Wenn die Seele nach den Bergen ruft

Ich schlage die Augen auf, das Zirbenholz um mich herum wirkt warm und golden. Auch die Farben, die mein Blick durchs Fenster an diesem Morgen begrüßt, sind kraftvoll: Das Blau des Himmels, das Grau der Felsen, das Weiß des Schnees, das satte Dunkelgrün des Waldes im Tal. Ich bin in den Bergen, ganz weit oben, um ganz tief Luft zu holen.

Seit ich in Berlin wohne, ist mein Bedürfnis, in die Berge zu fahren, enorm. Raus aus der Stadt, rein in die Natur. Ein natürlicher Ausgleich zum Highlife, das sich hier Alltag nennt. Uns so bin ich losgezogen, um rauszufinden, warum mein Herz inmitten der Alpen ganz ruhig und gesund schlägt.

Ich befinde mich auf 1.050 Metern Höhe, bin umgeben von verschneiten Almwiesen, Wäldern und einer beeindruckenden Bergwelt. Das Logo des Vollholzhotels ziert einen kunstvoll geschwungenen Schriftzug: Natur ist Freiheit.

120 Millionen Menschen machen jedes Jahr in den Alpen Urlaub, die Outdoor-Industrie macht Rekordumsätze – und dabei sind es nicht die Ü40er, die wandern und in die Almhüten einchecken. Es sind auch die jungen Leute, die unter den Hashtags #bergliebe oder #derbergruft ihre Selfies auf dem Gipfel posten.
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Foto: Edith Löhle.

Back to basics?

Auch wenn wir das Handy nicht zuhause lassen, zieht es uns dennoch ins reale Erlebnis. Und wir akzeptieren Funklöcher und Kaffeehäuser ohne Wlan. Wir sehnen uns sogar so sehr danach. Raus aus der digitalen Blase, in der wir uns mittlerweile ohne Logout befinden. Es ist die Schnelllebigkeit, die Erreichbarkeit, die Globalisierung - alles was unser Leben so rasant und unecht gemacht hat, lockt uns jetzt in die Berge.

Die Berge sind Gegenpol zu unseren wenig planbaren Lebensentwürfen zwischen 20 und 30. Wir haben Stress, schon in der Schule, in der Uni, später im Job und brauchen Erholung. Einen Ausgleich, bei dem das Handy nicht alle fünf Minuten klingelt. Und dann spielt die Erinnerung auch noch eine große Rolle: Wer sich daran erinnern kann, glückliche Momente mit den Eltern beim Ski-Fahren oder Wandern gehabt zu haben, den zieht es als Erwachsener auch hier her. Nostalgie funktioniert auch bei der Auswahl des Urlaubsortes.

Landschafts-und Umweltpsychologen haben herausgefunden, dass wir uns nur dort entspannen, wo wir uns geborgen fühlen, sicher und beseelt. Aus diesem Grund zieht es Menschen, die im Flachland aufgewachsen sind, häufig ans Meer mit seiner scheinbar unendlichen Weite. Die, die wie ich in Süddeutschland oder eben im bergigen Land groß geworden sind, lieben vor allem die felsigen Höhen.

In einer Untersuchung der Universität im niederländischen Leiden kam heraus, dass wir bei Erschöpfung nach der Natur suchen, dass wir draußen nach Antworten und Wegweisung suchen: Landschaften spiegeln unsere Bedürfnisse wider. Laut der Wissenschaftler suchen wir etwa am Meer nach neuen Abenteuern. Das Wasser symbolisiert durch die ständige Bewegung die Veränderung, nach der wir uns sehnen. Die Berge beruhigen uns in ihrer Beständigkeit. Ist das Leben aufregend und wir brauchen einen Moment der Entschleunigung, dann helfen die Felsen.

Foto: Edith Löhle.
Ich bin im Team Berge, die Gesundheit dankt

Dass idyllische Landschaften therapeutisch sind, wussten schon die chinesischen Tao-Philosophen vor 2000 Jahren. Sie legten Gärten an, um die Gesundheit positiv zu beeinflussen. Und die Berge sind der besondere Gesundheits-Boost:

Die Luft über 1500 Meter ist rein, für Allergiker ein Traum. Auch die ultraviolette Strahlung und die Temperaturschwankungen stärken unser Immunsystem. Es ist medizinisch belegt, dass unser Stresslevel hier sinkt und auch der Blutzucker-Stoffwechsel wird besser, es bilden sich mehr rote Blutkörperchen. Wandern in den Bergen stärkt das Herz-Kreislauf-System und senken den Bluthochdruck.

Man könnte gut eine Doktorarbeit über Benefits der Berge schreiben, so viele Studien gibt es. Die Stadt Salzburg erforschte die positiven Folgen von Wandern in den Bergen auf unseren Seelenzustand: Selbstwert, Schlafqualität, Appetit, Depressionen – all die Alltagsdämonen soll regelmäßiges Wandern auf Trapp halten.

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