Das ist die neue App, die dich zur Meerjungfrau macht

Foto: Lia Haubner.
Seitdem mich Snapchat dank seiner Filter in Windeseile mit einem Blumenkranz oder einer Extraportion Weichzeichner durch meine gewohnte Umgebung laufen lässt, bin ich viel mitteilsamer geworden. Natürlich sollte es mir egal sein, ob ich nun Eyeliner und Wimperntusche trage oder ungeschminkt bin, wenn ich meiner Freundin in Zürich schnell zeige, was gerade in Berlin passiert.

Ich möchte allerdings nicht bestreiten, dass ein Abend mit Homeland, Burgern und ungewaschenen Haaren gleich deutlich vorzeigbarer wirkt, wenn Augenringe glattgebügelt werden und im Zweifelsfall auch die Lieferservicebox animierte Blumen tragen kann.

An dieser Stelle steht die berechtigte Frage im Raum, warum erstens alles ständig vorzeigbar sein soll und die Realität zweitens nicht auch einfach ohne Filter ganz wunderbar aussieht. Ich weiß, dass es Quatsch ist, sich wohler zu fühlen, wenn der Netflix-Abend für die Snapchat- oder Instagram-Stories-Konversation mit guten Freunden mit weichem Licht, mehr Kontrast oder einfach nur ein paar Emojis versehen ist. Deswegen ist das Ergebnis des Experimentierens mit animiertem Make-up, Accessoires und Filtern auch nicht die Momentaufnahme, nach der sie aussieht. Viel mehr wird daraus eine kleine Fotolovestory aus Alltagssituationen, die die Welt um mich herum ein bisschen bunter zeigt.

Meitu treibt das Ganze auf die Spitze: Die chinesische Fotobearbeitungsapp, die es aktuell für Android und iPhone gibt, jagt nicht nur die Umgebung, sondern gleich das ganze Gesicht durch eine Art Meerjungfrauenfilter. Augen werden größer, Wangenknochen höher und die Haarfarbe so, wie man sie sonst nur auf Pinterest-Inspirationsboards sieht. The Verge bringt es mit „wie eine japanische Purikura-Photobooth, nur für dein Smartphone“ auf den Punkt.

Nach dem Meitu-Makeover bin ich auf einmal mein eigenes Emoji – niedlich, makellos und nur noch entfernt die Person, die mir normalerweise in der Selfiekamera entgegenblickt. Für die Gültigkeitsdauer einer Instagram Story ist das ganz lustig, mit der Realität hat das zugegebenermaßen aber nicht mehr viel zu tun.
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