit, meinte er - und ich denke mir das nicht aus - wäre, dass er „heute Abend Brandon einen Besuch abstatten könnte, der ihn wünschen ließe, nie geboren zu sein.“

Natürlich entschied ich mich für Tür Nummer 3.
Um 23:00 Uhr des gleichen Abends rief mich Detective Casey an. Seine Stimme klang wie die eines richtig harten Typen: „Ms. Stulik? Brandon wird Sie nicht weiter belästigen.“ Mein erster Gedanke war: „O mein Gott, er hat ihn getötet.“ In Wirklichkeit aber, so Detective Casey, tauchte er um 22:30 Uhr vor Brandons Wohnung auf, und zwar mit einem Durchsuchungsbefehl und zwei Kollegen. Sie schlugen die Tür ein, durchsuchten die Wohnung nach Schusswaffen und Drogen und verhörten ihn, bis er „sich in die Hosen machte“. Der Detective meinte, er sei davon überzeugt, dass Brandon gar nicht wüsste, wo ich lebte, und war sich sicher, dass Brandon beim nächsten Gerichtstermin kooperativ sein würde. Zum Schluss fragte er Brandon, warum er immer noch versuchte, mich zu kontaktieren, wo ich doch deutlich gezeigt hätte, dass ich nicht interessiert sei.

Brandons Antwort: „Sie hat niemals Nein zu mir gesagt.“

Als ich das hörte, kochte mir das Blut in den Adern. Natürlich hatte ich niemals explizit „Nein“ zu ihm gesagt. Ich habe niemals irgendetwas zu ihm gesagt. Ich habe auf keine einzige der E-Mails geantwortet, selbst als ich all die Obszönitäten, die ich dem Computerbildschirm entgegenschrie, am liebsten aufgeschrieben hätte. Ich wollte auf verletzende, abwertende Art antworten, damit er sich genauso klein fühlte, wie ich mich durch seine Worte fühlte. Ich wollte intelligente, beißende Attacken schreiben, die ihm zu erkennen gaben, wie sinnlos und blöd seine ganzen Aktionen waren. Ich wollte ihn direkt von Angesicht zu Angesicht konfrontieren, als er an meiner Arbeitsstelle in der Lobby herumschlich. Ich wollte ihm „STOPP“ und „NEIN“ und „VERFICK DICH“ sagen – aber ich konnte mir das nicht erlauben. Weil er die Macht hatte und ich ihm nicht noch mehr Macht geben konnte. Tatsächlich lautete der Rat, den ich bei einem meiner vielen Besuche am Gericht von den Mitarbeitern der Abteilung für häusliche Gewalt bekam, auf gar nichts zu reagieren, da jedes Zeichen von mir ihm nur als Grund dienen würde, den Kontakt aufrechtzuerhalten. Er sollte nicht ermutigt werden.

Also schwieg ich. Und dieses Schweigen sickerte auch in andere Bereiche meines Lebens. Ich schwieg über Brandon, wenn die Leute fragten, warum mein Freund und ich uns getrennt hatten. Ich schwieg einigen meiner engsten Freundinnen gegenüber, weil ich zu wütend und beschämt war, um ins Detail zu gehen. Im Großen und Ganzen habe ich eigentlich bis jetzt über die gesamte Erfahrung geschwiegen. Vielleicht ist es der räumliche oder zeitliche Abstand oder vielleicht auch die Änderung des allgemeinen Klimas, das sich geändert hat dank der mutigen und offenen Menschen, die ihre Peiniger und alle die, die sie mundtot machen wollten, konfrontiert haben, aber ich schäme mich heute mehr für mein Schweigen als für die anderen Dinge. Aber da Scham inzwischen keinen Platz mehr in meinem Leben hat, habe ich heute diese Geschichte mit euch geteilt.

Wie Detective Casey vorhergesagt hatte, akzeptierte Brandon bei unserem Gerichtstermin das Urteil sofort und ich bekam eine zweijährige einstweilige Verfügung gegen ihn, die 2013 abgelaufen ist. Seit Aufhebung der einstweiligen Verfügung kontaktierte mich Brandon nur einmal. Ich sagte mir, dass ich nicht zögern würde, ein zweites Mal Anklage zu erheben, sollte er wieder damit anfangen. Heute lebe ich in dem Wissen, dass er immer noch da draußen ist, wahrscheinlich auch immer noch mit denselben Gedanken im Kopf. Aber ich weigere mich, mir von ihm Angst oder mich mundtot machen zu lassen. Und sollte er das hier lesen, will ich, dass er das weiß.

*Name wurde geändert.
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