Business-Brief von Maru Winnacker: Einmaleins des Netzwerken

Ein gutes Netzwerk ist essentiell, um seine Idee an den Markt zu bringen. Netzwerken bedeutet nicht, so viele Businesskarten wie möglich zu sammeln. Vielmehr geht es darum, nachhaltig gute Kontakte aufzubauen, auf die man sich verlassen kann. Doch wie fängt man eigentlich richtig an?

So war’s bei mir:

Meine Mutter war eine Meisterin im Netzwerken. Da meine Vater während der Woche kaum zu Hause war und wir in einem sehr kleinen Ort im Taunus bei Frankfurt am Main wohnten, hatte meine Mutter sich vorgenommen, jeden im Ort kennen zu lernen. Meine Eltern waren Zugezogene und eingeschworene Dorfgemeinschaften sind bekanntlich nicht einfach zugänglich.

Meine Mutter hatte es schlau angestellt: Sie wurde Sekretärin vom örtlichen Pfarrer. Die Kirche ist schließlich Dreh- und Angelpunkt eines Ortes, an keinem anderen Ort hätte Mama unsere Nachbarn so gut kennenlernen können. Irgendwann vergab sie sogar eigene Sprechstunden, um sich die Neuigkeiten und Sorgen der Ortsbewohner anzuhören – und zu schauen, wo sie helfen, also vernetzen, konnte. Das hat mich schon als Kind fasziniert, weil sie immer für jeden eine tolle Lösung parat hatte. Das Schöne daran war, dass sie es wirklich gerne tat, ohne eine Gegenleistung zu fordern. Wenn sie aber Jahre später einmal Hilfe brauchte, wusste sie immer, wen sie anrufen konnte und die Person war für sie da. Das habe ich mir sehr früh abgeschaut.

Als ich vor 10 Jahren nach Berlin kam, um mein erstes Unternehmen zu gründen, ging es mir genauso wie meiner Mutter. Ich kannte kaum jemanden. Berlin war damals für mich eine riesige Stadt mit so vielen unterschiedlichen Stadtteilen, Menschen und ich wusste gar nicht, wo ich anfangen sollte. Also entschied ich mich, das hiesige Alumni Netzwerk von meiner Universität richtig aufzubauen, um somit alle Ehemaligen in Berlin und Umgebung kennen zu lernen.

Anfangs war es frustrierend, da kaum jemand zu den so genannten Stammtischen kam. Ich überlegte, welchen Mehrwert ich bieten könnte, um eine gute Anzahl an interessanten Alumni für meine vierteljährlichen Treffen zu begeistern. Ich habe mich entschieden jedes Mal einen Top Key Note Speaker einzuladen, der für die Alumni interessant sein könnte. Das funktionierte. Mittlerweile habe ich hier eine tolle ebs Alumni Insights Reihe in Berlin aufgebaut zu der auch viele Nicht-Berliner extra in die Hauptstadt anreisen. Ich hatte also mein eigenes Netzwerk mit anderen geteilt, um dieses dadurch gleichzeitig zu erweitern.

Wie hatte ich mir dieses Netzwerk vorher aufgebaut? Jedes Mal, wenn ich eine spannende Person kennen gelernt hatte, habe ich den Kontakt gehalten. Während des Studiums hatte ich acht Praktika in den unterschiedlichsten Branchen absolviert. Diese Kontakte bestehen nach wie vor und wir helfen uns gegenseitig, wenn der/die andere danach fragt. Der längste Kontakt besteht zu meiner Brieffreundin, die ich als Zwölfjährige auf einer Russlandreise kennen gelernt habe. Carlotta, eine Italienerin, ist mittlerweile eine meiner besten Freundinnen und wir helfen uns gegenseitig privat und beruflich weiter. obwohl sie in New York wohnt und ich in Berlin. Ein gutes Netzwerk beginnt dann, wenn man es noch nicht braucht. Pflegt man die Kontakte gut, kann man immer darauf zurückgreifen.

Das rate ich Euch:

Fangt heute an. Schaut euch um und hört vor allem zu. Es gibt immer jemanden, dem ihr helfen könnt. Glaubt mir, die Person wird es nicht vergessen und ihr könnt euch später bestimmt an sie wenden, wenn ihr einmal Hilfe benötigt. Beginnt aber bitte nicht wahllos Leute zu treffen und Intros zu machen. Zeit ist kostbar. Habt ihr zum Beispiel eine spannende Person auf einer Konferenz gesehen, sprecht sie direkt an und verabredet euch. Überlegt im Vorhinein, welche Überschneidungen es gibt und wie ihr euch helfen könnt. Gibt es schon ein konkretes Anliegen, dann sprecht dies direkt an. Gibt es keines, haltet den Kontakt.

Sehen und gesehen werden: Nur wer proaktiv rausgeht und sich zeigt, wird gesehen. Geht auf Konferenzen, organisiert gemeinsame Dinner, zu dem jeder eurer Kontakte eine spannende Person mitbringen darf, fragt nach einer Einladung, wenn ihr eine Veranstaltung interessant findet.

Hat man einmal selbst Hilfe bekommen, gebt unbedingt und sofort Feedback. Es gibt nichts Schlimmeres, als von einem Dritten zu erfahren, dass der Gefallen gefruchtet hat. Erfährt man selbst als Letzter davon, war es wahrscheinlich das letzte Mal, dass man dieser Person wieder hilft. Ein kleines Dankeschön gehört einfach dazu.

Lernt zu geben, aber auch zu nehmen. Fangt in kleinen Schritten an, dann merkt ihr schnell: Netzwerken macht Spaß! Ich freue mich, euch bald persönlich kennen zu lernen.
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