Nein, ein Kaiserschnitt ist NICHT die einfache Variante der Geburt

Nach der Geburt ihres zweiten Kindes berichtete Jodie Shaw auf ihrem Blog Birth Without Fear, dass mehrere Leute kommentiert hätten, ein Kaiserschnitt sei lediglich die „einfache Variante“ der Geburt. Die Mutter würde dabei im Prinzip nicht einmal „aktiv gebären“.

Sehr verständlich, dass sie wütend reagierte.

Leider ist es noch immer so, dass eine Vielzahl an Menschen eine Art Hierarchie unter den Geburtsmethoden sehen. Oscar-Preisträgerin Kate Winslet sah sich einst sogar gezwungen, zu lügen, als sie öffentlich erzählte, sie habe ihr Kind auf physiologischem Wege bekommen, weil sie die verurteilenden Reaktionen auf einen Kaiserschnitt gefürchtet hatte.

Shaw wandte sich weiter an die Öffentlichkeit und erklärte auf der Facebook-Seite ihres Blogs, warum diese Wahrnehmung und das damit verbundene Stigma so falsch sind – und teilte im selben Atemzug ein beeindruckendes Bild.

„Ein weiterer Tag, ein weiterer Kommentar von jemandem, der meint, ein Kaiserschnitt sei keine Geburt“, so schreibt es Shaw. „Natürlich kann ich nicht in die Köpfe der Menschen, um ihre Ansichten händisch zu ändern, aber genau deshalb habe ich dieses Bild herausgesucht. Vielleicht zeigt es manchen Menschen, dass einem manchmal keine Wahl bleibt, ganz egal, was man sich ursprünglich vorgenommen hatte. Ich hatte keine Wahl.“

Sie erklärt weiterhin, dass sie ein Gebärmutterhalsmyom hatte und ihre Plazenta sehr niedrig saß. Eine vaginale Geburt hätte also sowohl sie als auch ihr Kind in Lebensgefahr gebracht. Diese Komplikationen machten einen Kaiserschnitt zwar unumgänglich, jedoch auch viel schwieriger. Shaw war nach der Geburt sechs Wochen bettlägerig.

„Diese Narbe rette mich davor, auszubluten. Sie hat mir dabei geholfen, mein Baby auf die Welt zu bringen“, so Shaw. Kaiserschnitte werden zudem meist perspektivisch zugunsten des Kindes, oft auch zugunsten der Gesundheit der Mutter, durchgeführt. Leichter ist die operative Variante deshalb keinesfalls.


Abschließend sollte aber vor allem eins gesagt sein: Selbst wenn Shaw tatsächlich die Wahl gehabt und sich freiwillig für einen Kaiserschnitt entschieden hätte und wenn er möglicherweise sogar reibungslos und frei von Komplikationen verlaufen wäre, gibt dies noch lange keinem Menschen das Recht, ein Urteil darüber zu fällen. Es ist kein Grundanspruch an Mütter, für die Geburt des Kindes den vermeintlich schwersten oder natürlicheren Weg zu gehen. Die Entscheidung über die Geburtsmethode ist so intim wie die Geburt selbst. Und wie Shaws Geschichte zeigt, ist es oftmals keine freie Entscheidung, die man einfach treffen kann. Ganz egal, wie die Entscheidung nun gefällt wird: Geburtsgeschichten sollten als das Wunder zelebriert werden, das sie sind.
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