Warum ich in Berlin aus tiefster Überzeugung mit Buhrufen gegen Ivanka Trump demonstrierte

Foto: Sean Gallup/Getty Images.
Hallo, ich bin die Journalistin Beate Wedekind, als Mentorin widme ich mich seit vielen Jahren dem Thema Stärkung von jungen Frauen – gestern ist mir beim W20 Frauengipfel der Kragen geplatzt:
Ja, auch ich finde, dass es ein geschickter Schachzug der Bundeskanzlerin war, Ivanka Trump zum W20 Frauengipfel nach Berlin einzuladen. Nie zuvor hat eine Frauenkonferenz in Deutschland soviel Beachtung gefunden - die Medien und Social Media überschlagen sich ja schier mit Kommentaren und Berichten über diese junge Frau.
Ja, auch ich finde, dass es ein Armutszeugnis ist, dass es den Auftritt dieser kontroversen Figur bedarf, damit eine Konferenz, die sich über Strategien berät, wie die Gleichberechtigung und die Chancen von Frauen in der globalen Wirtschaft und bei den Politikentscheidern der G20-Staaten besser verankert werden können.
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Nein, ich finde nicht, dass Ivanka Trumps vier, fünf magere Beiträge während der höchstkarätig besetzten Podiumsdiskussion auch nur irgendetwas Produktives beigetragen haben. Eine Floskel nach der anderen, Loblieder auf ihren Vater, den Freund der Frauen, der Tausende Mal als Unternehmer bewiesen hat, dass er Frauen auf vielfältige Weise fördert. Sie hat teils so dick aufgetragen, dass wir, das Publikum, das mit Buhrufen quittierten.
Ja, ich habe aus tiefster Überzeugung mitgebuht, kann sein, sogar am lautesten. Gar nicht mal so sehr über das, was Ivanka sagte, sondern dass sie sich tatsächlich erdreistete, das Panel und die Konferenz zu solch platten Werbesprüchen für ihren Vater zu missbrauchen.
Ja, ich fand es geradezu peinlich und schädlich für die Akzeptanz der Konferenz, wie die Anwesenheit der First Daughter die Aufmerksamkeit von den wichtigen Anliegen von W20 ablenkte und von den anderen, viel kompetenteren und spannenderen Teilnehmerinnen.
Zum Beispiel von der jungen afrikanischen Technologie-Unternehmerin Juliana Rotich aus Kenia, die sich leidenschaftlich dafür einsetzt, dass das Potenzial von Frauen in Entwicklungsländern endlich wahrgenommen wird.
Zum Beispiel von der die kanadischen Außenministerin Chrystia Freeland, die als Journalistin u.a. das US-Büro der Financial Times leitete.
Zum Beispiel von der holländischen Königin Maxima, die vor ihrer Heirat eine erfolgreiche international arbeitende Bankerin war und die bei W20 eben nicht als Royal auftrat, sondern als Delegierte des UN-Generalsekretärs für Finanzierungsfragen in der Entwicklungspolitik und mit ihren Beiträgen die Diskussion bereicherte.
Inhaltlich fand ich am wichtigsten, dass die Bundeskanzlerin, die dieses Jahr die Präsidentschaft der G20 inne hält, einen internationalen Finanzfonds zur Förderung von Frauen in Entwicklungsländern gründen will (und wird, da bin ich sicher): Der soll bei der Weltbank angesiedelt sein und dort mit Fördermitteln aus diversen Quellen (öffentlichen, privaten und institutionellen) angelegt und fortlaufend aufgestockt werden. Eine Panel-Teilnehmerin, Unternehmerin Nikola Leibinger-Kammüller (Trumpf) bot sich spontan an, in der deutschen Wirtschaft für den Fonds zu werben. IWF-Chefin Christine Lagarde forderte alle Staaten auf, für mehr Gleichberechtigung auf dem Arbeitsmarkt zu sorgen.
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Mein Höhepunkt gestern: Definitiv der Schlagabtausch zwischen der hervorragenden Moderatorin Miriam Meckel (Herausgeberin der Wirtschaftswoche) Angela Merkel, den anderen Frauen auf dem Podium, und einem begeisterten Publikum:
Fragt die Moderatorin die Bundeskanzlerin: „Sind Sie Feministin?“
Angela Merkel, nach mehreren abwägenden Sätzen über ihre eigene Sozialisation: „Ich möchte mich nicht mit der Feder des Feminismus schmücken.“
Königin Maxima: „Ich denke, eine Feministin ist jemand, der möchte, dass alle Frauen die Chance haben, glücklich und stolz auf sich selbst zu sein.“
Angela Merkel mit verschmitztem Lächeln: „Dann bin ich auch eine.“
Foto Beate Wedekind
Beate Wedekind mit der Google-Deutschland-Repräsentantin Annette Kroeber-Riel
Ein Kommentar vom W20-Frauengipfel von Beate Wedekind, die an der 2-tägigen Konferenz teilnimmt. Die Journalistin war u.a. Gründungschefredakteurin der deutschen ELLE und Chefredakteurin von Bunte. Mehr über die Konferenz postet sie in die Facebook-Gruppe WE_NOW, in der sie um 21:30 Uhr auch einen LIVE-Talk von der W20-Konferenz sendet.https://www.facebook.com/groups/wenow.wwwedekind/
Die W20-Konferenz ist eine der Vorkonferenzen des G20-Gipfels der 20 wichtigsten Industrienationen der Welt, der Anfang Juli in Hamburg unter der Präsidentschaft von Bundeskanzlerin Angela Merkel stattfindet. U.a. treffen sich dort auch Donald Trump und Wladimir Putin.
Merkel hat das Thema Gleichberechtigung von Frauen ganz oben auf die Agenda von G20 gesetzt und im Vorfeld den Verband Deutscher Unternehmerinnen und den Deutschen Frauenrat mit der Konzeption und Organisation der W20-Konferenz beauftragt. http://www.w20-germany.org/de/
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