Liebe & ewige Jugend: Wieviel Aphrodite-Zauber steckt noch in Zypern?

Foto: Edith Löhle
Dieser Artikel stammt nicht aus der Kitschecke meiner Fantasie. Es hat sich wirklich so zugetragen, dass ich am Flughafen von Paphos auf Zypern von einem freundlichen Fahrer abgeholt wurde, dessen Name sich vom griechischen Wort für Liebe ableitet. Zum Verständnis: Ich kam an den Geburtsort der Aphrodite, um über die sagenumwobene Göttin der Liebe und der Fruchtbarkeit zu recherchieren. Um rauszufinden, was hier Mythos ist, was Alltag und vor allem, ob der Liebeszauber der Göttin noch immer spürbar ist. Als Agapios auf der Fahrt sagte, dass man ihn auch Mr. Love nennen kann, musste ich schmunzeln und blickte in den Himmel. Es klingt erfunden, aber diese eine Wolke, die über mir schwebte, sah aus wie ein Herz. In den ersten Minuten auf dieser Insel, die wie kaum eine andere mit Romantik verbunden ist, spürte ich sie also bereits schon, diese ganz besondere Magie.

Ich folgte der Einladung der Fremdenverkehrszentrale Zypern und der Fluggesellschaft Germania, um mich auf der drittgrößten Mittelmeerinsel auf die Spuren der Aphrodite zu begeben. Ich erinnerte mich dunkel, was ich im Lateinunterricht über die griechische Mythologie gelernt habe: Schon Homer hatte im 8. Jahrhundert vor Christus die besondere Verbindung Zyperns zu der weiblichen Gottheit erwähnt. Der Hauptschauplatz war in der Geschichte eben diese Region um Paphos, die auch heute noch von Aphrodites Geist dank der Ausgrabungen, Mosaiken und Museen lebt.

Als ich in ihrem Geburtsort Petra tou Romiou ankam, war ich schon mittendrin in der fesselnden Geschichte: Der Legende nach entstieg Aprodite hier den Wellen. Ihres Namens nach ist sie die Schaumgeborene. Über ihre Zeugung scheiden sich allerdings bis heute die Geister, doch der gängigsten Erzählung nach, entstand Queen A aus der Verbindung aus dem Blut, dem abgetrennten Geschlechtsteil ihres Vaters und dem Schaum des Meeres: Kronos kastrierte seinen Vater Uranos nämlich mit einer Sichel. An der Stelle, an der das göttliche Glied ins Meer fiel, an der Stelle tauchte Aprodite auf. Und genau dort, wo diese schöne Frau aus dem Schaum der Wogen kam, ragt heute ein Felsen aus dem Wasser.
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Foto: Edith Löhle


Zwar haben die Christen im 4. Jahrhundert nach Christus den Kult und die Rituale um Aphrodite verboten, doch das ist längst vergessen. Auf meiner Reise sprach ich mit vielen Frauen, egal in welchem Alter, alle kannten die Rituale und ich merkte schnell, dass der Mythos nach wie vor auf der Insel lebt. Zum Beispiel kann man bei Vollmond beobachten, wie Paare dreimal um den Aphrodite-Felsen schwimmen. Warum? Na, für die ewige Liebe. Wahlweise geht auch die ewige Jugend. Aphrodite ist da flexibel. Auch tagsüber beobachtete ich viele Liebenden an dieser Stelle. Die jungen hoffen bestimmt auf ein Leben zusammen und die alten danken für eben jenes. Hach, wie romantisch hier. Auch der Wunschbaum vor dem Strandabschnitt passte zu dieser abergläubischen Energie: Die Zyprioten knoten kleine Stücke Stoff oder Taschentücher an die Äste eines Baumes und wünschen sich etwas. Solche Bäume gab es früher auf Zypern häufig vor Kirchen und Kapellen, da konnten die Gläubigen ihre Gebete unterstützen.
40 Kilometer nördlich von Paphos liegt ein dunkler Tümpel, der ebenfalls ein wichtige Kulisse im Aphrodite-Stück darstellt: In diesem natürlichen Wasserbecken, einer Quelle unter einem Felsüberhang, badete sie. Es ist überliefert, dass Akamas, der Sohn des Theseus, das Spiegelbild der planschenden Aphrodite hier erblickte. Die Göttin der Liebe waltete ihr Amt und trieb es mit dem Jüngling an Ort und Stelle. Sie wurde bei den olympischen Göttern verraten und Aphrodite musste auf den Olymp zurückkehren. Auch an dieser Stelle heißt es, wer von dem Wasser kostet, wird sich hoffnungslos verlieben. Eine junge Frau, die ich auf meiner Reise kennenlernte, erzählte mir, dass sie schon als kleines Mädchen immer hier hergefahren sei, um sich mit dem Wasser zu waschen. Laut ihrer Großmutter sorge das für ewige Schönheit.

Die Insel ist also wie erwartet voller Mystik, es gibt so viele Brauchtümer und Rituale – das machte für mich auch den Charme Zyperns aus: Direkt neben den Resten des Aphrodite-Heiligtums von Alt-Paphos steht eine kleine griechisch-orthodoxe Kirche aus dem Mittelalter, Katholiki, die noch heute Anlaufstelle für kinderlose Frauen ist. Die Frauen beten das 'Ihr Kinderlein kommet' in dem Gotteshaus von Kouklia.

Außerdem gang und gäbe: Bei einer traditionellen Hochzeit auf Zypern muss die Braut auf dem Rückweg von der Kirche am Eingang des Hauses einen Granatapfel auf die Erde werfen. Das Obst wird eng mit Aphrodite verknüpft und um so mehr Samen der Frucht auf dem Boden verteilt sind, desto mehr Kinder bekommt das Paar angeblich. Auch die Myrte spielt eine zentrale Rolle in der Aphrodite-Mythologie, sie ist ein heiliger Busch, weil die Göttin ihre Nacktheit hinter einer Myrte versteckte, als sie aus dem Meer kam. Der Busch symbolisiert Schönheit und Jugend, wegen ihrer immergrünen Blätter sowie den schönen Blüten und dem wolhtuenden Duft. Myrte-Zweige wurden früher dafür verwendet, um Tempel und Heiligtümer zu schmücken. Heute wird Myrte bei traditionellen Hochzeiten für die Hochzeitskränze verwendet.

Dieser Trip hat mich auf jeden Fall mehr gelehrt als der Lateinunterricht. Ja, ich bin der Aphrodite auf die Spur gekommen. Auch wenn mich die Reise nicht verjüngt hat, verliebt habe ich mich: in die Insel!


Foto: Edith Löhle

Die Fluggesellschaft Germania fliegt von Nürnberg, Dresden, Hamburg, Berlin, Düsseldorf und Erfurt-Weimar direkt nach Paphos. Auf visitcyprus.com informiert die Fremdenverkehrszentrale Zypern auch über die Kulturrouten und Wanderwege zum Aphroditekult.

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