Business-Brief von Maru Winnacker: So wird aus der Idee ein Business

2016 ist für mich in Berlin ein Jubiläumsjahr. Vor zehn Jahren bin ich in die Hauptstadt gezogen, seit zehn Jahren bin ich Unternehmerin. Und ich liebe es! Unternehmerin zu sein, bedeutet für mich, selbst entscheiden zu können, wann ich welche Schritte mit meiner Firma gehe. Selbstverständlich gehören Höhen und Tiefen dazu. Ehrlich gesagt sind es mehrere - gefühlt endlose - Tiefen, bis man endlich eine Höhe schafft. Aber genau das brauche ich. Denn das ist meine Aufgabe, Lösungen zu finden. Für alle, die diesen Weg noch vor sich haben, widme ich mich diese Woche der Frage: Wie fängt man überhaupt an, um eine Idee in ein Unternehmen zu verwandeln?

So war’s bei mir:

Ein Bekannter von mir kam vor besagten zehn Jahren aus seinem Sabbatical aus Asien zurück und berichtete mir, welch' tolle Teesorten es dort doch gebe und dass eine solch' exklusive Qualität in Deutschland bisher noch nicht in normalen Geschäften zu kaufen sei. Ich weiß nicht wieso, aber es machte mich neugierig: Ich ging direkt in zwei Feinkostgeschäfte in Frankfurt am Main und siehe da, es stimmte. Exklusive Teesorten waren eigentlich nicht vorhanden und die dargestellte Verpackungsform überhaupt nicht schön. Ich brauchte nicht lang und stieg sofort in seine Idee ein und gründete mein erstes Unternehmen - ohne Ahnung von Tee, Warenbeschaffung oder Feinkostbetriebe.

Hatte ich Angst? Nein. Im Gegenteil! Ich war super aufgeregt, weil es eine komplett neue Herausforderung war und ich bei Null anfangen musste. Einen großen Vorteil hatte ich: Vertrieb macht mir Spaß! Ich liebe es, Produkte zu verkaufen. Diese auch noch selbst kreieren zu können, fand ich toll.

Für meine Selbständigkeit hatte ich meinen Job in einem großen Unternehmen gekündigt und musste also ab Tag eins mein eigenes Gehalt verdienen. Das war letztlich der Antrieb, den ich brauchte, um sehr schnell meine erste Kundenbasis aufzubauen. Ich machte mir eine Liste mit einem Ranking der größten Unternehmen im Bereich Feinkost und klapperte alle nacheinander ab. Ja, richtig Klinkenputzen, anrufen, noch mehrmals anrufen, spontan vorbeifahren...

Am Anfang waren die ersten Kunden nicht überzeugt, weil sie mein Produkt viel zu teuer fanden. Ich überlegte mir meine eigene Guerillastrategie und bot an, mich selbst in einem asiatischen Seidenkostüm auf die Verkaufsfläche zu stellen und den Teeverkauf erst einmal bei deren Kunden zu testen. Und siehe da, es funktionierte. Innerhalb von wenigen Stunden waren alle verfügbaren Tees ausverkauft. Als ich nach Hause kam, lag die erste Großbestellung im Fax und wir waren bei dem Kunden gelistet. Ein tolles Gefühl. Und ein toller Start mit meinem ersten Startup.

Das rate ich euch:

Wenn Ihr eine Idee habt, die Euch brennend bewegt, macht einfach! Probiert es aus. Der Weg ist das Ziel. Und auf diesem Weg könnt Ihr alles lernen. Es gibt keinen perfekten Businessplan, denn nichts ist vorhersehbar. Euer Brennen für eine Idee sollte die Kernmotivation für das Gründen sein.

Bitte nicht gründen, wenn Ihr das Ziel habt, so schnell wie möglich berühmt in der Presse zu sein. Das funktioniert nicht. Es ist ohnehin so, dass man am Anfang gar keine Zeit für so viel Presserummel hat.

Ein Geldregen darf auch nicht Euer Antrieb sein: Als Gründer seid Ihr erst einmal diejenigen, die am wenigsten im Unternehmen verdienen. Ihr müsst ja zuerst eure eigene Arbeitskraft investieren. Wenn dann etwas Geld da ist, dann fließt das zu den ersten Mitarbeitern. Es kommt im Übrigen auch bei Investoren nicht so gut an, wenn ihr Euch selbst das größte Gehalt zahlen wollt. Also, erst einmal eigene Arbeitsleistung, Zeit und Geld in das Unternehmen stecken.

Wenn Ihr gegründet habt, dann nichts wie los und verkaufen! Die Idee ist noch nicht perfekt? Egal! Testet doch erst einmal, ob sie funktioniert. Geht raus, traut Euch und akquiriert die ersten Kunden. Jedes Feedback ist Gold wert. Nutzt das und baut dies wieder in den Produktprozess ein.

Wenn Ihr wirklich von Eurer Idee überzeugt seid, schafft Ihr das auch.
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