Alleinerziehend & Vollzeit arbeitend: Das sind Berlins Power-Mütter

Verliebt, verlobt, alleinerziehend. Alleinerziehende Eltern machen inzwischen 20 Prozent aller Familien in Deutschland aus und sind damit die einzig stetig wachsende Familienform. Jede fünfte Familie mit Kindern unter 18 Jahren wird von einem einzelnen Elternteil geführt, wobei Frauen hier mit 91 Prozent die satte Mehrheit ausmachen.
Alleinerziehende Mütter sind dabei nicht nur vor ungeheure organisatorische Herausforderungen gestellt, sondern vor allem auch vor finanzielle, weil abgesehen von Unterhaltszahlungen die zusätzlichen Kosten nicht geteilt werden. Und es ist ja nicht so, dass der Arbeitsmarkt es alleinerziehenden Müttern leicht machen würde. Vonseiten der Arbeitgeber werden sie in der Regel als Risiko eingestuft, während die Gesellschaft, sollten sie es geschafft haben, einen Vollzeitjob zu finden, nicht selten als „Rabenmütter“ oder „Karrierefrauen“ gesehen werden
Ganz klar, Beruf mit Familie zu kombinieren ist alles – nur nicht einfach. Die Option, vorübergehend einer Arbeit als Vollzeitmutter nachzugehen (oder als „lead parent“, wie es in Amerika heißt), sollte eigentlich gebührend gewürdigt werden. Doch gerade diese Frauen sind oft die Leidtragenden, sollten sie nach einer „Auszeit“, die keine natürlich keine Auszeit war, zurück in den Beruf wollen. Haben Sie schon mal versucht, aus einer Elternzeit, die länger als ein Jahr ging, ein Darlehen bei der Bank zu bekommen, um zum Beispiel eine Businessidee umzusetzen? Die Chance liegt bei null! Ohne die Hilfe von großzügigen Partnern, Verwandten oder Freunden ist hier nichts zu holen.
Und da sind wir auch schon am Hauptproblem jenes Bermudadreiecks aus Gesellschaft, Arbeit und dem Muttersein angekommen. Denn wie man es macht, macht man es falsch. Aber wenn man es sowieso nicht richtig machen kann, ist das vielleicht die Chance, es einfach so zu machen, wie man denkt, dass es für einen selbst und den Nachwuchs passt.
Aber so befreiend es ist, sich von Erwartungen zu lösen, so anstrengend ist es natürlich, gegen den Strom zu schwimmen. Frauen und Mütter müssen hier zusammenhalten und mehr fordern: dass Arbeitsstrukturen geschafft werden, die die Lebensphasen einer Frau berücksichtigen und dass die Vorurteile über eine eingeschränkte Leistungsfähigkeit von Müttern aus den Köpfen vieler Arbeitgeber und Kollegen verschwinden. Man könnte ja auch argumentieren, dass gerade Mütter, die durch ihre multidisziplinären Aktivitäten, gezwungenermaßen Meisterinnen im Zeitmanagement sind, und es daher besonders gut verstehen, effizient zu arbeiten.
Selbstverständlich bedarf es besserer Betreuungsangebote, die den Kindern Spaß machen. Es gibt nicht genügend Ganztags-Kitas und Schulen mit einem Späthort-Programm! Es wäre absurd und für die meisten kaum bezahlbar, wenn der Wunsch, wieder Vollzeit zu arbeiten, automatisch auf eine Privatschule hinausliefe. Glücklicherweise scheint es aber so zu sein, dass viele Frauen auf ein Netzwerk von Freunden und Verwandten zurückgreifen können, um Beruf und Familie unter einen Hut zu bekommen.
Die Frauen, die für diese Story ihre Erfahrungen mit uns geteilt haben, beweisen ein endloses Maß an Lebenskraft, Stärke und Unverwüstlichkeit. Sie haben sich einen Weg gebahnt, auf dem sie Beruf mit Familie kombinieren, und mussten dafür teilweise riesige Hürden nehmen und sich intensiv mit ihren eigenen Vorstellungen, den Erwartungen der Gesellschaft und der Arbeitswelt auseinandersetzen. Für keine war es leicht.

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