Ich habe Trump gewählt & kann es niemandem verraten

Im Meer der ImWithHer-Hashtags und der „Make America Great Again“-Basecaps, inmitten der überfüllten Newsfeeds verliert man zeitweise die einzelne Wählerin aus den Augen. Die meisten werden in der Lage sein, mit ihren Freunden und der Familie offen über die Wahl zu sprechen, manche jedoch finden sich in einer unangenehmen Situation wieder, in der sie ihre politische Präferenz nicht äußern können. Viele halten ihre Neigungen geheim – zum einen, weil es ihr gutes Recht ist, zum anderen, weil sie wissen, dass sie damit in große Diskussionen geraten werden.

Eine 22-jährige New Yorkerin wählt Trump

Vor Kurzem erst die Uni abgeschlossen, lebt die 22-Jährige im solide demokratischen Bundesstaat New York. In der heutigen US-amerikanischen Präsidentschaftswahl wird sie ihre Stimme dem Republikanischen Kandidaten geben.

Im Mai beendete sie ihr Studium an der University of Michigan im Hauptfach Kunst und Design, und Journalismus im Nebenfach. Nach dem Abschluss war sie mit Schulden in Höhe von 41.000 Dollar konfrontiert, die sie selbst abbezahlt.

Heute arbeitet sie bei einem Hedge-Fonds, der mehrheitlich #withher ist – also pro Hillary. Über ihre politischen Einstellungen redet sie deshalb selten und möchte auch im Interview anonym bleiben.

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Foto: Win McNamee/Getty Images.

Erzähl uns etwas über dich.
„An der letzten Wahl 2012 habe ich mich nicht beteiligt, weil ich in Michigan lebte und zu faul war, um eine Briefwahl zu beantragen. Aber meine Eltern sind schon immer liberal auf sozialer Ebene, wenn es jedoch um Finanzen geht eher konservativ-republikanisch. Ich glaube, mein Vater hat bei der letzten Wahl für Mitt Romney gestimmt. Diesmal wählt er natürlich Donald Trump. Ich habe viele ihrer politischen Ideale übernommen.“

Was ist mit deiner Mutter?
„Meine Mutter ist nicht wirklich politisch interessiert. Sie macht einfach das, was mein Vater tut. Er liest die Zeitungen, schaut Nachrichten und erzählt dann, was los ist. Und dann sitzen wir zusammen und diskutieren. Aber ich glaube nicht, dass sie in der letzten Wahl eine Stimme abgegeben hat. Doch auch sie wird diesmal Trump wählen.“

Okay. Und was sind deine Gründe für Trump?
„Ich habe größere Angst vor dem, was Hillary tut, als vor dem, was Trump sagt. Natürlich kann ich viele seiner Äußerungen nicht nachvollziehen, geschweige denn sie verteidigen, aber sie sind nunmal alle hinter verschlossenen Türen gesagt worden. Und wenn man mich aufnehmen und alles hören würde, was ich über Freunde und Familie und auch Fremde sage, wenn sie mir nicht zuhören, dann würde ich wahrscheinlich auch gerade überall in den Schlagzeilen stehen. Ich glaube außerdem, dass er vieles sagt, um die Presse zu kriegen, um die Aufmerksamkeit auf sich zu richten. Und ich glaube auch fest daran, dass Hillary sehr viel mehr Leichen im Keller hat, wenn es darauf ankommt. Sie hat versucht, die Frauen zum Schweigen zu bringen, die gegen ihren Mann vor Gericht ziehen wollten, und jetzt versucht sie sich als Frauenrechtlerin zu positionieren. Ich glaube kein Wort von dem, was sie sagt. Und ich finde, sie wirkt einfach falsch.“

Und was ist mit den Frauen, die Trump belästigt haben soll?
„Viele dieser Aussagen und Anklagen wurden ja bereits widerlegt, wie zum Beispiel die der Frau, die erzählt hat, dass sie nebeneinander in der ersten Klasse saßen – das Szenario soll wohl so gelaufen sein, dass er die Armlehne hochgeklappt und dann all diese schlimmen Dinge getan hat. Und dann kam heraus, dass die erste Klasse gar keine Armlehnen hat. Und das ist es: Jetzt kommen eben Leute hervor, die Geschichten erzählen, die ganz einfach entlarvt werden können. Das Timing ist sehr praktisch gerade. Und ich sage nicht, dass ich keiner dieser Frauen glaube. Es ist bestimmt mal was passiert. So 50 Prozent vielleicht. Und ich stehe nicht hinter seinen Taten. Aber ich meine… Trump hat nie gesagt, er sei Feminist. Aber Hillary sagt es immer wieder, benimmt sich aber genauso wenig wie eine Feministin. Ihr ganzer Ruf basiert auf diesem Feminismus-Konzept, und ich kaufe es ihr einfach nicht ab!“

Wenn die Leute ‚Trump‘ hören, denken 97 Prozent: Redneck, Waffenfanatiker, Anti-Abtreibung.


Würdest du dich selbst als Feministin beschreiben?
„Definitiv. Ich hätte mich auch beinahe für Gender Studies im Nebenfach entschieden. Ich bin für Frauenrechte, ich bin für Gleichberechtigung, ich will gleiche Bezahlung bei gleicher Arbeit.“

Warum redest du nicht offen über deine politische Neigung?
„Ich glaube, die Leute sind einfach nicht gebildet oder informiert genug. Sogar ich selbst. Ich meine, es gibt definitiv Dinge, von denen ich nichts weiß und die ich nicht verstehe. Aber all das spielt gar keine Rolle – wenn du sagst, dass du Trump wählst, werden die Leute sofort wütend. Das ruft sofort starke Reaktionen hervor. Die meisten Leute flippen einfach aus. Ich würde sagen, dass 97 Prozent dann sofort denken: Redneck, Waffenfanatiker, Anti-Abtreibung. Ich will einfach nicht, dass man meinen Namen mit solchen Dingen in Verbindung bringt.“

Rutscht es dir jemals raus?
„Nein. Bei der Arbeit sind die meisten für Hillary. Und sie sprechen offen und viel darüber. Und wenn sie mich dann fragen, ob ich wähle, sag ich manchmal einfach ‚nein‘ oder ich ignoriere die Frage einfach.“
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