Erotische Kurzgeschichte: Wie man zwei Fliegen mit einer Klappe schlägt

Wir haben uns mit Erotikautorin und -expertin Rachel Kramer Bussel zusammengetan und versorgen euch nun mit einer prickelnden Story von Frauen für Frauen.
Kyle schwirrte der Kopf von Wahrsagerei der westlichen Welt und er fragte sich ernsthaft, wie er sich all die Praktiken merken sollte. Aus Teeblättern und Kaffeesatz lesen, Bleigießen, Kristallkugel befragen, Zaubersprüche, Tarotkarten legen, Wahrsagerei aus Flammen, Handlesen, Psychometrie, Wettervorhersagungen - und damit waren sie noch nicht einmal bei Astrologie angekommen. Nein, dafür gab es einen ganz eigenen Kurs.

Jene Studenten, die mit dieser Art von Magie großgeworden waren, schienen diese ganzen Dinge für selbstverständlich zu halten und Kyle fragte sich, wie viele magische Zeichen er wohl täglich übersah. Er wusste, dass es Glück bringen soll, wenn man einen Penny findet, aber er hatte immer geglaubt, dass dies nur gelte, wenn die Kopfseite nach oben zeigte. Scheinbar hatte er sich geirrt. Auch, dass es Unglück bringe, wenn eine schwarze Katze unter einer Leiter hindurch spazierte, stimme nicht. An anderen Aberglauben hielten seine Kommilitonen aber unbeirrt fest. So ganz kam Kyle da nicht mehr mit.

Er öffnete das Lehrbuch über magische Zeichen und versuchte zu lesen, aber er konnte sich nicht wirklich konzentrieren. Er war zu sehr damit beschäftigt sich Sorgen zu machen, ob er das Gelesene auch behalten könne.

Glücklicherweise kam Jess bald nach Hause. „Hallo, mein Herz“, begrüßte sie ihn und gab ihm einen Kuss auf die Lippen. „Was machst du gerade?“

„Eigentlich dachte ich, ich schnappe mir Alex, damit er mir beim Lernen hilft. Aber offenbar ist er in der Bibliothek.“

Jess schürzte die Lippen. „Ich habe bisher nie mitbekommen, dass er so viel lernt. Zurzeit ist er andauernd dort. Vielleicht hinkt er mit seinem Projekt zeitlich etwas hinterher?“

Kyle seufzte.

Jess ließ sich auf die Couch neben ihn sinken. „Möchtest du, dass ich dir stattdessen beim Lernen helfe?“

Er legte seinen Arm um sie und zog sie zu sich herüber, um sie zu küssen. „Ich würde lieber etwas ganz anderes tun. Deine Mitbewohnerin meinte, sie sei den ganzen Abend im Labor beschäftigt.“

„Oh? An einem Donnerstag? Das ist ungewöhnlich“, antwortete Jess und lächelte schelmisch, „kommt aber ganz gelegen. Du bist eine echter Glückspilz, Kyle Wadsworth.“

„Oh, ja...“

„Ich muss zwar eigentlich noch fünf Seiten schreiben, aber was soll's!“ Sie fasste seine Hand und zog ihn mit sich ins Schlafzimmer. „Vielleicht können wir ja zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen.“

Sie schloss die Tür hinter ihm. „Zieh' deine Sachen aus und leg' dich auf's Bett.“

„Okay.“ Er legte seine Bücher zur Seite und begann damit sich zu entkleiden. „Willst du dich nicht auch ausziehen?“

Jess stemmte die Arme in die Hüften. „Willst du mit mir diskutieren oder tun, was ich gesagt habe? Vertrau' mir, Kyle, es wird dir gefallen.“

„Okay.“ Er zog sich bis auf die Socken aus und legte sich aufs Bett. Sofort lehnte sie sich über ihn und verband ihm mit einem schmalen Tuch die Augen.

Das Nächste, was er fühlte, waren ihre Lippen auf seinen. Gerade lang genug, um ihn zu erregen, bevor sie sich wieder zurückzog. Als sie zu ihm zurückkehrte, waren ihre Lippen voll und feucht. Er stöhnte in ihren geöffneten Mund und fühlte, wie das Blut in Richtung Leiste schoss.

„Also, womit tust du dich nun so schwer?“ fragte sie und nahm neben ihm auf dem Bett Platz. Soweit er das erahnen konnte, war sie noch immer voll bekleidet. Sie fuhr mit den Fingerspitzen seine nackte Brust entlang.

„Magische Zeichen und Tarot,“ antwortete er. „Ich bekomme sie einfach nicht in meinen Kopf.“

„Na gut.“ Er fühlte ihren warmen Atem an seinem Ohr, was ihn noch mehr erregte. „Was ist die Bedeutung der... zwei Schwerter?“

„Ähm, Frieden, aber meist ist damit ein unsicherer Frieden gemeint? Zum Beispiel, wenn jemand sich zwischen zwei Dingen entscheiden muss, aber keines ist die perfekte Wahl?“

„Sehr gut.“ Sie küsste ihn auf die Schläfe und er fühlte, wie ihre Fingerspitzen über seinen Schwanz glitten. „Sagen wir, für jede richtige Antwort, mache ich das fünfmal.“

Er zog scharf die Luft ein, als ihre kalten Finger sich mit lockerem Griff um seinen halbharten Schwanz schlossen und sich fünfmal sanft hoch und runter bewegten. Als sie losließ, war er schon fast vollkommen hart und ihre Finger, die über Brustwarzen und Bauch strichen, taten ihr Übriges.

„Wie steht's mit dem Mond?“
„Äh, Wildheit. Die animalische Seite eines Menschen.“
„Sehr gut, Tiger.“ Sie belohnte ihn fünf weitere Male. „Wenn du so weiter machst, muss ich bald das Gleitgel holen.“

Das war in der Tat etwas anderes als die Prüfungen, die er bisher abgelegt hatte. Er zuckte vor Erregung.

„Die Sonne?“
„Freude und Erfüllung.“
„Mmhh, vielleicht sollte ich dafür auf 10 erhöhen, schließlich bist du noch ein gutes Stück entfernt von der Erfüllung.“

Er konnte hören, wie sie über ihre Hand leckte und musste sich zusammenreißen, nicht direkt ihn ihrer Hand zu kommen.

Mit jeder Frage, die sie ihm stellte, steigerte sich seine Erregung. Schließlich griff sie zu der kleinen Flasche mit Gleitgel neben ihrem Bett und ihre Finger glitten geschmeidig weiter, egal wie langsam sie sich bewegte oder wie lange er über ihre Frage nachdenken musste. Ab und an, wenn ihr eine seiner Antworten besonders gefallen hatte, ließ sie ihren Daumen noch ein paar Sekunden länger um seine Eichel kreisen.

Sein Körper brannte vor Verlangen und Kyle war kurz davor zu kommen. Fünf weitere Belohnungen würden dafür allerdings nicht reichen. Dann befragte sie ihn zu den magischen Zeichen. Nachdem er bereits ein halbes Dutzend aufgezählt hatte, schloss sie ihre Hand schließlich fester um seinen steifen Penis.

„Jetzt bist du dran“, sagte sie. „Solange du die magischen Zeichen und ihre Bedeutung aufzählst, werde ich nicht loslassen. Sobald du ins Stocken gerätst und nachdenken musst, lass ich los.“

„Oh man! Du kleine Hexe!“, rief er und beide begannen zu kichern, Kyle ein bisschen atemlos. „Ich weiß. Ich bin eine echte Jezebel, oder?“

Irgendetwas an der Art, wie sie das sagte, ließ ihn stutzen...aber das musste jetzt warten. Gerade lockerte sie nämlich ihren Griff. „Regenbögen! Ein Regenbogen bedeutet Glück und Regenbögen über grünen Bäumen bedeuten bedingungslose Liebe. Wenn eine Eichel auf dich fällt, bringt das ebenfalls Glück. Und wenn ein Grashüpfer im Haus ist, bedeutet das...“

Was bedeutete das nochmal? Irgendwas mit...

Jess hob ihre Hand und er stieß einen frustrierten Laut aus. „Du weißt es doch, sonst hättest du es gar nicht gesagt,“ versetzte Jess herausfordert.

„Ein Grashüpfer im Haus heißt,... dass ein guter Freund dich besuchen kommt.“ Ihre Hand kehrte zurück. Jetzt musste er aber unbedingt weitermachen. „Ok, eine... eine niesende Katze bringt einer Braut Glück.“ Er war nun wirklich kurz davor zu kommen. Mit festem Griff bewegte sie ihre Hand rauf und runter und machte es ihm damit beinahe unmöglich gleichzeitig zu atmen und zu sprechen. „Zwei Krähen vor dem Fenster bringen Glück! Drei bedeuten eine Hochzeit! Ein platter Reifen bedeutet, dass jemand erben wird. Sternschnuppen sind...“ Aber weiter kam er nicht. Er schrie auf, als er sich zwischen ihren Fingern ergoss. Ihr Daumen massierte seine Eichel als er kam. Hinter der Augenbinde explodierten bunte Farben in seinem Kopf.

Als sie ihn küsste, als wolle sie die Süße seines Orgasmus aus seinem Atem saugen, war er noch immer vollkommen aufgewühlt. „Ich.... äh....“

Angesichts seiner Verlegenheit musste sie unwillkürlich kichern und nahm ihm die Augenbinde ab. Ihr Lächeln steckte ihn an. „Hi“, sagte er, als würde er sie an diesem Tag zum ersten Mal sehen. „Hi“ erwiderte sie.

„Ich denke, ich kann mich glücklich schätzen, dass Alex heute in der Bibliothek ist“ sagte er.
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