Wie es ist, als Kurdin mit traditionellen Eltern in Deutschland aufzuwachsen

Trotz kultureller Vielfalt in Berlin war der Spagat zwischen zwei Tradtionen für Melis nicht immer einfach

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Wenn du dir immer nur Sorgen machst, was andere über dich denken, findest du nie zu dir selbst. Im Leben geht es um mehr, als Listen abzuhaken und in, von anderen vordefinierte, Schubladen zu passen. Such dir deinen eigenen Weg abseits ausgetrampelter Pfade, vertraue dir und deiner Vision und schere dich nicht darum was andere denken. Klar, das ist leichter gesagt als getan, aber es ist doch so: Die Welt braucht keine neuen Heldinnen. Sei einfach deine eigene und sei dir selbst genug. Erst wenn du anderen nicht mehr gefallen musst, bist du frei so zu sein, wie du wirklich bist. Mit Ecken und Kanten. Nicht perfekt, dafür authentisch. Das ist der Spirit der Anti-Heldin. Getreu dem Motto 'own your weirdness' haben wir uns mit Converse und dem One Star zusammengetan und eine kleine, aber feine Anti-Heldinnen Gang in Berlin getroffen. Melis, Amanda und Lili haben ihre Stories mit uns geteilt, wie sie gelernt haben, 100% sie selbst zu sein. Ihre Message ist klar: Sei so, wie du bist und steh zu deinen Macken und deiner Herkunft. Denn genau das ist es, was dich ausmacht und eröffnet dir die Chance zu echter, unverfälschter Selbstliebe. Melis eröffnet heute unsere Anti-Heldinnen Reihe mit ihrer Geschichte.
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Foto: Joanna Legid/ Styling: Anna Baur
Schuhe One Star 'Premium Suede' von Converse Amanda Bluse: M.i.h. Jeans, Tracksuit: Wood Wood, Lili Tracksuit: Sandro, Kopftuch: Vivetta, Melis Top: Vivetta, Tracksuit: P.E. Nation
„Ich bin eine alevitische Kurdin, geboren in der Türkei und seit meinem dritten Lebensjahr aufgewachsen in Deutschland. Ein Teenager zu sein war leider nicht so einfach für mich. In dem Moment, in dem ich fraulicher wurde, breiteten sich die Weltsorgen meiner Eltern über mir aus – und mit ihnen meine Stellung als heranwachsende Frau zwischen zwei Kulturen. Mein Gleichberechtigungssinn war enorm. Ich hatte nie Angst Neues auszuprobieren, hatte viele Interessen und war schon sehr jung Teil einer Queer-Bewegung in Heidelberg. Ich wollte Dinge tun, die jeder normaler Teenager tun wollte: Auf Konzerte gehen, bei Freunden übernachten und vielleicht mal heimlich auf eine Party schleichen. Dadurch, dass ich ein Mädchen war, kam vieles nicht in Frage oder nur in sehr geregelten Rahmenbedingungen. Davon war ich natürlich gar nicht begeistert und habe rebelliert in mir jeder möglichen Form. Das Vorzeigekind mit den Vorzeigenoten auf dem Gymnasium war plötzlich nicht mehr so repräsentabel. Weil ich es nicht mehr aushielt, verließ ich mein Zuhause sehr jung. Ich hatte dann Zeit zu heilen und wieder zu mir selbst zu finden.
Ich konnte vieles reflektieren, mich und mein Umfeld besser verstehen. Zu einer Art Melis 2.0 werden. Es spielte keine Rolle mehr was war. Ich betrachte mich nicht als Opfer und lasse mich nicht von negativen Dingen beherrschen. Erst als ich im Leben an einen Tiefpunkt gelangt bin, war ich für große Veränderungen bereit. Ich lernte, mich selbst auf eine neue Art zu lieben. Eine große Rolle spielten dabei auch meine Freunde. Die Quelle meines heutigen Selbstbewusstseins ist der Respekt und die Liebe mir selbst gegenüber. Ich bin der festen Überzeugung, dass erst wenn man sich selbst schätzt und glücklich macht, man andere glücklich machen kann.
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Foto: Joanna Legid/ Styling: Anna Baur
Manchmal, wenn auch nur selten, kommen Zweifel, ob ich das Richtige tue im Leben. Aber dieser Gedanke verschwindet sehr schnell wieder. Was ist schon richtig und was ist falsch? Allgemein würde man sagen sich von der Familie und seinem Umfeld abzuwenden ist falsch, das Abitur abzubrechen und in eine weit entfernte Stadt verschwinden ist falsch, einen neuen Beruf oder ein neues Interesse nach dem anderen zu verfolgen ist falsch... Alles falsch. Aber was ist schon falsch? Ich weiß selber, dass ich nicht perfekt bin und auch Dinge getan habe, die man eventuell anders hätte angehen können. Mein ganzer Weg durch die Jugend war teilweise holprig, experimentierfreudig, einsam, missverstanden, spannend, ungewiss… Und trotzdem war jede Entscheidung meine eigene, ich habe die Konsequenzen hingenommen und mich von niemandem aufhalten lassen.
Ich habe aufrichtig verstanden, was es bedeutet ein Teil dieser Welt zu sein. Meine gute Energie hole ich mir aus dem was ich bin und womit ich mich umgebe. Meine Empathie für andere, das Zuhören und das Füreinanderdasein öffnete mir die Augen. Ich begann Dinge zu sehen, die ich vorher nicht sehen konnte, so konnte ich andere und mich selbst besser zu verstehen. Ich habe keine Angst Risiken einzugehen und Entscheidungen im Leben zu treffen. Sicherheit ist nicht alles. Stumpf etwas leben, was nicht meine Leidenschaft ist würde für mich nie in Frage kommen.
Ich möchte leben und meinen Träumen und Zielen nachjagen, weil ich mein Leben wirklich aufrichtig schätze. Ich möchte nicht den Mut verlieren, auch wenn es an manchen Tagen schwer ist aufzustehen und Dinge anzugehen – ich weiß es kommt immer der nächste Tag, der nächste Moment, an dem es wieder ganz anders aussieht. Nur wir alleine setzen uns Grenzen. Wenn wir uns selbst und unsere Welt verstehen und unseren Geist mit unserem Körper verbinden, entsteht die aufrichtigste und liebevollste Energie und der Wille man selbst zu sein, was im Übrigen das befreiendste Gefühl überhaupt ist."
Foto: Joanna Legid/ Styling: Anna Baur
Schuhe One Star 'Premium Suede' von Converse Amanda Jacke: Wood Wood, Top: Alles Berlin, Jeans: Weekday
Lili Jogginghose: Björn Borg Kleid: Asos Rollkragenpullover: Scotch and Soda. Longsleeve: Converse Melis Top: Alles Berlin, Jeans: Wood Wood, Jacke: Converse
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