Meditation hilft gegen Stress, lässt dich aber deine Ziele aus den Augen verlieren

Foto: Alexandra Gavillet
Immer mehr Unternehmen liegt sowohl die physische als auch die psychische Gesundheit ihrer Mitarbeiter*innen am Herzen. Deshalb setzt die moderne Arbeitswelt auf flexible Zeitmodelle, Räume zur Entfaltung von Kreativität und eine ausgeglichene Work-Life-Balance – selbstverständlich alles im Sinne und zum Wohle der Arbeitnehmer*innen. Die Big Player am Markt machen es vor: Tech-Firmen wie Google, Facebook oder Apple haben ihre riesigen Bürokomplexe in wahre Wellness- und Freizeittempel verwandelt. Das Angebot reicht von Kickerturnieren in der Mittagspause bis hin zu Yoga-Kursen am Nachmittag, die Menschen dabei helfen sollen, sich zu entspannen. Der Gedanke dahinter: Wenn Angestellte ausgeglichen und zufrieden sind, werden sie kreativer, leistungsfähiger und können im Unternehmen richtig durchstarten, was wiederum die Basis für mehr Wachstum und langfristige Gewinne ist.
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Führen Stressabbau und Entspannung zum Erfolg?

Das Konzept setzt sich durch und so bieten immer mehr Unternehmen das Erlernen bestimmter Strategien an, mit denen man Stress besser bewältigen können soll. Hoch im Kurs steht etwa die sogenannte Achtsamkeitsmeditation, die, wie der Name schon verrät, zu mehr Achtsamkeit im Alltag führen soll und momentan als das Allheilmittel für so ziemlich jedes Problem, das im Tagtäglichen auftritt, gehandelt wird. Kurz gesagt geht es darum, die Fähigkeit zu entwickeln, sich vollends dem Moment zu widmen – möglichst wertfrei und unvoreingenommen. Das soll dabei helfen, nicht mehr mit Scheuklappen durchs Leben zu rennen, sondern die Umwelt und die eigenen Gedanken wieder bewusster wahrzunehmen. In den Führungsetagen namhafter Firmen wird also neuerdings meditiert was das Zeug hält. Das lesen wir zumindest in sämtlichen Manager- und Wirtschaftsmagazinen. Aber ob das immer alles so stimmt?

Meditation kann sich offenbar auch demotivierend auswirken

Die Psycholog*innen Andrew Hafenbrack und Kathleen Vohs haben sich in einer aktuellen Studie nun genauer mit der Wirkung von Achtsamkeitsmeditation befasst, die schon seit Jahren einen medialen Hype erfährt. Das Ergebnis ist folgendes: Ja, Meditation wirkt sich wirklich positiv aus. Weniger Stress, weniger Schlafprobleme, eine höhere Zufriedenheit am Arbeitsplatz – das konnte alles nachgewiesen werden. Aber, und das ist ein weiteres interessantes Ergebnis der Untersuchung, Überentspanntheit reduziert offenbar auch die Motivation. Etwa wenn es darum geht, Aufgaben und Herausforderungen anzupacken – egal ob sie angenehm oder unangenehm sind. Allzu oft werde nämlich vergessen, dass selbst maximal entspannte Menschen Antrieb benötigen, um private oder berufliche Ziele zu erreichen. Die Wissenschaftler*innen schlussfolgern daraus, dass ein gewisser Grad an Unzufriedenheit manchmal von Nöten ist, um sich anstehenden Aufgaben endlich zu stellen. An dem Argument ist etwas dran: Rückblickend betrachtet waren sicherlich schon viele von uns einmal in der Lage, erst aus einem Zustand der Unzufriedenheit heraus eine wichtige Entscheidung getroffen oder den Drang verspürt zu haben, Aufgaben endlich zu erledigen.
Auch wenn die Forscher*innen der Achtsamkeitsmeditation teils demotivierende Effekte unterstellen, so spricht das Gesamtergebnis doch eher für diese Technik. Denn wenig Stress und ein Höchstmaß an Entspannung sind prinzipiell erstrebenswert für ein gesundes Leben. Wer allerdings schnell auf der Karriereleiter nach oben klettern will, für den ist Meditation wohl nicht unbedingt immer geeignet.
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