Der Fall Dieter Wedel bringt #MeToo in die Heimat & darum ist das wichtig

Foto: Gisela Schober
Es ist soweit, mit den jüngsten Anschuldigungen gegen Dieter Wedel wird der erste prominente Deutsche der sexuellen Belästigung beschuldigt. Nach den Vorwürfen gegen Harvey Weinstein, Louis C.K. und Kevin Spacey, um nur ein paar der vielen Beschuldigten in Hollywood zu nennen, haben sich jetzt erstmals drei deutsche Schauspielerinnen zu Wort gemeldet. Ihren Aussagen zufolge soll der Regisseur und Drehbuchautor sie in den 90er-Jahren zum Sex gezwungen haben. Jany Tempel und Patricia Thielemann trauten sich, namentlich und mit eidesstattlicher Versicherung in einem Bericht des aktuellen Zeit Magazins zu erscheinen, ein weiteres mutmaßliches Opfer möchte lieber anonym bleiben. Wedel kann nicht mehr strafrechtlich verfolgt werden, da die Vorwürfe gegen ihn verjährt sind, diskutiert wird natürlich trotzdem und ich glaube, dass das gut ist, denn nur das Ausgesprochene kann Veränderungen bringen.
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Natürlich gab und gibt es solche Übergriffe auch in Deutschland und das Beispiel Wedel ist sicher nur die Spitze des Eisbergs. Schauspielrollen, Plattenverträge, Popularität und Aufstieg jeglicher Art wurden und werden stets traurigerweise gegen ungewollte sexuelle Handlungen ausgetauscht. „In dieser Stadt gibt es eine ganze Menge Missbrauch", sagt auch Judd Apatow („Bridesmaids"). Weinsteins Ruf war ein offenes Geheimnis, wie es so unschön heißt. Ist es nicht eher eine Krankheit, von der nicht nur die Stadt des Glitzers und Glamours infiziert ist? Wo es Macht und Rangordnung gibt, gibt es auch diese Art von Vorfällen, sicher auch mit umgekehrten Geschlechterrollen, das möchte ich gar nicht leugnen. Natürlich auch in Deutschland, natürlich auch in Berlin und natürlich auch in der Kleinstadt am Rhein, egal auf welcher Ebene.
Personen wie Weinstein, Wedel oder eben Müller-Meier-Schulze gibt es genauso in der Postfiliale um die Ecke, im Turn- und Sportverein oder im Büro in der Innenstadt und eben nicht nur in Hollywood mit Drogen, Milliardären und Filmproduktionen. Deswegen gibt es auch überall #MeToo-Opfer. Und wenn das erste populäre deutsche Beispiel aus dem Showbusiness nur dafür sogt, dass jede*r Chef*in, Abteilungsleiter*in, Regisseur*in, Chefredakteur*in und auch jede*r Arbeitssuchende sein und ihr Verhalten anderen Menschen gegenüber vor der Ausführung hinterfragt, kurz innehält und überlegt ob der Spruch, der einem auf den Lippen liegt, der Tatscher an die Hüfte oder die Einladung ins Hotelzimmer wirklich von allen Involvierten gewollt ist, hat die echte und die Glitzer-Welt eventuell noch die Chance dazu, ein besseres Plätzchen zu werden.
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