Diese Komödie um drei Großstadtgören beleuchtet die Probleme der Millennials

Gute Filme, die das Lebensgefühl unserer Generation auf kluge und witzige Weise einfangen, gibt es nach wie vor viel zu selten. Vielleicht auch, weil es nur äußerst schwer gelingt in 90 Minuten einzufangen ist, was junge Menschen heute wirklich bewegt. Im amerikanischen TV haben Serien wie „Sex and the “ oder Lena Dunhams „Girls“ dies gewagt, um die Lebenswirklichkeiten junger Frauen abzubilden – wie realistisch diese Inszenierungen allerdings wirklich waren, sei nun einmal dahin gestellt. Aber die Formate haben es immerhin geschafft, ein millionenfaches Publikum vor den Bildschirm zu locken, weil sie auf unterschiedliche Weise ein Stück Zeitgeist eingefangen und mutige Themen oder Tabus angesprochen haben, die Frauen in unserer heutigen Gesellschaft beschäftigen.
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Die Regisseurin Irene von Alberti hat nun den Versuch unternommen, eine moderne und intellektuell anspruchsvolle Geschichte für das deutsche Kino zu erzählen. Im Mittelpunkt ihres Films „Der lange Sommer der Theorie“ stehen dir drei kessen Großstadtgören Katja (Schauspielerin), Martina (Fotografin) und Nola (Filmemacherin). Gemeinsam leben die Künstlerinnen in einer WG „im letzten Haus im Niemandsland“ hinter dem neuen Berliner Hauptbahnhof. Voraussichtlich aber nicht mehr lang, denn im Zuge der immer weiter voranschreitenden Gentrifizierung muss ihre Wohnung wohl bald der geplanten Europacity weichen. Das macht ihre ohnehin schon prekäre Lebenslage, weil Jobs in der Kreativbranche bekanntlich schlecht bezahlt werden, nicht besser.

Wem gehört die Stadt?

Im Zentrum steht Nola (Julia Zange), die gerade einen Film über Theorie und wie man sie heute nutzen kann, dreht. Dafür interviewt sie Soziologen*innen, Historiker*innen, Kulturschaffende und Theoretiker*innen und rennt jeden Tag von A nach B. Dabei immer im Hintergrund: die Baustellen-Landschaft Berlins. Die deutsche Hauptstadt scheint verkauft bis auf den letzten Quadratmeter. Die Fotografin Martina (Martina Schöne-Radunski) hingegen hat es Leid, sich mit einem aufdringlichen Kurator rumzuschlagen und zieht es daher vor, sich auf der Bühne die Seele aus dem Leib zu schreien. Und auch bei Katja (Katja Weiland) will es mit der richtigen Filmrolle nicht so recht klappen, stattdessen vermietet sie Wohnungen an Touristen, von denen die Stadt regelrecht überflutet wird.
Die Regisseurin widmet sich mit klugen Dialogen und witzigen Wortcharme den Themen unserer Zeit. Es geht um Feminismus, Selbstverwirklichung, Sexismus, den öffentlichen Raum, Gentrifizierung, aber auch Theorie und Praxis. Wer allerdings erwartet, dass dieser Film die eine richtige Antwort auf all unsere Probleme gibt, den müssen wir enttäuschen. Vielmehr lotet er unterschiedliche Richtungen aus und stellt jede Menge neue Fragen. Den drei jungen und frechen Frauen dabei zuzuschauen, ist aber ein Heidenspaß.
„Der lange Sommer der Theorie“ ist seit dem 23. November im Kino zu sehen. In welchen Häusern er gespielt wird, erfahrt ihr hier. Einen Vorgeschmack gibt es jetzt schon im Trailer:
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