David Kirsch im Interview: „Ich bin nicht mehr so streng, wie früher“

Als DER Personal Trainer der internationalen Stars verkörpert er ein gewisses Image. Fit, motiviert, streng. Bekannt wurde er durch die Promis, die er trainiert. Jennifer Lopez, Naomi Campbell, Liv Tyler, Heidi Klum. Aber auch durch seine konsequenten Fitness-Techniken. In seiner „ultimativen New York Diät“ gab es über den ganzen Tag verteilt nur einen Proteinshake, 90 Gramm Thunfisch, 170 Gramm Hähnchenbrust und sieben Mandeln. Und da sitzt er nun, bereit zum Interview. In seinen Sportklamotten und den Turnschuhen. Aus der kurzen Hosen blitzen die durchtrainierten Waden. Und ich frage mich, ob ich mein Schokocroissant zum Frühstück lieber hätte weglassen sollen. Doch im Gespräch lerne ich einen ganz anderen David Kirsch kennen. Die Person hinter dem Fitnessguru. Einen, dem es nicht um das Körperbild, sondern um das bewusste und gesunde Leben geht. Einen, der mit den Jahren dazu gelernt hat…

„Ich bin nicht mehr so streng, wie früher“, erzählt der neue Coach von Cyberobics im Refinery29-Interview. „Das ist sehr wichtig und das muss ich jetzt auch sagen. Als ich meine Töchter bekommen habe, war es sehr wichtig für mich, meine Philosophie noch mal zu überprüfen. Klar, Zucker und Alkohol sind immer noch nicht gut. Aber man muss versöhnlich sein. Man muss gütiger sein.“
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Mit 55 Jahren blickt der Fitnesstrainer auf eine lange Karriere zurück. Schon in den 1980ern begann diese. Eine Zeit, in der er einer der ersten war, die den Berufszweig des Personal-Trainings voranbrachten. Er präsentierte Sport-Programme, schrieb Bücher über seine Leidenschaft, gab Fitness-Tipps in Interviews, entwickelte Nahrungsergänzungsmittel. Kirsch wurde Teil der großen, aber auch umstrittenen Fitnessindustrie. 2009 wurde sein strukturiertes Leben auf den Kopf gestellt. Über eine Leihmutter bekam er Emilia und Francesca. Heute ist er glücklicher, alleinerziehender Vater der sechsjährigen Zwillinge. Und plötzlich war es auch okay, mal ein Stück Brot oder Kekse zu essen. Etwas, was er vorher strikt verweigerte.

Kirsch: „Jedes Essen ist okay. Ich will meine Kinder nicht so erziehen, dass etwas schlecht oder gut ist. Aber es gibt eben Nahrungsmittel, die besser sind und mehr Energie zuführen.“ Eine Sichtweise, die sich erst in den letzten Jahren so entwickelte. „Ich lerne jeden Tag dazu. Solange die Augen, die Ohren und das Herz offen sind, wird dir etwas beigebracht. Meine Betrachtungsweise von Fitness über Nutrition bis hin zur Ernährungsweise verändert sich. Vor zehn Jahren noch habe ich kein Stück Brot gegessen. Man wird mit der Zeit schlauer und gütiger.“

Was aber nicht heißt, dass Kirsch seinen gesunden Lebensstil aufgeben würde. Nicht nur im Job, sondern auch im Familienleben spielt das bewusste Leben und Bewegung für ihn eine große Rolle. Er nennt es aber heute lieber Wellness. „Für mich geht es in jedem Moment meines Lebens um Wohlbefinden: meine Arbeit, mein Business, mein Buch, meine Töchter. Ich könnte sonst nicht ertragen, was ich mache.“ Zu seiner größten Motivation gehören die Zwillinge. Ein Lächeln überkommt sein Gesicht, als er wieder von ihnen redet. „Haben Sie schon mal Sechsjährige in Bewegung gesehen? Das ist nonstop Cardio“, so Kirsch. Sogar ins Fitnessstudio nimmt er sie mal mit. Jetzt könnte man doch etwas schmunzeln. Aber Kirsch erklärt weiter: „Man kann Kinder nicht dazu zwingen, etwas zu machen. Man kann sie aber auf einen natürlichen Weg damit in Kontakt bringen.“ So kam es auch ganz natürlich, dass Francesca ihren Vater irgendwann als Vorbild sah. „Sie sagte: ‚Daddy, ich will auch mal eine Trainerin sein, wenn ich groß bin. Ich will so sein, wie du. Ich sagte nur: ‚Nein, du willst nicht so sein, wie ich.“ Sie und ihre Schwester sollen irgendwann ihren ganz eigenen Weg gehen.
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