Wie die Oscars zeigen, dass das Hollywood-Happy-End tot ist

FOTO: David Fisher/REX/Shutterstock
Achtung, Spoiler: Wer La La Land noch nicht gesehen hat, sollte an dieser Stelle lieber hier weiterlesen.
Emma Stone und Ryan Gosling zeigen im meistdiskutierten Film der diesjährigen Oscars, was passiert, wenn sich zwei Träumer in der Traumfabrik verwirklichen.
Am Ende haben Jazzpianist Sebastian und Schauspielerin Mia erreicht, was sie wollten, allerdings ohne einander. La La Land macht kurz vor dem Ende der vielversprechenden Liebesgeschichte einen Zeitsprung nach vorne. Die Situation sieht genauso aus, wie man sie sich mit Popcorn in der Hand und Herzchen in den Augen vorgestellt hat. Dazu laufen die vertrauten Pianoklänge. Dann steht Mia auf und verlässt die Szenerie mit ihrem Ehemann – und nicht Sebastian.
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Szenenwechsel. Auch auf der Bühne der 89. Academy Awards im Dolby Theatre in Los Angeles steht ein berühmtes Pärchen, das die Oscars-Erfolgsgeschichte um La La Land perfekt machen soll. Für wenige Minuten ist sie das auch: Die Laudatoren Warren Beatty und Faye Dunaway verkünden das ergebnis. Damit ist Damien Chazelles Erfolgsfilm offiziell Oscar-Gewinner. Alles scheint perfekt – bis sich herausstellt, dass die Bonnie & Clyde-Stars den falschen Umschlag mit auf die Bühne genommen haben und stattdessen Moonlight ausgezeichnet werden sollte.
Ein Gefühl, das dem La La Land-Zuschauer bekannt vorkommen dürfte. Schließlich wünschte man sich nach gut zwei Stunden im Kino nichts mehr als ein klischeehaftes Happy End, das der doch eigentlich perfekten Hauptdarstellerin ein Leben mit dem doch eigentlich perfekten Hauptdarsteller ermöglicht. Im besten Fall glücklich und zufrieden.
Dass Zufriedenheit und Glück aber so fragil sind wie eine mobile Datenverbindung in einem Tunnel, erzählt Hollywood nicht. Mia und Sebastian in zehn Jahren beim Geschirrspüler einräumen zuzusehen fände ich weitaus spannender als eine Hochzeit. Natürlich hätte man La La Land gegönnt, die 14 Oscars-Nominierungen in so viele Trophäen wie möglich umzuwandeln – und doch fühlt es sich gar nicht ganz so ungerecht an, wenn dem Mainstream-Hit ein Hauch Fame aberkannt wird, wenn ein Film wie Moonlight stattdessen weltweit die Aufmerksamkeit bekommt, die er verdient.
Vielleicht das große Finale von La La Land – auf der Kinoleinwand und in der Realität – das beste Beispiel dafür, dass klischeehafte Happy Ends gar nicht die Enden der Geschichten sind, die wir 2017 erzählt bekommen möchten. Heißt das, dass wir unsere Träume aufgegeben haben? Nein. Wir geben uns nur nicht mit der wahrscheinlichsten Variante zufrieden – und nehmen dafür in Kauf, ein bisschen Gefühlsachterbahn fahren zu müssen. Das große Hollywood-Happy-End ist tot, damit endlich gute Geschichten erzählt werden können.
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