Hört auf, euch darüber zu beschweren, dass Capri-Sonne jetzt Capri Sun heißt

Wenn sich Menschen gegenseitig bei Twitter mobilisieren, um gemeinsam gegen eine Entscheidung zu wettern, steckt nicht zwingend Donald Trump dahinter. Nein, manchmal ist der Grund viel profaner: Capri-Sonne, ein baden-württembergisches Urgestein mit Nostalgiefaktor, wird auch in Deutschland künftig nur noch als Capri Sun vermarktet.
„Die Vereinheitlichung des Namens ist eine logische Konsequenz. Verbraucher sind weltweit unterwegs, Sprachbarrieren schwinden, Kommunikation geht über Grenzen hinweg“, erklärte Julia Savas-Butz, Unternehmenssprecherin der Deutschen SiSi-Werke in Eppelheim laut Spiegel Online der Nachrichtenagentur dpa zur Entscheidung. Auch wenn dem Hersteller die Entscheidung nicht leicht gefallen wäre, sei sie doch ein notweniger Schritt.
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Ein Beschluss, der sich für viele Verbraucher so anfühlt, als würde man das liebste Kinderfoto aus dem Sommer von damals vor ihren Augen aus dem Album reißen und es langsam in Stücke reißen. Doch warum ist die Aufregung so groß – vor allem, weil sich das englische Wort von der deutschen Version quasi kaum unterscheidet?
Veränderung schmerzt besonders, wenn sie mit unserem gewohnten Wortschatz zu tun hat. Anglizismen gelten als Eindringlinge, weil man sie gerne spricht, aber sich aber meist zurückhält, sobald es darum geht, sie zu schreiben. Da wir die Worte tagtäglich geschrieben vor uns sehen, fällt es uns schwer, zu akzeptieren, dass Sprache nicht fix ist, sondern im Fluss, erklärt der Linguist und Professor John McWhorter von der Columbia University.
Er spricht mit Hidden Brain-Podcast-Moderator Shankar Vedantam in der Episode Slanguage über den Wandel von Sprache und warum sich alles, was die Jugend sagt, so dramatisch falsch anfühlt. Statt in Nostalgie zu schwelgen, müssen wir uns darüber im Klaren sein, dass auch die Art, wie wir Worte gerade benutzen, nichts weiter als ein Trend ist.
Anglizismen irritieren uns also, weil sie nicht im Duden stehen. Trotzdem würde generell natürlich niemand wollen, dass sich moderne Sprachen, die wir heute selbstverständlich nutzen, nicht entwickelt hätten. McWhorter vergleicht das Ganze im Podcast mit einem Foto, das eine Person von uns in einer Phase unserers Lebens von uns schießt – und immer darauf verweist, dass genau dieses Bild das sei, was uns ausmachen würde, obwohl in der Zwischenzeit alles Mögliche passiert sein kann. Jede Veränderung würde einem sogar eher zum Vorwurf gemacht: „Wieso bist du nicht noch so wie damals?“
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Dazu kommt laut McWhorter ein ganz einfacher, sozialer Faktor. Angenommen, eine Tendenz in der Natur des Menschen würde es genießen, sich hin und wieder über andere zu erheben – wäre die falsche Verwendung von Sprache dann nicht die ideale Möglichkeit, weil es für den Bildungsbürger ausgeschlossen ist, das über andere Faktoren wie das Geschlecht oder das Aussehen zu tun?
Im Fall Capri-Sun kommt beides zusammen: Unser „Früher war alles besser“-Instinkt trifft auf Anglizismen, die uns sonst vor allem begegnen, wenn jemand, der den 20. Geburtstag noch nicht gefeiert hat, mal wieder on fleek oder einfach nur hart am been ist.
Deshalb ist der Impuls, ein Calm down your life diggi in die Capri-Sun-Diskussion zu schleudern, alles andere als verwerflich. Das Produkt existiert weiterhin und wenn aus fünf Buchstaben auf einmal drei werden, zerstört das nicht gleich jede Kindheitserinnerung.
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