Mit diesem Fotoprojekt protestieren junge Iranerinnen still gegen den Kopftuchzwang

Kaum ein Kleidungsstück bringt die gesellschaftlichen Probleme so sehr auf den Punkt wie das Kopftuch. Während es für die einen Religionszugehörigkeit demonstriert, ist es für andere Symbol der Unterdrückung. Beide Ansichten finden ihre Berechtigung, da sie auf dementsprechende Lebenswelten stoßen.
Im Iran herrscht seit der Islamischen Revolution 1979 Kopftuchzwang für alle Frauen – insbesondere dann, wenn sie sich in der Öffentlichkeit bewegen. Aufreizende Kleidung, Make-up und Nagellack sind verboten. Wer gegen die Gesetze verstößt, muss mit Bestrafungen oder Belehrungen rechnen. Trotzdem gibt es immer mehr junge Frauen, die sich dem Regime widersetzen. Sie „lockern“ das Kopftuch, tragen knallbunte Hijabs, High Heels und enge Jeans. Was für viele Frauen ganz normal scheint, sind für Iranerinnen kleine Gesten der Rebellion, mit denen sie ihre Freiheit ausreizen – so weit es eben geht.

Junge Iranerinnen protestieren gegen Kopftuchzwang

Im Rahmen der jüngsten Proteste im Iran, bei denen Tausende, angetrieben durch wirtschaftliche Sorgen und aus Wut auf das repressive politische System, auf die Straßen gingen, wurden junge Iranerinnen zum Symbol für den Kampf um Freiheit und Selbstbestimmung. In immer größerer Zahl versammeln sich die Kopftuchgegnerinnen regelmäßig, um gemeinsam gegen die Zwangsverschleierung zu demonstrieren – und setzen damit durchaus ihr Leben aufs Spiel. Via Facebook und Twitter gehen Bilder von Frauen um die Welt, die ihre weißen Kopftücher abnehmen und zu Flaggen des Protests umfunktionieren, sich gegen Ungleichheit und Diskriminierung wehren.
Die niederländische Fotografin Marinka Masséus hat genau diesen Frauen eine ganze Fotoserie gewidmet, allerdings schon lange vor den aktuellen Protesten. Für das Projekt My Stealthy Freedom ist Masséus in den Iran gereist, um junge Frauen in einem abgeschlossenen Apartment in Teheran, unter Ausschluss der Öffentlichkeit zu fotografieren. Vor der Kamera der Fotografin nehmen die Protagonistinnen ihr Kopftuch ab. Behutsam und ohne dabei ihr komplettes Gesicht zu zeigen, denn sie begehen eine Straftat. Sie spielen mit ihren Schleiern, unter denen vorsichtig ihre Haarpracht hervortritt – mal lang, mal kurz, mal bunt gefärbt.
Masséus Fotoprojekt ist an die My Stealthy Freedom -Bewegung angelehnt, die von der Aktivistin Masih Alinejad ins Leben gerufen wurde und Frauen dazu ermutigen soll, ihr Kopftuch abzulegen, wenn sie es nicht tragen wollen. Alinejad fordert ausländische Besucherinnen ausdrücklich dazu auf, kein Kopftuch zu tragen, um die Frauen im Iran zu unterstützen.

Iranerinnen werden zum Symbol für den Kampf um Freiheit und Selbstbestimmung

Marinka Masséus hat die Momente des Entschleierns in einer kunstvoll inszenierten Porträtserie festgehalten, die ein starkes Plädoyer für Selbstbestimmtheit und Freiheit sind. Wir zeigen euch die Bilder und anonymen Statements der Protagonistinnen in der Slideshow.
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