Was hat sich seit dem Women's March 2017 getan?

21. Januar 2017. Der erste Tag nach Trumps Amtseinführung. Eine halbe Million Menschen versammeln sich in Washington D.C., um gegen den neuen, nun tatsächlich amtierenden, Präsidenten Donald Trump, vor allem aber proaktiv für Frauen- und Menschenrechte zu demonstrieren. In etlichen amerikanischen Städten und weltweit solidarisieren sich Menschen in Protestmärschen, den so genannten Sister Marches. Initiiert wurden die Veranstaltungen direkt nach der Präsidentschaftswahl 2016 über Facebook von der Hawaiianerin Teresa Shook, die sich zuvor öffentlich über die rassistischen und polarisierenden Auftritte des zukünftigen Präsidenten empörte. Gemeinsam mit fünf weiteren Frauen hat sie den ersten sogenannten Women's March organisiert.

Was hat sich seit dem Women's March getan?

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Auch ein Jahr danach gingen die Menschen wieder massenweise auf die Straße, um lautstark auf soziale Ungleichheiten aufmerksam zu machen. Schließlich gibt es noch viel zu tun. Trotzdem: Wir wollen wir an dieser Stelle einmal kurz innehalten und Revue passieren lassen, was sich seit dem ersten Women's March 2017 getan hat. Und siehe da – es gibt jede Menge kleine, aber auch große Erfolge, die zu mehr Gleichberechtigung weltweit beitragen.

1. #EhefürAlle in Deutschland

Am 30. Juni 2017 beschließt der deutsche Bundestag nach jahrzehntelangen Debatten, die Ehe auch für gleichgeschlechtliche Paare zu öffnen. SPD, Linke und Grüne stimmten für eine Gesetzesänderung, ebenfalls Teile der CDU/CSU. Die Ehe für alle war ein längst überfälliger Schritt in Richtung Gleichberechtigung und wird homosexuellen Ehepaaren die Adoption möglich machen.

2. #MeToo & #TimesUp

Aus dem Hashtag #MeToo, der erstmals in Verbindung mit Vergewaltigungsvorwürfen gegen den Hollywood-Produzenten Harvey Weinstein auftauchte, hat sich eine bisher beispiellose Bewegung entwickelt. Weltweit haben Tausende von Menschen, insbesondere Frauen, ihr Schweigen gebrochen und endlich öffentlich über sexuelle Belästigungen und Gewalt gesprochen. Die Folge: Mittlerweile wird ein ganzes System in Frage gestellt. Nach #MeToo folgten weitere Aufrufe, wie etwa die Initiative #TimesUp, die daran erinnern, dass jetzt konkrete Maßnahmen ergriffen werden müssen, damit sich künftig etwas ändert. Die Zeiten des Wegschauens und Abwarten sind nun wohl endgültig vorbei.

3. Lohngleichheit in Island

Die isländische Regierung hat per Gesetz verboten, dass Frauen und Männer für die gleiche Arbeit ungleiche Löhne erhalten. Bis zum Jahr 2022 will der Staat den bestehenden Gender Pay Gap vollständig abbauen. Damit ist Island Vorreiter, weil es als erstes Land der Welt gesetzlich faire Löhne vorschreibt.
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4. Einführung eines dritten Geschlechts in Deutschland

Das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe beschließt im November 2017 die Anerkennung eines dritten Geschlechts im deutschen Geburtenregister. Die Richter gaben einer intersexuellen Klägerin Recht und begründeten ihr Urteil damit, dass auch die Persönlichkeitsrechte von Menschen, die nicht den geschlechtlichen Identitäten „männlich“ oder „weiblich“ angehören, geschützt werden müssen.

5. Fehlgeburten in Argentinien sind nicht mehr strafbar

Im März 2017 wurde der Fall der 27-jährigen Belén prominent, die auf Grund einer Fehlgeburt vom Obersten Gerichtshof zu einer Gefängnisstrafe von 8 Jahren verurteilt wurde. In Argentinien herrscht eines der strengsten Abtreibungsverbote der Welt, das offenbar auch Fehlgeburte betrifft. Trotzdem legt die junge Frau Berufung ein, woraufhin sich auch Amnesty International einschaltet. Belén wurde freigesprochen, was als großer Erfolg für die allgemeine Verbesserung der Menschenrechte in Argentinien verbucht werden kann.

6. Kanada bekommt eine gender-neutrale Nationalhymne

Premierminister Justin Trudeau legt in seiner politischen Arbeit großen Wert auf Gender Equality. Unter seiner Führung wurde gerade verabschiedet, dass die kanadische Nationalhymne O Canada gender-neutral umgeschrieben wird. Statt „Söhne“ heißt es in der neuen Version nun „uns alle“. Auch in Deutschland wird aktuell diskutiert, ob der Text der Nationalhymne umgeschrieben wird. Der Vorschlag stößt jedoch noch auf großen Widerstand.

7. In Saudi Arabien dürfen Frauen Auto fahren

Das konservative saudische Königshaus beschließt 2017 unter Führung von Mohammed bin Salman, dass Frauen zukünftig eine Fahrerlaubnis erhalten dürfen. Mehrere Jahrzehnte lang hatten Frauen dafür gekämpft, dass sie selbstständig am Steuer sitzen und fahren dürfen. Saudi Arabien ist tatsächlich das letzte Land der Welt, in dem Frauen das Autofahren verboten wurde. Trotz Aufhebung des Verbots ist das Land aber noch Lichtjahre von einer Gleichberechtigung der Geschlechter entfernt.
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8. Muslimische Frauen dürfen andersgläubige Männer heiraten

Bislang war es muslimischen Frauen in Tunesien untersagt, nicht-muslimische Männer zu heiraten. Muslimischen Männern hingegen war es durchaus gestattet nicht-muslimische Frauen zu heiraten. Im vergangenen Jahr wurde diese Bestimmung aufgehoben. Frauen dürfen nun den Mann ihrer Wahl heiraten. Auch in der Erbfrage werden Frauen nun berücksichtigt und werden gleichberechtigt.

9. „Heirate deinen Vergewaltiger“-Paragraf abgeschafft

In einigen arabischen Ländern existieren (leider auch heute noch) Gesetze, die es Tätern ermöglichen einer Gefängnisstrafe zu entgehen, wenn sie ihre Opfer nach einer Vergewaltigung heiraten. Der Fall der 16-jährigen Amina Filali, die sich 2012 in Marokko mit Rattengift umgebracht hatte, weil sie ihren Vergewaltiger heiraten musste, machte weltweit auf die schreckliche, frauenfeindliche Praxis aufmerksam. Mit Erfolg. 2014 wurde der betreffende Paragraf in Marokko abgeschafft. 2017 zogen Tunesien, Jordanien und der Libanon nach.

10. Anhaltender Protest: Iranische Frauen legen ihr Kopftuch ab

Was für uns selbstverständlich scheint, ist für manche Frauen noch immer ein tagtäglicher Kampf für ihre Freiheit und Selbstbestimmung. Für iranische Frauen gilt seit der Islamischen Revolution 1979 Kopftuchzwang. Wer gegen das Gesetz verstieß, wurde bestraft und unter Arrest gestellt. Seit einiger Zeit versammeln sich im Iran regelmäßig junge Frauen, um gegen den Kopftuchzwang aufzubegehren. 2017 sind sie zum Symbol für den Protest einer ganzen Generation geworden. Die jungen Iranerinnen brauchen weiterhin unsere Unterstützung, damit sie in Zukunft selbst entscheiden dürfen, ob sie sich verschleiern wollen oder nicht.

11. Gleicher Lohn für Fußballerinnen in Norwegen

Der norwegische Fußballverband hat 2017 entschieden, dass Fußballnationalspielerinnen in gleicher Höhe entlohnt werden sollen wie ihre männlichen Kollegen. Konkret heißt das, dass Nationalfußballerinnen zukünftig ebenfalls 6 Millionen Norwegische Kronen (640.000 €) pro Jahr für ihren Einsatz erhalten sollen. Bisher bekamen Frauen nur die Hälfte des Honorars, den männliche Nationalspieler einheimsten. Die verzichteten übrigens auf einen Budgettopf aus kommerziellen Werbeeinnahmen, damit ihre Kolleginnen gleichwertig entlohnt werden können. Norwegen ist mit dieser Aktion für geschlechter-unabhängige Bezahlung weltweit Vorreiter im Sportbereich. In Deutschland pfiff die Polizistin und Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus 2017 ihr erstes Bundesliga-Spiel für Männer. Eine Premiere, denn das hatte es bisher noch nie gegeben.
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Ja, es gibt garantiert noch viel Luft nach oben. Aber es ist wunderschön zu sehen, zu was wir als Gesellschaft in der Lage sind, wenn wir zusammen für Gleichberechtigung und Selbstbestimmung kämpfen.
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