Alles, was ihr über Champagner wissen müsst & welchen ihr jetzt kaufen solltet

Foto: Megan Madden
Fragen über Fragen: Soll es Moët sein oder lieber ein Dom Perignon? Tut es auch der Schampus von Discounter? Und ist ein dezenter Winzersekt oder ein solider Prosecco manchmal einfach besser als echter Champagner? Gemeinsam mit Toni Askitis, Sommelier, Gastronom, Entertainer und Inhaber von #asktoni, dem man jede Frage zum Thema stellen darf, bin ich den Klischees nachgegangen, wieso Champagner nur etwas für die Schönen und Reichen (und tendenziell sind wir vermutlich eher ersteres als letzteres) zu sein scheint und nur zu ganz besonderen Anlässen getrunken wird, habe mir ein paar Profitipps abgeholt und Mythen aufgeklärt. Außerdem haben wir einen Discounter-Champagner für 12,99 Euro verkostet. Und der war gar nicht mal so schlecht.
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Das Dumme ist, dass man die Flaschen im Laden nicht zum Probieren öffnen darf und ansonsten meist die nötige Ahnung fehlt, wenn es darum geht, zur richtigen Flasche zu greifen. Aus Unsicherheit greift man zu dem, was man kennt, und das ist nicht selten irgendein Industrieprodukt. Die Standards sind Freixenet und Brut D'Argent oder, wenn es teuer sein darf, eben Veuve Cliquot oder Moët & Chandon.
Vielleicht muss man erst einmal verstehen, wieso Champagner so viel teurer ist, als viele andere Getränke, denen wir am Wochenende gern zusprechen: Da gibt es mehrere Gründe. Zunächst einmal kommt Champagner aus der Champagne, also nur aus einer Region, und die hat natürlich begrenzte Ressourcen. Dann muss er auf eine bestimmte Art und Weise gelagert werden, der edle Tropfen sollte mindestens 15 Monate auf der Feinhefe liegen und in tiefen, kühlen Kellern gelagert werden. Klingt wie Fachblabla? Dann merkt euch: Es ist einfach ein exquisites Produkt, dessen Herstellung mit viel Zeit und Mühe verbunden ist – und hat deswegen seinen Preis. Und natürlich zahlt man auch fürs Image: Teure Werbung, prominente Werbegesichter, Marken, die viel Geld für ihre Prestige ausgeben. Vielleicht kommen euch bei dem Begriff Champagner auch schnell Bilder von super attraktiven Menschen auf weißen Yachten in den Kopf – und ja, das ist eben ein Image, welches die Branche vermittelt. „Champagner hat tendenziell immer den Beigeschmack von Dekadenz“, sagt auch Toni. „Wenn man ihn irgendwohin mitbringt, dann heißt es schnell, oh Champagner, du gönnst dir ja heute richtig was. Ich bezeichne ihn daher gern einfach als Wein – denn im Prinzip ist er das: Ein guter, prickliger Wein.“
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Um hier nicht zu sehr ins Detail zu gehen, habe ich mich für kurze Fragen und knappe Antworten entschieden; alle Tipps stammen von Toni, der das Trinken schlichtweg zum Beruf gemacht hat.
Was ist der richtige Champagner für eine Frau?
#asktoni: Da sollte man nicht zwischen Mann und Frau differenzieren. Klar, gibt es Champagner mit feminineren Noten, aber auch die werden gern von Männern getrunken. Trinkt, was euch schmeckt, und nicht, was andere euch sagen oder gerade cool ist. Wein ist unkompliziert und sollte es bleiben.
Veuve Cliquot oder Moët?
#asktoni: Beides Massenprodukte, die es geschafft haben, sich einen riesigen Namen zu machen, und damit bei Champagner-Laien die erste Assoziation mit dem Produkt sind. Ich würde generell andere Produkte wählen, aber wenn ich wählen müsste, definitiv den Veuve.
Woraus trinke ich Champagner?
#asktoni: Aus einem herkömmlichen Weißweinglas. Klar, diese Champagnerschalen sehen schön aus, aber man riecht einfach gar nichts, weil der Duft gleich verfliegt und das beeinflusst auch den Geschmack. Diese hochwandigen Sektkelche sind auch nicht das Richtige. Ein Weißweinglas ist die ideale Lösung – und das hat vermutlich jeder zuhause.
Wie lange kann ich Champagner trinken, wenn er offen ist?
#asktoni: Einen guten Champagner sollte man direkt trinken. Ganz. Sind die Bubbles z.B. gröber und das Produkt nicht so exquisit, kann man ihn auch am nächsten Tag noch trinken.
Bringt der mysteriöse Löffel in der Flasche etwas, um die Bubbles bzw. die Perlage zu erhalten?
#asktoni: Also bei mir hat das noch nie etwas gebracht. Keine Ahnung woher der Mythos stammt – besser macht so ein Löffel im Flaschenhals das Getränk nicht – da hilft nur trinken.
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Marvin Schoenberg
Industriesekt (also die üblichen Verdächtigen aus dem Supermarkt) oder günstigen Champagner aus dem Discounter?
#asktoni: Also dann definitiv immer der Champagner, weil es einfach das bessere Produkt ist.
Solide Alternativen zu Champagner?
#asktoni: Cremant, Cava und Franciacorta können eigentlich nicht falsch sein. Ich baue allerdings immer wieder gern auf einen guten deutschen Winzersekt. Der kann preislich mit dem Discounterchampagner mithalten und ist was wirklich Feines.
So und jetzt mal ehrlich: Was kann so ein Discounterchampagner für 12.99 Euro?
#asktoni: Da kann man nicht generalisieren. Der hier (stammt von Lidl, heißt Comte de Brismand brut und kostet 12.99 Euro) schmeckt gar nicht mal so schlecht. Hat recht grobe Bubbles oder, wie der Experte sagt, eine gröbere Perlage. Für mich als versierter Champagner-Trinker ist er ein wenig zu süß, nach hinten raus etwas klebrig, aber durchaus solide und trinkbar.
Wieso ist so ein Discounterchampagner so günstig im Vergleich zu herkömmlichen Marken?
#asktoni: Auch das hat verschiedene Gründe. Zum einen werden die Trauben hier nicht selbst angebaut, sondern einfach von Produzenten abgekauft. Zum anderen gibt es unterschiedlich teure Pressarten. So kann man einen Champagner dieser Art auch günstig verkaufen.
Und hier drei Tipps für Champagner, die schmecken – nicht nur zu wichtigen Anlässen, sondern vielleicht einfach an einem regnerischen Sonntag auf der Couch. Oder nach einem stressigen Tag im Büro oder halt sonst irgendwann im Alltag.
1. Pol Roger Brut Reserve – für jeden Tag!
Preis: ca. 38 Euro
Ein Alltagsliebling, der sich sowohl für Einsteiger als auch für Profis eignet. Schön cremig und einfach trinkbar.
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2. Champagne Salmon Brut Rosé – für Fans von Rosa!
Preis: ca. 35 Euro
Ein schöner Rosé Champagner, den man gut als Aperitif trinken kann. Vielschichtig und nicht so gummibärchenhaft wie viele andere Rosé-Sorten.
3. Krug Grande Cuvée – für den sehr besonderen Anlass!
Preis: ca. 180 Euro
Pure Eleganz im Glas, super tiefgründig und bespielt alle Sinne – man kann quasi nicht aufhören zu trinken.
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