„Ich bin stolz, intersexuell zu sein“: Warum Model Hanne Odiele ein Zeichen setzt

Foto: REX/Shutterstock
Das belgische Model Hanne Odiele hat soeben Geschichte geschrieben, indem sie als erste prominente Person offen über die Geburt als intersexuelle Person spricht. Intersexuelle Menschen werden mit Chromosomen geboren, die sich auf die Ausbildung der Geschlechtsmerkmale auswirken und sich weder als männlich noch als weiblich kategorisieren lassen.

Odiele, die mit 17 das Modeln begann und schon mit Designern wie Alexander Wang – sie gilt offiziell als eine seiner Musen – und Marc Jacobs zusammengearbeitet hat, hat im Interview mit USA Today über ihren Status als „intersexuell“ und über das Bedürfnis, endlich die Tabuisierung zu durchbrechen, gesprochen.

Odiele kam mit Androgenresistenz zur Welt. Bei der Androgenresistenz tauchen bei den Betroffenen zwar männliche XY-Chromosomen auf, die sekundären Geschlechtsmerkmale sind jedoch nicht voll entwickelt. Odiele wurde mit Hodenhochstand geboren, ein Zustand, der nicht voll ausgebildete, innenliegende Hoden beschreibt. Als Kind wurde ihr auf Grund dessen attestiert, dass sie stärker gefährdet wäre, an Krebs zu erkranken. Außerdem würde sie sich biologisch nicht wie andere Mädchen entwickeln können – das alles wurde ihr gesagt als sie 10 Jahre alt war, der volle Umfang solcher Aussagen war ihr also keinesfalls bewusst. „Nach einer Operation wusste ich nur, dass ich nie Kinder kriegen können werde“, so Odiele im Gespärch mit USA Today. „Ich bekam nie meine Periode. Ich wusste, dass irgendetwas nicht stimmte.“

Mit 18 unterzog sie sich einer Vaginalaplasie.

„Ich bin stolz, intersexuell zu sein“, sagt Odiele heute. „Aber sehr wütend darüber, dass es noch immer Standard ist, diese Genitaloperationen durchzuführen.“

Odiele hofft, dass ihr ehrlicher Umgang mit dem Syndrom zu einem offeneren Diskurs über die Prozedur führt. Diese würde sehr häufig ohne die Einwilligung der Betroffenen durchgeführt werden, da diese sich meist noch im Kindesalter befinden und nicht den Umfang an Folgen und Konsequenzen verstehen.

„Teenager und junge Erwachsene fühlen sich oft hintergangen, wenn sie später herausfinden, was eigentlich mit ihnen passiert“, so Sue Stred, Professorin für Pädiatrie in New York gegenüber USA Today. Auch für die erhöhte Wahrscheinlichkeit einer Krebserkrankung gebe aus laut Stred noch keinerlei „solider Langzeitdaten“.

Odiele betont: „Du kannst sein, wer auch immer du sein magst. Die Entscheidung liegt bei dir.“
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