Warum reden wir nicht über Fehlgeburten, wenn es so viele Frauen betrifft?

Foto: Alexandra Gavillet, Ashley Armitage
Das frühzeitiges Ende einer Schwangerschaft ist für viele Paare und insbesondere die betroffene Frau eine unangenehme Erfahrung, die Schmerz und Trauer nach sich zieht. Während für manche Familien der vorerst unerfüllte Kinderwunsch kaum erträglich ist und Anlass zum Rückzug in die Einsamkeit ist, gehen andere „lockerer“ damit um und sehen optimistischer in die Zukunft.
Auffällig ist, dass viele Betroffene gar nicht oder nur selten über den Verlust eines Kindes sprechen, manchmal nicht einmal mit den engsten Vertrauten. Dafür kann es natürlich viele Gründe geben. Jeder verarbeitet ein Erlebnis wie dieses anders und muss schussendlich selbst entscheiden, wann, wem und ob er davon erzählt. Eine Fehlgeburt sollte aber niemals aus Angst vor gesellschaftlicher Ablehnung, Zurückweisung oder Stigmatisierung verschwiegen werden müssen, denn das führt dazu, dass betroffene Familien in ihrer Trauer allein gelassen werden. Womöglich sogar die Schuld bei sich selbst oder in irgendeinem Fehlverhalten ihrerseits suchen. Hinzu kommen Ängste, dass man eventuell nicht in der Lage sei, ein gesundes Kind zur Welt zu bringen.
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„Eine Laune der Natur“

Oftmals fällt erst im Gespräch mit anderen auf, wieviele Frauen ebenfalls schon eine Fehlgeburt erlebt haben, dass man nicht allein ist. Ärzte bestätigen, dass Fehlgeburten viel häufiger vorkommen als wir gemeinhin annehmen. Man geht mittlerweile sogar davon aus, dass fast jede dritte Schwangerschaft in einer Fehlgeburt endet. Die Dunkelziffer soll noch viel höher liegen, weil viele Schwangere einen Abgang des Phötus in den ersten Wochen nicht einmal bemerken. Eine offizielle Statistik gibt es aktuell nicht.
Trotzdem: Frauen müssen über die Häufigkeit von Fehlgeburten besser aufgeklärt werden. Sie müssen wissen, dass sie keine Schuld daran haben, sondern eine Fehlgeburt zumeist eine „Laune der Natur“ ist. Frauen müssen wissen, dass sie auch nach einer Fehlgeburt die Chance auf ein gesundes Kind nicht vertan haben und dass sie über ihren Verlust und den Schmerz reden dürfen, wenn sie denn wollen. Gerade in den ersten Wochen einer Schwangerschaft ist die häufigste Ursache für einen natürlichen Abbruch einer Schwangerschaft eine genetische Störung, die die Verschmelzung der Chromosomen verhindert.

Fehlgeburten dürfen kein Tabu-Thema mehr sein

Um dem Thema Fehlgeburt eine größere Sichtbarkeit zu geben und weiter zu enttabuisieren, hat Julia Stelzner die Plattform Das Ende vom Anfang ins Leben gerufen. Hier berichten Frauen jeden Alters über ihre Fehlgeburten. Sie erhalten hier Raum, um zu sprechen, über ihre Gefühle, ihren Schmerz, aber auch ihre Hoffnungen.
Meinungen und Ratschläge von Ärzten und Hebammen runden das Informationsangebot ab. Wusstet ihr zum Beispiel, dass man auch bei einer Fehlgeburt Kassenanspruch auf eine Hebamme hat? Schaut mal vorbei, die Seite ist ein wichtiger Beitrag auf dem Weg hin zu einem natürlichen und vorurteilsfreien Umgang mit Fehlgeburten in unserer Gesellschaft. Denn wie es bereits an anderer Stelle gesagt wurde: Die Fehlgeburt gehört zum Kinderkriegen dazu.
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