Verleitet uns das versoffene Hollywood zum Trinken?

Sex and the City, HBO
Bei Sex and the City ist es der Cosmopolitan, bei James Bond Wodka Martini, bei Mad Men Bourbon, bei The Good Wife Rotwein – die Getränkekarte Hollywoods ist umfangreich. Und die Bar geöffnet.
Klar, die Geschichten in Filmen und Serien sollen das wahre Leben widerspiegeln – und in dem wird getrunken. Mit der Clique, allein, aus Bock, für den Kick, aus Frust, aus Einsamkeit. Wie sagten schon die alten Römer auf Latein: Es gibt viele Gründe zu trinken!
Das Dartmouth College hat gerade erst in einer Studie die 100 erfolgreichsten US-Kinofilme der vergangenen zwanzig Jahre auf Alkohol untersucht und herauskam, dass in 87 Prozent der Filme getrunken wird. In 43 Prozent tauchen sogar eindeutig erkennbare Spirituosen-Brands auf.
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Die Frage ist nun, ob der Stoff für die Leinwand wirklich der Spiegel der trinkenden Gesellschaft ist, oder ob uns die Geschichten und feuchtfröhlichen Bilder doch auch mehr zu Hochprozentigem verleiten? Eine Studie aus Niederlande und Kanada von 2010 sagt ganz klar Ja. Testpersonen, die entsprechenden Filmen und Serien zuschauten, nahmen das Doppelte an alkoholhaltigen Getränken zu sich wie jene, die Programme mit nur geringfügigem Alkohol-Bezug sahen.
Alkoholismus ist auf der ganzen Welt ein Problem, auch in Deutschland sind die Zahlen erschreckend: Im Jahr 2014 betrug der Pro-Kopf-Konsum an alkoholischen Getränken in der Bundesrepublik 136,9 Liter. Das entspricht 9,6 Liter reinem Alkohol. 96,4 Prozent der Bevölkerung im Alter zwischen 18 und 64 Jahren trinken Alkohol. Etwa 1,61 Millionen Männer und Frauen im Alter zwischen 18 und 64 Jahren trinken missbräuchlich Alkohol. Sie nehmen körperliche, psychische und soziale Folgen in Kauf. Männer trinken durchschnittlich deutlich mehr als Frauen. Rund 1,77 Millionen Männer und Frauen im Alter zwischen 18 und 64 Jahren sind alkoholabhängig.
Alkoholismus ist ein riesen Markt. Die Werbeaufwendungen für alkoholische Getränke in TV, Rundfunk, Plakatwerbung und Zeitungen/Zeitschriften betrug 2014 rund 561 Millionen Euro: „Nationale und internationale wissenschaftliche Studien haben nachgewiesen, dass Alkoholwerbung Jugendliche zum Trinken verleitet. Sie beginnen früher mit dem Alkoholkonsum, trinken insgesamt mehr und haben eine verzerrte Erwartungshaltung. Insgesamt bewirkt Werbung eine positivere Grundeinstellung zum Trinken", heißt es von Seiten der Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) e.V. in ihrer Aktionswoche Alkohol. „Alkoholhersteller und Werbeindustrie behaupten zwar gerne, Alkoholwerbung diene nur dazu, einen gesättigten Markt aufzuteilen. Dabei verschweigen sie, dass ihre Werbung insbesondere auf neue Zielgruppen und nachwachsende Generationen abzielt. Kurz: Alkoholwerbung richtet sich an Jugendliche und junge Menschen und wirkt konsumfördernd."
Und werblich wird der flüßige Stoff auch in Filmen und Serien häufig dargestellt: Wenn in Filmen getrunken wird und die Protagonisten eine gute Zeit haben oder Whiskey dem Charakter Ecken und Kanten verleiht, dann fördert das ebenfalls die Lust zum Mittrinken. Es gibt allerdings auch genug Filme über die Krankheit Alkoholismus, über Gewaltakte im betrunkenen Zustand, über versoffene Existenzen.
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