#OscarsSoWhite: Warum die Oscars noch immer zu weiß sind

Photo: Daniel Zuchnik/Getty.
Nachdem in zwei aufeinanderfolgenden Jahren ausschließlich weiße Personen nominiert waren und der Hashtag #OscarsSoWhite noch lange über die Verleihung der Academy Awards von sich Reden gemacht hat, scheint die Veranstaltung in diesem Jahr nun endlich einen längst überfälligen Ton angeschlagen zu haben. Sieben nicht-weiße Schauspielerinnen und Schauspieler sind in diesem Jahr nominiert – eine Rekordzahl, die zum ersten Mal 2007 erreicht wurde. Sechs dieser Nominierten sind Afroamerikaner. Und zum ersten Mal in der Geschichte der Academy Awards sind drei afroamerikansiche Frauen in ein und derselben Kategorie nominiert: Octavia Spencer für Hidden Figures, Viola Davis für Fences und Naomie Harris für Moonlight.

Diese Veränderungen lassen sich durchaus als direkte, wenn auch verzögerte Konsequenz auf die öffentliche Empörung deuten, die April Reigns #OscarsSoWhite 2015 loslöste. Der Hashtag und die damit verbundene Rage wurde zusätzlich verstärkt, als die Oscar-Verleihung auch 2016 ausschließlich Weiße nominierte. Keinen einzigen Menschen mit latino, asiatischem, afrikanischem oder afroamerikanischem Hintergrund. Nach der Verleihung 2016 verpflichtete sich die Academy öffentlich dazu, klare, strategische Maßnahmen zu ergreifen, um die Aufstellung der Mitglieder zu diversifizieren. Heißt: Es soll eine buntere Mischung an Filmen, Regie- und Produktionsleuten, sowie Darstellern und Darstellerinnen zustande kommen. Hierfür könnten die diesjährigen Oscars ein erstes Anzeichen sein – aber eben nur ein erstes.

Viele halten #OscarsSoWhite nun für beendet, auf der anderen Seite finden sich jedoch nach wie vor kritische Stimmen, die sich jetzt noch von einer Frage geplagt sehen: Ist das alles? Sind sieben Nominierte gut genug? Meine Antwort: Wenn das das mögliche Maximum mit nur sieben Personen erreicht ist, nein, dann sind wir mit den Academy Awards noch lange nicht am Ende angekommen. Die Academy of Motion Picture Arts and Science, die die kleine, goldene Statue jährlich vergibt, gehört zur obersten Vorzeigeinstitution der Filmindustrie und hat somit nicht nur Beispielfunktion, sondern auch große Verantwortung inne.

Außerdem hatte sich ein weiteres Fiasko schon bei den Golden Globes abgezeichnet: Warum werden Filme, die von POC (people of color) produziert oder gespielt werden, in eine Schublade gesteckt – Stichwort: aus Hidden Figures und Fences, zwei unterschiedliche Filme mit einer mehrheitlich afroamerikanischen Besetzung, wurde mehrmals am Abend Hidden Fences. Wir sollten außerdem hinterfragen, warum die Hollywood-Elite in Denzel Washington ihren Alibi-Afroamerikaner gefunden zu haben scheint, der sich überholter Exzeptionalismuskonzepte bedient und der Meinung sei, man müsse nur hart genug arbeiten.

Denn ein Teil der Problematik um #OscarsSoWhite ist doch, dass untersucht werden soll, wer überhaupt erst Zugang zu Netzwerken und zur Ausbildung im Bereich Film und Theater hat. Welche Familien können es sich etwa leisten, Privatlehrer zu engagieren, damit die Kinder, wie etwa Emma Stone, nebenbei der Schauspielerei nachgehen können? Wer kann es sich leisten, einen Zweitwohnsitz abseits der Familie zu finanzieren, damit man in New York oder Los Angeles dem großen Traum nachgeht wie etwa Jennifer Lawrence?

Eine der meist verbreiteten Lügen aus Hollywood ist die, dass die Filmindustrie ein großer Freiraum mit gleichen Rechten, Chancen und Ressourcen für alle ist, und dass die Teilnahme eigentlich nur harte Arbeit und eine ordentliche Portion Glück dazugehören. Das entspricht schier nicht der Wahrheit – und genau das ist der Grund, warum #OscarsSoWhite auch in diesem Jahr weiterhin relevant bleibt.
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