Superfood: Wie gesund sind Chiasamen wirklich?

Photo: Getty Images.

Chiasamen werden nicht erst seit gestern als „Superfood“ gehandelt. Doch der Hype, der gerade online dazu stattfindet, ist kaum wissenschaftlich fundiert.

„Ein Großteil des Chia-Seeds-Hypes ist überzogen.“, erklärt Kim Larson, staatlich anerkannte Ernährungsberaterin und Sprecherin der Academy of Nutrition & Dietetics. „Es gibt bisher nur wenige Studien dazu.“

Tatsächlich zeigt eine 2012 veröffentlichte Studie, dass Chiasamen keinen nennenswerten Einfluss auf die Verringerung des Krankheitsrisikos haben. Zehn Tage lang täglich Chiasamen zu verzehren, hat bei den StudienteilnehmerInnen weder den Cholesterinspiegel noch den Blutdruck gesenkt und sich auch nicht auf das Entzündungspotential ausgewirkt. Die einzige messbare positive Veränderung war die erhöhte Aufnahme einiger wichtiger Fettsäuren – was laut Larson (missverständlich) dazu geführt hat, dass Chiasamen jetzt entzündungshemmende Eigenschaften zugeschrieben werden.

Tatsächlich kann der Körper nur eine kleine Menge dieser Fettsäuren auch wirklich verwerten. „Das ist relativ vage.“, erklärt Larson via E-Mail gegenüber R29. „Man sollte nicht glauben, dass man über Chia Seeds dieselben Omega-3-Fettsäuren aufnimmt wie über Fisch und Meeresfrüchte.“

Chiasamen haben aber natürlich auch ihre Vorteile. „Ich betrachte Chia-Seeds als Nährstoffbooster – wie alle Samen.“, sagt Larson. „Sie sind schnell verwertbar, praktisch und haben eine gute Nährstoffzusammensetzung. Wenn sie regelmäßig verzehrt werden, kann sich das positiv auswirken.“

Chiasamen beinhalten alle wichtigen Aminosäuren, was sie zu einer guten Proteinquelle macht. Außerdem machen die 33 Gramm Ballaststoffe pro 100 Gramm lange satt. Und weil sie sich in einen klebrigen Pudding verwandeln, wenn man sie über Nacht einweicht, sind sie eine praktische Frühstücksvariante für alle, die morgens nicht so viel Aufwand betreiben wollen. Larson empfiehlt außerdem, sie über Salate, ins Müsli oder den Joghurt zu streuen. Sie funktionieren sogar als Pektin-Alternative in Fruchtmarmeladen.

Die Eigenschaften, die für den Gelatine-artigen Effekt sorgen, betreffen aber auch den Magen. Zu viel Chiasamen zu euch zu nehmen kann also eine „Herausforderung“ für euer Verdauungssystem sein, wie Larson formuliert (Soll heißen: Zu Verstopfungen, Blähungen und allgemeinem Unwohlsein führen).

Das heißt konkret: Chiassamen können euch definitiv mit wichtigen Nährstoffe versorgen – sie sind aber auch kein Wundermittel.
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