Herbstblues: Der Sommer geht, die Depression kommt

Wäre der Herbst ein Film, dann für viele ein Drama. Ein tristes Trauerspiel, das sich beklemmend lang ziehen kann. Wer darin gar keine schönen Szenen erkennen kann, der leidet eventuell am sogenannten Herbstblues. In der schlimmsten Variante sprechen die Experten von einer Herbst-Winter-Depression.

Was passiert da mit uns, warum sind wir so antriebslos? „Wenn im Herbst die Tage kürzer werden, nimmt der Körper über die Netzhaut (des Auges) weniger Licht auf. Dadurch erhöht sich die Ausschüttung des Hormons Melatonin, welches unter anderem dafür sorgt, dass wir müde werden. Gleichzeitig sinkt der Serotoninspiegel, was zu einem gestörten Serotonin-Gleichgewicht führt. Serotonin, umgangssprachlich auch Glückshormon genannt, ist zuständig für emotionale Prozesse, u.a. auch für unser Wohlbefinden", erklärt Camilla Hertz. Die Psychologin ist Coach für die Online-Therapie von Humly und kennst sich mit der Volkskrankheit aus. „Aufgrund dieser inneren Prozesse sind die häufigsten Symptome einer Herbst-Winter-Depression Müdigkeit, Niedergeschlagenheit, Antriebslosigkeit und sozialer Rückzug. In den meisten Fällen tritt auch ein vermehrter Appetit auf, der meist mit einer Gewichtszunahme einhergeht."

Tatsächlich leiden ungefähr 10% der Bevölkerung unter einer Herbst-Winter-Depression. Dabei sind Frauen häufiger betroffen als Männer. In 80% der Fälle tritt die Depression im nächsten Winter erneut auf.

„Mit verschiedenen Maßnahmen kann dem Herbstblues oder einer leichten Form der Herbst-Winter-Depression entgegengewirkt werden: Körperliche Aktivität bei Tageslicht ist eine sehr wirkungsvolle Maßnahme. Dabei ist die Sportart zweitrangig. Schon ein täglicher halbstündiger Spaziergang im Hellen wirkt sich positiv auf die Symptome aus", rät die Psychologin.

Ein Urlaub in der Sonne wäre auch ein Idee, wenn es in Deutschland grau ist. „Ein strukturierter Tagesablauf mit Entspannungspausen zwischendurch wirkt sich ebenfalls positiv aus", sagt Hertz. „Ein weiterer wichtiger Faktor ist die Macht der Gedanken. Wer versucht, negative Gedanken(kreise) zu durchbrechen, wird mit einer anderen Einstellung den Herbst- und Wintermonaten begegnen."

Wenn man merkt, dass man sich selbst nicht aus dem seelischen Tief holen kann, sollte man unbedingt zum Arzt oder Psychotherapeuten. „Bei einer schweren Symptomatik ist die Lichttherapie am wirksamsten. Der Betroffene wird dabei täglich über einen gewissen Zeitraum einer starken Lichtquelle ausgesetzt. Diese Lichtquelle hat eine höhere Beleuchtungsstärke als gängiges künstliches Licht. Teilweise werden zusätzlich Antidepressiva oder eine pflanzliche Behandlung mit Johanniskraut verschrieben."
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