Frauen in Hollywood: Was hat sich 25 Jahre nach Thelma & Louise wirklich getan

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25 Jahre sind eine lange Zeit. Vor rund 25 Jahren ging die erste, noch recht ruckelige Seite im WWW online. Heute ist im Netz nahezu alles möglich, die Weiterentwicklungen und Veränderungen sind atemberaubend. Vor rund einem Vierteljahrhundert kam auch der Kinofilm Thelma & Louise ins Kino. Es war der erste große Roadmovie mit Frauen in den Hauptrollen, war für sechs Oscars nominiert und sollte eine neue Ära für Frauen im Film einleiten. Hieß es damals zumindest. Und wie hat sich das Filmgeschäft für Frauen seitdem verändert? Dreimal dürft ihr raten...

Dort in Cannes, wo der Film 1991 bei den Film Festspielen uraufgeführt wurde, trafen sich jetzt die beiden Hauptdarstellerinnen Susan Sarandon und Geena Davis erneut. Diesmal um mit dem „Women in Motion Award“ für ihr Engagement ausgezeichnet zu werden. Und um festzustellen, dass sich seitdem leider wenig für Frauen in Hollywood verändert hat. „Nach Thelma & Louise wurde vorhergesagt, es würde eine Vielzahl von Filmen mit Frauen in den Hauptrollen geben. Aber leider ist es nicht passiert“, beklagt Susan Sarandon. Es fehle vielen Männern schlicht die Vorstellungskraft Frauen in Hauptrollen zu besetzen. Grund dafür sei: Big Business und die Tatsache, dass nur Geschäftsmänner in Hollywood das Sagen haben, meint die Oscar-Gewinnerin. „Würde man Thelma & Louise heute noch einmal drehen, wäre es wohl ein Animationsfilm“, beklagt sie offen.

Aber wieso traut Hollywood den Frauen bloß so wenig zu? Denn so alt diese Diskussion auch ist: Big Budgets bei den Hollywood-Studios werden Frauen nur in Ausnahmefällen anvertraut. „Wir sind gefangen in dieser Welt, in der Hollywood unter der Prämisse agiert, dass Frauen gerne Männer anschauen, aber Männer nicht Frauen“, meint Geena Davis. Und die Kulturministerin von Frankreich, Audrey Azoulay, erinnerte kürzlich daran, dass Schauspielerinnen überwiegend nicht als Heldinnen, sondern in unterstützenden Rollen zu sehen sind. Quasi als Beiwerk. Und das nicht nur vor der Kamera. Zahlreiche Studien belegen: Frauen sind im gesamten Filmbusiness unterrepräsentiert. So werden z.B. nur rund 20 Prozent der Filme, die in Europa gedreht werden, von einer Frau inszeniert.

Es fehlen: starken Frauenrollen und Regisseurinnen.

Wollen wir alle also keine starke Frau in der Hauptrolle sehen, sondern nur ein Eye-Candy? Was sagt es aus, wenn Meryl Streep, Sarah Jessica Parker oder Jessica Chastain am Anfang ihrer Karriere zu hören bekommen, sie seien zu hässlich für eine Karriere?! „Mitten im Casting unterbrach mich der Casting-Director“, erinnert sich Winona Ryder. „Hör mal, Kleines, Du solltest keine Schauspielerin werden. Du bist nicht hübsch genug. Du hast es nicht.“ Zum Glück hörte sie nicht drauf.

Und was sagt es aus, wenn die Frauen, die es dann doch „schaffen“ auch noch schlechter bezahlt werden als ihre männlichen Kollegen? „Vor ein paar Jahren fand ich heraus, dass ich in einem meiner Big-Budget-Filme nur rund 10 Prozent des Geldes bekommen habe, das mein männlicher Kollege bekam. Und das, obwohl wir im Film gleich wichtig waren“, erinnert sich Amanda Seyfried. „Es geht dabei gar nicht mal in erster Linie darum, wie viel Du bekommst, sondern wie fair das Ganze ist.“ Sogar Oscar-Gewinnerin Gwyneth Paltrow erlebt diese Ungerechtigkeit. „Dein Gehalt ist ein Weg seinen Wert zu messen. Wenn Männer für gleiche Leistung besser bezahlt werden, fühlt sich das scheiße an“, sagt sie. „Ich fordere gar nicht das Gehalt von Robert Downey Jr., aber wenn ich euch die Differenz verraten würde, wärt ihr überrascht.“

Und doch kommt Bewegung in das Ganze: Frauen wehren sich jetzt hörbar.

So schaffte Robin Wright Penn das Kunststück, für die Netflix-Serie House Of Cards denselben Betrag zu bekommen, wie Co-Star Kevin Spacey. „Ich sagte denen, ich wolle dasselbe Geld haben. Unsere Rollen sind gleichstark, mein Charakter ist sogar etwas beliebter. Ich sagte, bezahlt mich lieber, sonst mach ich öffentlich Druck.“ Auch Akte-X-Ermittlerin Gillian Anderson alias Dana Scully nutzte ihre Macht: Für die 2016-Neuauflage der Serie wurde ihr zunächst die Hälfte (!) des Gehalts ihres Co-Stars David Duchovny angeboten. „Das war schockierend, im Anbetracht der ganzen Arbeit über all die Jahre“, verrät sie. Auch Charlize Theron akzeptierte diese Ungerechtigkeit nicht. Für die Fortsetzung von Snow White und The Huntsmen sollte Co-Star Chris Hemsworth mehr bekommen als sie. Sie stellte sich auf die Beine und bekam letztlich gleichwertige Bezahlung.

Aber warum ist es dann trotzdem noch so unfair?

Schuld sei in gewissem Maße auch das Vertriebssystem – sagt Hollywood-Legende Meryl Streep. „Die Ungerechtigkeit hat mit dem Vertrieb und der Finanzierung zu tun. Unter den zehn größten Filmeinkäufern in den USA, sowie weltweit, findet sich keine einzige Frau. Männer und Frauen haben verschiedene Geschmäcker, aber wenn die Leute die entscheiden, was zu sehen sein wird, nur eine Vorliebe haben, dann wird die Auswahl limitiert sein“, sagt sie. So werde das Ganze zu einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung. Für Keira Knightley geht es sogar um mehr. „Wo sind denn die weiblichen Geschichten? Wo sind die weiblichen Regisseurinnen, wo die Autorinnen? Es ist alles nicht im Gleichgewicht. Immerhin stellen wir Frauen die Hälfte der Kinogängerinnen, die Hälfte der Leute, die Filme gucken. Wo wird das repräsentiert? Ja, die ungleiche Bezahlung ist ein wichtiger Fakt, aber ich bin mehr darüber besorgt, dann man unsere Stimmen so wenig hört.“

Die Lösung?

Braucht es vielleicht mal einen großen Knall? Müsste der nächste James Bond also eine Frau werden - wie bereits mehrfach gefordert wurde? Müsste eine Frau den charmanten, chauvinistischen, eiskalten Geheimagenten mit Lizenz zum Töten spielen, der zwar in den letzten Filmen schon deutlich emotionaler und gebrochener rüberkam, aber letztlich immer noch eine Bastion der Männlichkeit ist? Als Mann und Bond-Fan meine ich: Gehen würde es schon, schließlich hat 007 bereits mehrfach sowohl Aussehen, als auch Alter gewechselt. Und die Zeiten, in denen so ein Wechsel, zumindest bei Menschen unter 50, ernsthaft Empörung auslösen würde, sind schon längst vorbei. Dennoch wäre es meiner Meinung nach der falsche Weg: James Bond ist seit über 50 Jahren ein Mann und eine derartige Geschlechtsumwandlung empfände ich als viel zu gewollt. Außerdem: wollen und sollen Frauen ein derartiges Klischee, dass 007 nun mal ist, verkörpern? Im Grunde sind doch heute schon die Bond-Girls tougher als er. Wäre nicht mehr gewonnen, wenn eine Frau einen derartigen Film inszenieren würde? Denn wie die University of Southern California bereits in einer Studie herausfand, in der 1300 der erfolgreichsten amerikanischen Filme zwischen 2002 und 2014 ausgewertet wurden, mangelt es vor allem daran! Nur 4,1 Prozent waren von Frauen inszeniert. Macht aber eine Frau einen Film, kommen fast automatisch mehr Frauen darin vor.

Und vielleicht sollten die Hollywood-Bosse mal einen Blick auf ihre (mittlerweile erfolgreichere) Video-und Computerspiel-Konkurrenz riskieren: Dort sind Frauen in Hauptrollen schon längst Realität – und das auch außerhalb von 120-60-90-Tomb-Raider-Aussehen. Dort machen Frauen nämlich nicht nur optisch eine gute Figur. Die Videospiel-Heldinnen punkten vor allem mit Charakter, Geschick und Stärke und werden darüber hinaus auch klaglos von Männern akzeptiert.

Immerhin: Die ewige Stadt Rom, Italiens Hauptstadt, hat jetzt erstmals in ihrer langen Geschichte eine Frau als Bürgermeisterin. Es hat 2769 Jahre gedauert. In Hollywood wird das garantiert schneller gehen - Time is Cash.
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