Nach der Vergewaltigung an Münchner Uni fordern Studierende amerikanische Verhältnisse

Anna Sudit
Die Stimmung auf dem Campus ist eine andere, nachdem am Freitagnachmittag in München an der Ludwig Maximilians Universität eine 25-jährige Studierende auf der Damentoilette vergewaltigt wurde. Manche haben Angst, andere sind wütend. Der Täter, ein Student der Physik an der Technischen Universität, hat sein Geständnis abgegeben, sitzt in Untersuchungshaft – und währenddessen entfacht eine Diskussion über die Sicherheit an deutschen Universitäten. In das Gebäude der LMU darf man auch am Wochenende bis 23:00 Uhr, am Eingang sitzt zwar ein Pförtner, doch jeder kommt rein.

„Die Universität hatte immer etwas Schützendes. Ein Raum, in dem alle nur ans Lernen dachten. Und jetzt ist sie das nicht mehr", schreibt Sigrun auf der Facebookseite der Ludwig Maximilians Universität. „Der letzte Ort, den ich mir für so eine Schandtat vorstellen kann", kommentiert Selin. Auf Nachfrage erklärt uns ein Sprecher der Fakultät: „Wir werden die Konsequenzen, die aus der furchtbaren Tat an der LMU zu ziehen sind, mit der Polizei besprechen, damit sich auch weiterhin alle an der LMU sicher fühlen können."
Die Studierenden reden seit der Straftat ebenfalls von Maßnahmen. Laut der Facebook-Kommentare wünschen sich viele eine strenge Kameraüberwachung. Im zweiten Stock des Gebäudes, dort wo das Verbrechen geschah, gibt es nämlich keinerlei Apparate. „Wir diskutierten hier heute in meinem Büro, warum es in der LMU bei den Ein- und Ausgängen noch keine Videoüberwachung gibt, deren Aufnahmen bei Straftaten herangezogen werden. Eventuell sollte mal an dieser Stelle darüber nachgedacht werden", schreibt George und erntet damit Zustimmung. Viele pflichten ihm zu und äußern, dass sie sich zumindest Kameras an Ein- und Ausgängen wünschen. Manche gehen sogar so weit und fordern strenge Kontrollen wie in Amerika.

Wollen wir wirklich amerikanische Überwachungsverhältnisse?

Wir sprechen auch mit Soziologie-Studentin Laura, sie ist gegen mehr Kontrolle an ihrer Uni und findet es schön, dass die LMU ein freier Ort ist. „Wir haben hier die Denkstätte Weiße Rose, die an die Flugblatt-Aktion der Geschwister Scholl erinnert, das ist ein öffentlich zugänglicher Platz und das soll auch so bleiben. Ich glaube nicht, dass Beschränkungen und mehr Überwachungen Straftaten verhindern können", so die Münchnerin. Für sie bedeuten Kameras im gesamten Universitätsgebäude eine Einschränkung der Freiheit.

Viele Schulen, Universitäten und Hochschulen haben ihre öffentlichen Räume bereits mit Kameras ausgestattet – Datenschützer beschweren sich regelmäßig. In der Bibliothek, der Mensa oder den Toiletten verletzt das in der Tat die Persönlichkeitsrechte der Studierenden mehr als in den Kursräumen, die zum Lernen dienen.

Am Ende steht jedoch Sicherheit über Datenschutz. Oder nicht?
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