Aus diesen hohlen Gründen warnt ein Portal Homosexuelle vor dem Oktoberfest

Illutsration: Anna Sudit
Das größte Volksfest der Republik ist in vollem Gange, da sorgte eine News gestern für Gesprächsstoff und Diskussionen im Netz. Das Internetportal oktoberfestportal.de hatte auf seiner Website Warnungen für Homosexuelle veröffentlicht, die das Oktoberfest zeitnah besuchen wollen. Im genauen Wortlaut ist dort folgendes nachzulesen: „Nicht jeder Besucher des Oktoberfests ist so tolerant, dass er sich über schwule Männerpaare freuen kann“. Weiter wird empfohlen, dass Schwule und Lesben sich deshalb lieber zurücknehmen sollten, denn „Das Bierzelt ist jedenfalls nicht der richtige Ort, um den Menschen Begriffe wie ‚Toleranz‘ und ‚Gleichberechtigung‘ zu erklären.“
Das hatte nicht nur in der Szene, sondern auch bei Politikern für Empörung gesorgt. Die Grünen-Politiker*innen Volker Beck und Gudrun Lux wandten sich deshalb umgehend mit einem Brief an den Münchner Oberbürgermeister Dieter Reiter. Sie kritisierten die Tatsache, dass es laut der Website für Homosexuelle offenbar nicht möglich sei, sich gefahrlos auf das Volksfest zu begeben. „Die Wiesn ist ein großes ausgelassenes Fest. Da sollen alle Menschen mitfeiern können, ohne sich verleugnen zu müssen. Die Landeshauptstadt muss sich da ganz aktiv einklinken und alles tun, dass es eine sichere und freie Wiesn für alle gibt“ sagte Lux gegenüber der tz München.
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Die Website ist eines von vielen Portalen, auf dem regelmäßig Tipps rund um das Oktoberfest bereit gehalten werden. Es handelt sich jedoch nicht um die offizielle Internetpräsenz der Wiesn. Das ist auf den ersten Blick allerdings nur schwer ersichtlich. Der Betreiber dieser und anderer Websiten, Michael Caravitis, hatte auf Nachfrage, warum man solche Tipps überhaupt veröffentliche, nur geantwortet, dass er keinen Überblick über die auf seinen Portalen publizierten Inhalte habe. Grundsätzlich sei er aber froh darüber, wenn über Schwule auf der Wiese diskutiert würde. Aha.
Zur Erinnerung: Wir schreiben das Jahr 2017. Man sollte weder noch darauf hinweisen müssen, dass die Wiesn ein Fest für ausnahmslos alle ist, noch irgendwelche Tipps bezüglich des Verhaltens von Homosexuellen aussprechen. Denn genau das ist schlichtweg bereits eine Form von Diskriminierung. Und ja: Auch Bierzelte sollten Orte sein, an denen Toleranz und Gleichberechtigung gelebt wird.
Am vergangenen Sonntag, der sich über Jahre hinweg mit vielen Veranstaltungen als Gay Sonntag auf dem Fest etabliert hat, feierten wieder hunderte Homosexuelle aus ganz Europa ausgelassen und friedlich zusammen. Zwischenfälle gab es nach Informationen des Betreibers keinen einzigen. Just sayin!
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